Mercedes-Benz Die neue S-Klasse: Der König des Asphalts ist zurück

Redakteur: Christian Otto

Mercedes-Benz hat am 15. Mai sein neues Flaggschiff S-Klasse mit großer Show im Hamburger Airbus-Werk vorgestellt. Und der erste Eindruck überzeugt: Daimler hat das Aushängeschild der Marke wieder etwas besser machen können – vor allem in den Bereichen Antrieb, Fahrwerk und Sicherheit.

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„Das beste Automobil der Welt“: Die Erwartungshaltung der Kunden an eine neue S-Klasse ist hoch. Mercedes-Benz präsentierte am 15. Mai in Hamburg sein neues Flaggschiff.
„Das beste Automobil der Welt“: Die Erwartungshaltung der Kunden an eine neue S-Klasse ist hoch. Mercedes-Benz präsentierte am 15. Mai in Hamburg sein neues Flaggschiff.
(Foto: Daimler)

Die Marke bezeichnet die S-Klasse nicht ganz unbescheiden als das „beste Auto der Welt“ und so wurde auch bei der Veranstaltung an nichts gespart. Die Tagesschau-Moderatorin Judith Rakers führte durch den Abend und verdeutlichte sehr schnell, warum der Veranstaltungsort – eine eigens umgebaute Auslieferungshalle des Airbus A380 auf dem Werksgelände des Flugzeugbauers in Hamburg-Finkenwerder – die richtige Wahl sei: „Der A380 als König der Lüfte und die S-Klasse als König des Asphalts haben viele Gemeinsamkeiten. Sie sind die Flaggschiffe beider Unternehmen.“

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Viel investiert

Diese Meinung unterstützten auch die Verantwortlichen von Daimler, allen voran der Vorstandsvorsitzende Dr. Dieter Zetsche, der die Premieren-Location als „coolste Garage der Republik“ adelte. Und er gab mit Blick auf die Entwicklung des Fahrzeugs zu: „Wir haben massiv in die neue S-Klasse investiert“, denn es sei „das wichtigste Symbol für den Ruf des Ganzen.“ Und dass die Investitionen auch die Veranstaltung betrafen, zeigte kurz danach die aufwändige Choreographie der Weltpremiere: Dabei fuhren zwei Varianten des neuen Zugpferds vor dem imposanten Hintergrund eines Airbus A380 durch ein Spalier von aktuellen Mercedes-Modellen vom Rollfeld in die Halle. Musikalisch rundete ein Auftritt von Alicia Keys die Präsentation ab.

Mercedes-Benz S-Klasse Präsentation
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Das Video zur Präsentation

Vier Motoren zum Start

Doch im Mittelpunkt standen natürlich das Auto und dessen Technik. Beim Antrieb startet die S-Klasse in ihr erstes Modelljahr mit vier Motoren: Mit dem S 400 Hybrid, dem S 500, dem S 350 BlueTEC und dem S 300 BlueTEC Hybrid, bieten die Stuttgarter zwei Hybride, einen Benziner sowie einen Diesel. Damit deckt Mercedes ein Leistungsspektrum zwischen 150/204 kW/PS und 335/455 kW/PS ab. Alle Motoren sollen gegenüber dem Vorgänger noch effizienter sein. So konnte laut Daimler der Verbrauch zum Teil um bis zu 20 Prozent reduziert werden. Ob diese Angaben stimmen, zeigen erst die Praxistests.

Das „sehende“ Fahrwerk

Auch das neue Fahrwerkskonzept muss noch näher unter die Lupe genommen werden. Daimler wirbt aber damit, dass das in der S-Klasse verbaute Fahrwerk „das erste sehende Fahrwerk der Welt“ ist. So könne das Fahrzeug Bodenwellen im Voraus erkennen. Stellt der so genannte Road Surface Scan derartige Unebenheiten mit Hilfe einer Stereokamera fest, regelt die als Magic Body Control bezeichnete Technik das Fahrwerk blitzschnell auf diese neue Situation ein. Allerdings ist diese „Magie“ nicht serienmäßig.

Leichter und steifer

Bei der Karosserie lag der Augenmerk laut Mercedes auf einer hohen Crashsicherheit, sowie einer sehr guten Steifigkeit – für ein tadelloses Fahrverhalten. Zudem sollten Geräusch- und Schwingungskomfort passend zum Anspruch des Modells sein. Die neue S-Klasse besitzt einen Aluminium-Hybrid-Rohbau der dritten Generation. Auch das Thema Leichtbau hielt Einzug: So sei die Torsionssteifigkeit im Verhältnis zu Gewicht und Fahrzeuggröße gegenüber dem Vorgänger um 50 Prozent verbessert worden, das Gewicht sank um 100 Kilogramm.

