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Suzuki Kizashi Der japanische Jetta

| Redakteur: Bernd Otterbach

Die viertürige Limousine Suzuki Kizashi fliegt unter dem Radar der potenziellen Kundschaft daher. Weitgehend zu Unrecht.

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Mit der automobilen Mittelklasse hatte Suzuki bislang wenig zu tun: Klein- und Geländewagen sind die Domäne der japanischen Firma, die sich bislang höchst selten in das Segment klassischer Limousinen wagte. Kein Wunder, dass kaum ein potenzieller Kunde den im vergangenen Jahr vorgestellten und 26.990 Euro teuren Kizashi im Blick hat.

Dabei ist bereits die Formgebung des Viertürers als gelungen zu bezeichnen. Das gilt vor allem für das schwungvoll und eigenständig gezeichnete Heck, das mit seinen großen Auspuffblenden sportlich auftritt. Auch die Frontpartie präsentiert sich recht aggressiv, wartet jedoch mit keinem Designelement auf, das man nicht schon einmal irgendwo gesehen hat. Auffällig sind die hochwertig wirkenden 18-Zoll-Alufelgen, auf die 235er-Niederquerschnittsreifen der Serie 45 aufgezogen sind. Und die Lackqualität besitzt Oberklasse-Niveau.

Hochwertiges Interieur

Fast ebenso hochwertig präsentiert sich das Interieur mit serienmäßiger Lederausstattung und insgesamt ansprechender Materialauswahl. Überhaupt ist die Serienausstattung mehr als komplett. Dazu gehören neben der Lederausstattung zum Beispiel ein elektrisches Schiebedach, ein elektrisch verstellbarer Fahrersitz, Einparksensoren und Xenon-Scheinwerfer. Nur gegen Aufpreis gibt es allerdings ein Pioneer-Navigationssystem; der elektronische Weiser muss aus dem Zubehörprogramm nachgerüstet werden. Und dass die Skalen der Instrumente nachts in blassem Rosa aufleuchten, ist zwar originell, stellt das ästhetische Empfinden des Fahrers allerdings auf eine Probe.

Einige Fahrerassistenzsysteme sucht man übrigens vergeblich - oder auch nicht: Wir haben es keineswegs als Manko empfunden, dass der Kizashi auf manche der elektronischen Oberlehrer verzichtet, die bei einigen Konkurrenzmodellen beispielsweise so schwierige Operationen wie das Halten der Spur bei Konstantfahrt überwachen.

Keine Sportlimousine

Unter der Haube des Kizashi arbeitet, sobald der unverständlicherweise als sportlich geltende Startknopf gedrückt wurde, ein 131 kW/178 PS starker 2,4-Liter-Vierzylinder-Saugmotor, der seine Leistung vor allem unauffällig auf die Straße bringt. Mit einem Sprint von 0 auf 100 km/h in 7,8 Sekunden und der Höchstgeschwindigkeit von 215 km/h, die nach längerem Anlauf erreicht werden, sind die Daten zwar mehr als passabel. Als Sportlimousine kann man den Kizashi jedoch bei bestem Willen nicht bezeichnen - obwohl das Fahrwerk erhebliche Reserven bietet und sich auch von hohen Geschwindigkeiten nicht aus der Ruhe bringen lässt. Die Lenkung ist leichtgängig, der Wendekreis allerdings deutlich zu groß.

Der Verbrauch hält sich in Grenzen: Es ist problemlos möglich, unter 9 Liter pro 100 Kilometer zu verbrauchen. Wenn es jedoch schneller vorangehen soll, fällt es der Reichweitenanzeige schwer, sich auf die Verbräuche bei sehr hohen Reisegeschwindigkeiten einzustellen. Hier fällt die Berechnung oftmals über längere Distanz zu optimistisch aus, bis dann recht unvermittelt zum Nachtanken aufgefordert wird.

Komfortables Fahrwerk

Das Fahrwerk bietet nicht nur sportliche Reserven, sondern ist auch komfortabel - trotz der 18-Zoll-Felgen. Die angenehm konturierten Sitze tragen dazu bei, dass auch lange Strecken entspannt zurückgelegt werden können. Der 461 Liter große Gepäckraum ist per Umlegen der Rückbank erweiterbar. Bevor der Deckel schwungvoll geschlossen wird, sollte man sich allerdings vergewissern, dass das Gepäck in ausreichender Entfernung von den weit in den Kofferraum hineinragenden Bügeln verstaut wurde. Schöner wären seitliche Scharniere und Gasdämpfer, aber die gibt es inzwischen ja nicht einmal mehr bei den Konkurrenzmodellen von Audi.

Hybrid-Sportler debütiert in New York

Es ist nicht ganz einfach, den Suzuki Kizashi einzuordnen. In Auftritt und Größe liegt er näher an VW Jetta oder Ford Focus Stufenheck als an der etablierten Mittelklasse vom Schlage eines Audi A4 oder Ford Mondeo. In Anbetracht von Leistung und Ausstattung ist der Preis von 26.990 Euro günstig; für nur 3.000 Euro mehr gibt es zudem Allradantrieb und eine stufenlose Automatik, die in dem Kizashi in der Kombination allerdings jegliches Temperament rauben dürften.

Vielleicht steht uns die interessanteste Kizashi-Variante ja erst bevor: Auf der New Yorker Automesse im April haben die Japaner nicht nur eine Hybrid-Studie namens Kizashi EcoCharge gezeigt, sondern auch den Kizashi Apex, der von einem Garrett-Turbolader auf knapp 300 PS gebracht wird. Diese Version würde den japanischen Jetta zu einer ernstzunehmenden Sportlimousine transformieren - und dem deutschen Vorbild nur noch die Rücklichter zeigen.

Technische Daten

Viertürige, fünfsitzige Stufenheck-Limousine der MittelklasseLänge 4,65 m, Breite 1,82 m, Höhe 1,47 m, Radstand 2,70 m2,4-Liter-Vierzylinder mit 131 kW/178 PS bei 6.500 U/minmax. Drehmoment 230 Nm bei 4.000 U/min, 0-100 km/h in 7,8 SekundenVmax 215 km/h, Verbrauch 7,9 l/100 km, 183 g CO2/km, Preis 26.990 Euro

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