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Sonderfahrzeuge

Der Sommer der 200 Cabriolets

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Vielfältige Karosserien

Verblüffend vielfältig waren sogar Karosserien und Chassis, die einerseits Vorkriegs-Kastenrahmenkonstruktionen wie im Morgan 4/4 umfassten, aber auch innovative Kunststoffkleider wie bei Elva und Reliant. Hinzu kamen Autos, die Bastelkünstler auch als Bausatz bestellen konnten, wie den englischen Ginetta. Sogar das viertürige Cabriolet war noch nicht ausgestorben, obwohl die Verwindungssteifigkeit bereits diskutiert wurde. Allerdings hatte der prominenteste aller offenen Viertürer, das Lincoln Continental Convertible, gerade erst ganz andere Schlagzeilen gemacht. War doch der amerikanische Präsident John F. Kennedy im offenen Lincoln durch Berlin paradiert bei seinem umjubelten Deutschlandbesuch im Sommer 1963. Das gewaltige nachtblaue Convertible bot den richtigen Rahmen für Kennedys triumphale Fahrt, neben sich Willy Brandt, den regierenden Bürgermeister West-Berlins, und Konrad Adenauer, den ersten deutschen Bundeskanzler. Ein Motiv für die Titelseiten. Vier Monate später füllte der Lincoln erneut die Frontseiten, diesmal allerdings in Trauerfarben nach dem tödlichen Attentat von Dallas.

Der Sommer der 200 Cabrios

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Drehmomentgewaltige Muscle Cars

In Deutschland war derweil Ludwig Erhard, der Vater des Wirtschaftswunders, nach 14 Adenauer-Jahren an die Macht gekommen. Vollbeschäftigung, kräftige Lohnzuwächse – allein elf Prozent gegenüber dem Vorjahr, allerdings noch bei 42-Stunden-Woche – und das „Wir-sind-wieder-wer“-Gefühl bestimmten das Wirtschaftsleben in Deutschland. Leistung und Leistungssymbole waren gefragt wie noch nie, kaum ein Autohersteller, der noch auf Coupés und vor allem Cabriolets verzichten wollte. Ähnlich sah es fast überall in der westlichen Welt aus. Die Menschen waren in Aufbruchstimmung. Die Jugend machte den Minirock zur Mode und Beatles und Beach Boys bewirkten Massenhysterien. Dagegen differenzierten sich die Baby-Boomer, Amerikas erste Nachkriegsgeneration, durch drehmomentgewaltige Muscle Cars von den Biedermännern ihrer Eltern. Leistungsexplosionen, die auch die Convertibles erfassten und von diesen gab es nun ebenfalls mehr als zuvor.

17 US-Marken mit Cabriolets

Ob Buick, Cadillac, Chevrolet, Chrysler, Cord, Dodge, Excalibur, Ford, Imperial, International, Lincoln, Mercury, Oldsmobile, Plymouth, Pontiac, Rambler oder Thunderbird, sie alle schickten schnelle und starke Sonnensegler auf amerikanische Oceanboulevards und europäische Promeniermeilen. 17 US-Marken, davon fast alle mit mehreren Klappdachmodellen, das war einzigartig. Und schon 1976, als mit einem Cadillac Convertible das vermeintlich letzte US-Cabrio eingestellt wurde, längst wieder vergessen. Wobei es hierzulande Mitte der 1960er Jahre allerdings fast nur Ford Mustang und Chevrolet Corvette zu nennenswerter Verbreitung brachten.

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