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Chevrolet Aveo Der kleine mit dem bösen Blick

| Autor / Redakteur: sp-x / Vera Scheid

Billig allein reicht nicht mehr. Das hat längst auch Chevrolet verstanden. Nach dem Spark wird deshalb jetzt auch sein großer Bruder Aveo aufgemöbelt. Dabei hilft die Schwestermarke Opel.

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Er ist einer der stillen Stars in der Zulassungsstatistik. Denn wer hätte gedacht, dass Chevrolet mit dem Aveo bei den Kleinwagen ganz vorne mitfährt. Niemand – und genau das ist das Problem, welches die US-Marke jetzt mit der Neuauflage ändern möchte. Denn wenn im September die zweite Generation des Bestsellers an den Start geht, wird er nicht nur etwas größer und geräumiger, sparsamer und sicherer – sondern vor allem sieht er etwas markanter aus.

Das pummelige Gesicht ist sportlicher geworden. Die Scheinwerfer sind groß und flankieren einen schmalen Kühler. Die Radkästen wurden betont und zugunsten des sportlichen Auftritts ordentlich gefüllt.

Dabei ist der Aveo in jeder Dimension ein wenig gewachsen: Mit 4,04 Metern überragt das neue Modell seinen Vorgänger um zwölf Zentimeter und der Radstand legt um vier Zentimeter zu. Entsprechend mehr Platz haben die Passagiere: Vorn fahren auch große Erwachsene ganz bequem, und hinten kann man es zumindest auf Kurzstrecken gut aushalten. Dazu gibt es 290 Liter Kofferraum und damit sogar mehr Platz als im VW Polo. Und wem das noch immer zu wenig ist, dem bieten die Amerikaner mit ein paar Wochen Zeitversatz auch wieder eine kleine Limousine. Die ist vielleicht eher spießig als sportlich, ist dafür aber 40 Zentimeter länger und hat mehr als 500 Liter Kofferraum.

Punktabzug beim Ambiente

Etwas geschlampt hat Chevrolet beim Ambiente. Die Sitze sind zwar überraschend bequem und viel fester als gewohnt. In manchen Details, wie dem Lenkradtasten oder dem Lichtschalter, erkennt man die Verwandtschaft zum Opel Corsa. Aber die nahezu unverändert vom Spark übernommenen Instrumente im Motorradlook wirken für einen halbwegs ernsthaften Kleinwagen zu verspielt und die graue Plastiklandschaft ist eher trist. Da sind auch die vielen Ablagen kein Trost, die Chevrolet in die Kunststoff-Ödnis gestanzt hat. Vielleicht hätten die Entwickler stattdessen mal gründlicher in den Corsa schauen sollen um zu lernen, wie man mit Kleinigkeiten große Unterschiede zaubern kann.

Technik kommt von Opel

Bei der Technik dagegen hat der Austausch zwischen Opel und Chevrolet offenbar besser funktioniert. Weil sich die Amerikaner für ihren koreanischen Kleinwagen in Rüsselsheim bedienen konnten, gibt es unter der Haube des Aveo mehr Auswahl als üblich. Schon zum Start stehen zwei 1,2-, ein 1,4- und ein 1,6-Liter-Ottomotor zur Wahl, die ein Spektrum von 70 bis 115 PS abdecken. Außerdem kommt ein paar Wochen nach der Markteinführung erstmals in einem kleinen Chevy ein Diesel, den die Amis gleich noch mit Sechsgang-Automatik und Start-Stopp-System kombinieren. Für die Europäer ist das nichts Neues: Sie kennen das Paket mit 55 kW/75 PS oder 70 kW/95 PS und einem Verbrauch von wahrscheinlich unter vier Litern schon aus dem Corsa Ecoflex.

Flott im Stadtverkehr unterwegs

Schon mit dem 1,2-Liter-Ottomotor, der ebenfalls das vertraute Label „Ecotec“ trägt, macht der Aveo aber eine gute Figur: Der Motor ist leise und immer leistungsbereit. Klar kann man bei 86 PS und 115 Nm keine Wunder erwarten - wirklich heizen will man mit der leichtgängigen Lenkung auch gar nicht. Aber im Stadtverkehr ist der Aveo flott dabei und auf der Bundesstraße schwimmt er ordentlich mit. Immerhin schafft man den Sprint in 13,6 Sekunden und mit etwas Anlauf klettert die Tachonadel knapp über 180 km/h. Eine nette Überraschung birgt der Blick aufs Datenblatt: Mit 5,1 Litern ist diese Variante bis zum Debüt des Diesels die sparsamste in der Palette.

Harter Preiskampf

Bleibt zum Schluss nur noch die Frage nach dem Preis, die bei Chevrolet noch keiner so recht beantworten mag. Zwar ist die Serienausstattung mit sechs Airbags und ESP längt beschlossen und verkündet. Doch mit Blick auf den harten Konkurrenzkampf wollen sich die Amerikaner noch nicht in die Karten schauen lassen. Dieser Druck des Wettbewerbs ist es aber auch, der große Sprünge verhindert. Deshalb gibt es am Ende doch noch eine grobe Orientierung: „Genau wie der Vorgänger wird auch der neue Aveo bei unter 12.000 Euro beginnen.“

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