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Mercedes-Benz SLK 350 Der kleine SL

| Redakteur: Jens Meiners

Nicht mehr ganz taufrisch, aber nach wie vor konkurrenzfähig präsentiert sich der SLK von Mercedes-Benz.

Als erstes Cabrio mit Metall-Klappdach schrieb der Mercedes-Benz SLK Mitte der 90er-Jahre Geschichte. Mittlerweile ist der kleine Bruder des SL im Herbst seiner zweiten Modellgeneration angelangt. Ein Facelift vor einem guten Jahr sollte ihn gegenüber der jüngeren Konkurrenz wettbewerbsfähig halten. Dabei ist jene „Formel-1-Nase“, mit deren Verschwinden gerechnet worden war, durch eine neue Frontschürze noch zusätzlich akzentuiert worden.

Sowohl der Audi TT als auch der BMW Z4 sind jünger als der SLK. Beide haben jedoch Nachteile: Der TT, basierend auf der VW-Golf-Plattform, ist im Kern seines Wesens ein kompakter Fronttriebler - und es fehlt an einem wirklich starken Sechszylinder. Sein 3,2-Liter-VR6 leistet lediglich 250 PS und wird demnächst aus dem Programm gestrichen. BMWs Z4 wiederum gefällt auch in seiner zweiten Modellgeneration nicht jedem. Zu amerikanisch-ausladend wirkt das Klappdach-Coupé, dessen turbogeladene Spitzenversion mit 306 PS recht durstig ist.

Noch also sollte man den SLK nicht abschreiben, zumal die rundliche Form angenehm kompakt geraten ist und das Motorenprogramm vom Vierzylinder-Kompressor bis zum 5,5-Liter-V8 den meisten Ansprüchen gerecht wird.

Wir sind den SLK mit jenem 3,5-Liter-V6 gefahren, der 305 PS leistet und von Mercedes-Benz als „Sportmotor“ tituliert wird. Eigentlich ist dieser Motor eine Notlösung: Das gleich große, modernere Aggregat mit Direkteinspritzung (aus den Limousinen bekannt) paßt nicht in den SLK, weil im Package kein Platz für die notwendige Abgas-Nachbehandlung vorgesehen ist. Zum „Sportmotor“ qualifiziert sich der Motor in erster Linie durch eine angehobene Drehzahlgrenze und das betont sportliche Ansauggeräusch, der überlieferten Vorstellungen von einem seidigen Mercedes-Sechszylinder kaum zu entsprechen vermag.

Der V6 ist mit dem hauseigenen 7-Stufen-Automatikgetriebe gekoppelt und beeindruckt mit spontanen Reaktionen auf das Gaspedal. Mindestens ebenso erfreulich ist der niedrige Spritverbrauch. Die Hauptkonkurrenten des 250 km/h schnellen SLK 350 gehen mit der kostbaren Essenz jedenfalls deutlich weniger zurückhaltend um.

Die Fahrwerksabstimmung ist ein gelungener Kompromiß aus Komfort und Sportlichkeit. Aber eben ein Kompromiß. Wer jede erdenklich freie Minute auf der Rennstrecke verbringt, dürfte mit einem Porsche Boxster S oder einem Audi TT RS besser bedient sein. Andererseits bietet der SLK nicht jenes typische Mercedes-Gefühl, das sich als unaufgeregte, komfortbetonte Gelassenheit beschreiben ließe. Wer darauf Wert legt, sollte sich auf das neue E-Klasse Cabriolet warten, das technisch weitgehend auf der C-Klasse basiert und deswegen relativ kompakt ausgefallen ist.

Das Interieur ist mit einem Nacken-Belüftungssystem namens „Airscarf“ (zu deutsch: Luftschal) lieferbar, welches es auch bei kühlen Außentemperaturen ermöglichst, mit offenem Dach zu fahren, ohne sich komplett zu vermummen. Die metallisch wirkende Instrumentierung und ein Dreispeichen-Volant bemühen sich um Sportlichkeit, während die Hartplastik-Sonnenblenden einer Smart-Einstiegsvariante entnommen sein könnten.

Für den SLK 350 als „kleinen SL“ spricht viel - nicht zuletzt seine hohe Wertbeständigkeit. Und daran dürfte sich auch dann nicht viel ändern, wenn sein Nachfolger auf den Markt kommt.

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