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Wirtschaft Deutsche Post stellt Streetscooter ein

| Autor/ Redakteur: dpa / Svenja Gelowicz

Ausgescootert: Die Deutsche Post stellt den Bau ihres Elektrotransporters ein und streicht ihre Gewinnpläne für 2020 zusammen. „Wir haben immer gesagt, dass wir kein Autohersteller sein wollen“, heißt es nüchtern von Vorstandschef Frank Appel.

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Die Deutsche Post wird keine weiteren Streetscooter herstellen.
Die Deutsche Post wird keine weiteren Streetscooter herstellen.
(Bild: Streetscooter)

Die Deutsche Post stellt den Bau ihres Elektrotransporters Streetscooter ein und streicht ihre Gewinnpläne für 2020 zusammen. Der operative Gewinn (Ebit) werde die angepeilte Marke von fünf Milliarden Euro in diesem Jahr voraussichtlich nur übertreffen, wenn man die Folgen der Coronavirus-Epidemie und neue Sonderbelastungen bei der Konzerntochter Streetscooter herausrechne, teilte die Post überraschend am Freitag (28. Februar) in Bonn mit.

An der Börse lösten die Nachrichten keine längeren Turbulenzen aus. Die Post-Aktie, die bereits am Vormittag ins Minus gesackt war, verlor nur kurzzeitig etwas mehr an Wert. Zuletzt lag sie wieder ähnlich wie zuvor mit 3,72 Prozent im Minus bei 27,54 Euro und gehörte damit zu den schwächeren Werten im insgesamt von Virussorgen gebeutelten Dax.

Fahrzeugfertigung läuft 2020 aus

Der Konzern werde die Suche nach einem Partner für den Streetscooter nicht weiter aktiv verfolgen. Stattdessen werde die Konzerntochter zu einem reinen Betreiber der Bestandsflotte. Der Vorstand rechnet deshalb für 2020 mit einmaligen Aufwendungen von 300 bis 400 Millionen Euro.

Der Bau der Fahrzeuge soll noch im Laufe des Jahres 2020 komplett auslaufen. „Neubestellungen wird es keine mehr geben“, sagte ein Post-Sprecher. Die Auslieferung von Fahrzeugen werde sich aber noch bis ins nächste Jahr hinziehen.

„Wir haben immer gesagt, dass wir kein Autohersteller sein wollen“, sagte Vorstandschef Frank Appel. Dank des unter dem Dach der Post entwickelten Fahrzeugs habe die Post heute zwar eine der größten elektrisch betriebenen Lieferflotten der Welt. Ein weiterer Ausbau der Produktion ohne den richtigen Partner entspreche aber nicht dem langfristigen strategischen Ziel des Konzerns. Trotzdem wolle die Post ihre Flotte wie angekündigt weiterhin auf E-Antriebe umstellen.

Die Post hatte lange nach einem Partner für ihre Tochter Streetscooter gesucht. Zusammen mit Ford baut sie auch eine größere Version des gleichnamigen Lieferwagens. Allerdings schrieb die Post in diesem Geschäft bisher immer rote Zahlen. Unter die Räder kommen damit auch Appels langfristige Gewinnpläne für den Gesamtkonzern. Das schon vor Jahren ausgegebene Ziel, den operativen Gewinn (Ebit) der Post bis zum Jahr 2020 auf mehr als fünf Milliarden Euro zu steigern, gilt nun nur noch eingeschränkt.

Geschäftszahlen der Post

Zusammen mit der Gewinnwarnung und der Streetscooter-Entscheidung legte die Post auch erste Eckdaten für das Jahr 2019 vor. Demnach steigerte der Konzern seinen Umsatz um knapp drei Prozent auf 63,3 Milliarden Euro. Der operative Gewinn legte nach einem Einbruch im Vorjahr um fast 31 Prozent auf gut 4,1 Milliarden Euro zu. Damit verfehlte das Unternehmen leicht die Erwartungen von Analysten. Die vollständigen Jahreszahlen will die Post wie geplant am 10. März vorlegen.

An seinem bereits ausgegebenen Gewinnziel für das Jahr 2022 hält Appel unterdessen fest. Dann soll der operative Gewinn mindestens 5,3 Milliarden Euro erreichen.

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