Continental Der Smartphone Auto-Schlüssel

Autor / Redakteur: Jürgen Goroncy / Michael Ziegler

Der Automobilzulieferer Continental liefert einen digitalen Smartphone-Autoschlüssel für den Einsatz in Kurzzeitmietwagen. Ein Flottentest in Toulouse wurde bereits absolviert.

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Das Smartphone soll nicht nur den schlüssellosen Zugang zum Pkw bieten, sondern auch persönliche Fahrzeugeinstellungen speichern.
Das Smartphone soll nicht nur den schlüssellosen Zugang zum Pkw bieten, sondern auch persönliche Fahrzeugeinstellungen speichern.
(Continental)

Die Tage des mechanischen Autoschlüssels und der lästigen persönlichen Schlüsselübergabe könnte für Carsharing-Nutzer bald vorbei sein. Der „digitale Autoschlüssel“ von Continental ermöglicht mit NFC(Near-Field-Communication)-Übertragungstechnik und einer flexiblen App im Smartphone die spontane Anmietung von Miet- und Leihfahrzeugen.

Continental testet den digitalen Schlüssel seit zwei Jahren in einem ersten Flottenversuch mit zehn Fahrzeugen und den Mitarbeitern der Stadtverwaltung von Toulouse auf seine Alltagstauglichkeit. Und so funktioniert er: Nach der Online-Buchung des Nutzers schickt Continental auf dessen Mobiltelefon verschlüsselt einen fälschungssicheren Datensatz, der auf der SIM-Karte gespeichert wird. Er enthält die Zugangsberechtigung zum Fahrzeug. Via NFC-Technik überträgt das Mobiltelefon die Daten (Authentifizierung, Fahrzeug- und Diagnosedaten und Nutzerprofil) über eine Distanz von wenigen Zentimetern an ein NFC-Lesegerät in der Nähe des Türschlosses. Ein weiterer Empfänger im Wageninneren verifiziert vor dem Anlassen des Motors den digitalen Schlüssel erneut.

Finden, reservieren, aufschließen

Dreh- und Angelpunkt ist eine spezielle App für das Smartphone. Mit ihr kann der Nutzer die Fahrzeuge finden, auswählen, reservieren und sich zum ausgewählten Auto navigieren lassen. Das ganze geht auch spontan: Sobald man einen freien Wagen sieht, kann man sein Mobiltelefon daran halten. Automatisch wird dann dessen Verfügbarkeit geprüft und im positiven Falle kann der Fahrer den Wagen wie oben beschrieben nutzen.

Diese technische Infrastruktur unterscheidet sich laut Hersteller grundlegend von anderen Zugangssystemen, die ihre Systemintelligenz im Fahrzeug bündeln. Continental nutzt hingegen die Funktionalität der Smartphones und benötigt im Fahrzeug lediglich die NFC-Technik. Dieser Ansatz bietet nach Angaben von Luc Jansseune, dem Projektleiter „Digitaler Schlüssel“ bei Continental, enorme Kostenvorteile. „Unser System ist etwa um den Faktor acht bis zehn preiswerter als herkömmliche Zugangssysteme für Carsharing-Flotten, die in der Nachrüstung inklusive Montage derzeit 800 bis 2.000 Euro pro Fahrzeug kosten.“ Außerdem ist der Continental-Ansatz nicht Hersteller- oder Fahrzeug-gebunden, sondern universal einsetzbar.

Sichere Datenübertragung

Ein weiterer Vorteil ist das Schutzkonzept gegen unbefugte Datenabgriffe. Neben den üblichen Standards für SIM-Karten erfüllt das Continental-System auch die Vorgaben von Geld- und Kreditinstituten für den Online-Zahlungsverkehr. Zusätzlich erfolgt der Datenverkehr nur verschlüsselt – und auf kurze Distanz – zwischen Mobiltelefon und Fahrzeug. Im Smartphone besteht zwischen dem Security Element und der NFC-Schnittstelle eine direkte Verbindung, die laut Jansseune keinen Zugriff durch Hacker-Software erlaubt.

Der Projektleiter führt zusätzlich noch die Alltagstauglichkeit ins Feld. So sei der Fahrzeugstandort unkritisch, da die Kommunikation im Wesentlichen über das Mobiltelefon und nicht über das Fahrzeug laufe. Konventionelle Carsharing-Autos seien hingegen auf permanente GPS- und Mobilfunkverbindungen angewiesen und deshalb zwischen hohen Gebäuden, in Tiefgaragen und Parkhäusern nur schwer zu orten, an- oder abzumelden. Beim Flottenversuch in Toulouse funktionieren die Prozesse laut Jansseune sogar im fünften Tiefgeschoss einer Parkgarage, da die Prozeduren abgeschlossen werden, sobald der Fahrer samt Smartphone aus der „Unterwelt“ auftaucht und wieder Mobilfunkempfang hat.

Derzeit arbeiten die Entwickler an einer zweiten Produktgeneration, die noch dieses Jahr in einem weiteren Pilotprojekt mit mehreren hundert Fahrzeugen im Großraum Paris verfeinert werden soll. Auf Basis dieser Erfahrungen könnte der digitale Autoschlüssel von Continental dann etwa 2014 in Serie gehen.

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