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Presswerk der Zukunft „Der ideale Prozess beginnt bei der Simulation aller Bauteile“

Autor / Redakteur: Dietmar Kuhn / Claus-Peter Köth

Die Automobilindustrie ist wie kaum ein anderer Industriezweig innovativ gefordert. Unter dem Druck, ressourcenschonende Automobile bauen zu müssen, stehen Leichtbau, Crashsicherheit, neue Werkstoffe und die Modellvielfalt im Fokus. Dr.-Ing. Frank Weber, Leiter Center Presswerk der Daimler AG, zeigt auf, welche Veränderungen diesbezüglich auf die Presswerke zukommen.

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„Automobilhersteller müssen sich prinzipiell, wie auch die Pressen- und Werkzeughersteller, den sich verändernden Rahmenbedingungen anpasse“, konstatiert Dr.-Ing. Frank Weber, Leiter Center Presswerk der Daimler AG.
„Automobilhersteller müssen sich prinzipiell, wie auch die Pressen- und Werkzeughersteller, den sich verändernden Rahmenbedingungen anpasse“, konstatiert Dr.-Ing. Frank Weber, Leiter Center Presswerk der Daimler AG.
(Foto: Archiv "blechnet")

Die Automobilbranche ist, wie fast kein anderer Industriezweig, sehr stark von Veränderungen in der Produktion geprägt. Welche sind das aus Produktionssicht?

Generell sind dies neue Antriebskonzepte, Leichtbau und die Herausforderung einer globalen Präsenz. Bedingt durch die Fahrzeugkonstruktionen sind Material und Fertigungsverfahren die Haupteinflussgrößen, speziell für die Presswerke. In Zukunft wird der Aspekt Menge/Stückzahlen noch dazukommen. Durch die Explosion an Derivaten und der Modulbauweisen werden Bauteile mit hohen als auch geringen Stückzahlen darzustellen sein.

Wenn man die immer noch nicht zu Ende geführte Diskussion um den Leichtbau betrachtet, so haben sich dafür ja neue Stahlsorten, aber auch andere Leichtbauwerkstoffe etabliert. Wie beurteilen Sie den Materialmix und welche Anteile nehmen die einzelnen Werkstoffe für sich in Anspruch?

Der Leichtbau ist bezüglich Reduzierung des Kraftstoffverbrauches und der CO2-Werte unabdingbar. Leider steht der Leichtbau aber auch im Widerspruch, wenn es um die Reduzierung der Herstellkosten geht. Es wird zu keinem direkten Ersatz eines Werkstoffes zugunsten eines anderen kommen, aber es wird Verschiebungen beziehungsweise Verdrängungen innerhalb der eingesetzten Materialgruppe geben. Stahl und Aluminium in immer besser an den spezifischen Einsatz angepasster Form werden neben Kunststoffen aller Arten ihren Platz haben.

Materialmix und Derivate fordern neue Produktionsabläufe

Wie wirken sich beispielsweise auch neue Fahrzeugstrukturen und die Vielfalt von Derivaten auf die Produktionsbedingungen aus?

Durch neue Fahrzeugstrukturen wird sich der Materialmix verschieben und die steigende Anzahl an Derivaten wird die Produktionsabläufe generell beeinflussen. Vor diesem Hintergrund sind das Materialmanagement, der Materialfluss durch die Fabriken, aber auch Losgrößen in einer großen Spreizung und das Werkzeugmanagement, beginnend von einer pressennahen Lagerung bis hin zu kurzen externen Rüstzeiten, zu überdenken.

Wenn wir aus der Materialvielfalt einmal den Basiswerkstoff Stahl betrachten, so wurden von Stahlherstellern in den letzten Jahren doch reichlich neue Werkstoffsorten und Werkstoffgüten zur Verfügung gestellt. Können diese noch unter den gleichen Produktionsbedingungen umgeformt werden?

Für viele Anwendungsfälle hatte dies in der Vergangenheit bis heute keine Auswirkungen auf die Produktionsbedingungen. Es sind die hoch- und höchstfesten Materialgüten, die neben einer intensiven Umformsimulation im Vorfeld die Anlagentechnik heute mehr an die Grenzen der Leistungsfähigkeit bringen – teilweise diese überschreiten.

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