Führerscheinprüfung „Die nächstmögliche Einmündung rechts“

Autor / Redakteur: Elfriede Munsch/SP-X / Thomas Günnel

450 theoretische Fragen, 3.000 Kilometer mit einem Fahrlehrer – die weltweiten Anforderungen beim Erwerb des Führerscheins variieren stark; und muten teilweise absurd an.

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Der Weg zum eigenen Führerschein ist international sehr unterschiedlich und mitunter ungewöhnlich.
Der Weg zum eigenen Führerschein ist international sehr unterschiedlich und mitunter ungewöhnlich.
(Bild: BMW)

Seit Januar gelten neue Richtlinien für die Fahrerlaubnisprüfung. Sie beinhalten nun Fragen zu sicherheitsrelevanten Themen, zum Beispiel „Was ist bei der Fahrt in einem Kreisverkehr zu beachten?“. Klingt nicht wirklich kompliziert. Doch was müssen Führerscheinerwerber in anderen Ländern beachten? Welche Voraussetzungen gibt es und wie läuft eine praktische und theoretische Fahrprüfung ab? Der britische Versicherungsvermittler Zuto hat Daten und Infos zu Führerscheinherausforderungen aus 190 Ländern zusammengetragen und ausgewertet.

Gesundheits- und Psychologietest

Bevor überhaupt eine Prüfung abgelegt werden darf, ist in vielen Ländern zunächst ein Gesundheitstest notwendig. Ein solcher Test kann wie in Deutschland mit einem Sehtest vergleichsweise einfach ausfallen, kann aber auch kompliziert und umfangreich sein. In Nicaragua etwa ist das ein achtseitiger Psychologietest. So sollen potenzielle Verkehrsrowdys rechtzeitig erkannt und ihnen der Zugang zu Prüfung erschwert werden.

In Montenegro steht vor der Prüfung der Besuch bei einem Augenarzt und Psychiater an. In Ecuador gilt es im Vorfeld psychometrische Tests zu den Themen Reflexe, Sehen und Hören zu bestehen.

Umfangreiche Theorieprüfung

Auch der Umfang der theoretischen Prüfung fällt weltweit unterschiedlich aus. Vietnam führt die Liste mit 450 Fragen an, gefolgt von China und der Türkei mit jeweils 100 Fragen. In Deutschland sind es übrigens nur 35 Fragen, die innerhalb 45 Minuten beantwortet werden müssen. In Kasachstan sowie in Russland müssen die Prüflinge 95 Prozent der gestellten Fragen korrekt beantworten, auch Afghanistan (91 Prozent), Japan (90 Prozent), aber auch Portugal (90 Prozent) stellen hohe Anforderungen.

3.000 Kilometer mit dem Fahrlehrer

Die Anforderungen der praktischen Fahrprüfung unterscheiden sich ebenfalls von Land zu Land. In Frankreich etwa müssen Fahrschüler 3.000 Kilometer mit einem Fahrlehrer am Steuer zurücklegen, bevor sie überhaupt ihre praktische Prüfung ablegen dürfen. In Kroatien sind zunächst 70 bis 100 Stunden Fahrstunden Pflicht, bis Fahrschüler zur praktischen Prüfung zugelassen werden.

Bei der praktischen Prüfung in Indien müssen die Fahrschüler hingegen nur geradeaus fahren, links abbiegen und nach 50 Metern anhalten, um zu bestehen. Nicht wirklich anspruchsvoll gestalten sich die Vorschriften auch auf den Philippinen. Hier wird eine Schleife eines vorgegebenen Fahrkurses gefahren, der nur Rechtskurven beinhaltet.

Spielzeugautos und Fotos

Der Versicherungsvermittler hat bei seinen Recherchen auch einige kuriose Besonderheiten rund um die Führerscheinprüfung entdeckt. In der theoretischen Prüfung kommen in Kenia Spielzeugautos und eine Tischplatte zum Einsatz, damit die Prüflinge ihr Wissen der Verkehrsregeln demonstrieren können. In Andorra kann nur an einem Mittwochmorgen die Prüfung abgelegt werden.

In Libyen sitzen während der Prüfung neben Fahrschullehrer- und schüler auch ein Polizist und weitere Fahrschüler. Angst vor Betrug gibt es offensichtlich in Rumänien: Die Teilnehmer der theoretischen Prüfung werden während des Tests dreimal fotografiert. So soll gewährleistet werden, dass es sich tatsächlich um den richtigen Kandidaten handelt.

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