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Beim Thema Sicherheit finden sich jene technischen Lösungen, die auch schon in der neuen E-Klasse unter dem Begriff des erweiterten Pre-Safe-Schutzes wirken. Eine Erweiterung für die S-Klasse bilden allerdings die Fondsicherheitssysteme Beltbag und Cushionbag, die insbesondere bei einer möglichen Liegesituation und dem Anspruch als Chauffeurslimousine sinnvoll sind. Und natürlich dürfen im Vorzeigemodell der Marke auch nicht die Komfort- und Sicherheitssystem fehlen, die Daimler unter „Intelligent Drive“ subsumiert. Das sensor- und kamerabasierte Vorausschauen des Fahrzeugs bildet dabei die Basis für Lenk-, Brems-, und Spurhalteassistenten.

Seriöser Dynamiker

Beim Design bleibt die S-Klasse ein typischer Mercedes, wenn auch hier die Verjüngung der Marke mit Modellen wie der neuen A-Klasse Spuren hinterlässt. Die äußere Silhouette bleibt unverkennbar. Auch ohne markenspezifische Logos wäre es für den neutralen Betrachter eine S-Klasse: Mit der langen Motorhaube, der fließenden, kuppelförmig gespannten Dachlinie und dem leicht abfallenden Heck bleiben die klassischen Limousinen-Proportionen erhalten. Die auch von anderen Modellen bekannte „Dropping Line“ strukturiert das seitliche Profil und gibt der S-Klasse einen dynamischen Auftritt. Damit wirkt das Fahrzeug kraftvoll – aber doch noch nicht zu sportlich und wahrt die vom Kunden erwartete seriöse Linie. Verändert hat sich der Kühlergrill: größer als bisher, aufrecht stehend und betont dreidimensional gestaltet. Wie bei allem bleibt die endgültige Bewertung eine reine Geschmackssache.

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Glühlampe adé

Als weltweit erstes Fahrzeug kommt die neue S-Klasse serienmäßig ganz ohne Glühlampen in Interieur und Exterieur aus. Fast 500 LEDs übernehmen die Beleuchtung von Straße, Fahrzeug, Innen- und Kofferraum. So enthalten die Scheinwerfer je bis zu 56 LEDs, die Rückleuchten je 35 LEDs, plus vier für die Nebelschlussleuchte, und im Innenraum verbauten die Ingenieure inklusive der Ambientebeleuchtung etwa 300 LEDs. Der Innenraum ist wie erwartet hochwertig und hält unzählige Gimmicks bereit, die die luxusaffinen Kunden auch fordern: So gibt es auf Wunsch eine „aktive Beduftung“, die sich ein- und ausschalten lässt. Außerdem ist die Intensität regelbar. Dadurch wird das Geruchsfeld des Innenraums individualisiert. Darüber hinaus gibt es die Option eines Liegesitzes, der sich auf bis zu 43,5 Grad neigen lässt. Neben dem Komfort soll die S-Klasse aber auch als rollender Arbeitsplatz genutzt werden. Ausklappbare Tische und die Anbindung an das Multimedia-System sind dafür integriert. Ein wirklicher Gewinn ist das Burmester High-End 3D-Surround-Soundsystem, dessen Klang im Praxistest sehr überzeugte.

Mercedes-Benz Geschichte der S-Klasse
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Der neue Gradmesser

Dass zwei hochauflösende TFT-Farbdisplays im Format 8:3 und mit einer Bildschirmdiagonale von 30,7 cm (12,3 Zoll) die neue Informationszentrale der S-Klasse bilden und dabei komplett auf mechanische Rundinstrumente verzichtet wird, ist für ein Fahrzeug mit einer solchen Tradition eher schade. Hier hätte es gern ein Mix aus konservativ und modern sein dürfen. Technisch übernimmt der linke Bildschirm die Funktion des bisherigen Kombiinstruments und bietet alle fahrzeugrelevanten Informationen. Der rechte Bildschirm dient zur Steuerung von Infotainment- und Komfortfunktionen.

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Der Marke mit dem Stern ist in jedem Fall eine neuerliche Weiterentwicklung ihres Vorzeigemodells gelungen. Es fehlen allerdings noch die Fahreindrücke, um den gelungenen ersten Eindruck abzurunden. Mit der S-Klasse haben die Stuttgarter gegenüber der Konkurrenz wieder vorgelegt. Diese muss sich bei der Entwicklung ihrer Oberklassemodelle an den vielen technischen Neuerungen messen. Preislich gibt es für sie und die potenziellen Kunden auch schon eine Orientierung: In Deutschland beginnen die Preise für die neue S-Klasse bei 79.789,50 Euro für den S 350 BlueTEC mit kurzem Radstand.

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