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Antrieb Die Zukunft des Diesels

| Autor / Redakteur: Hanne Lübbehüsen/SP-X / Christian Otto

Immer öfter wird die Zukunft der Dieseltechnik hinterfragt. Gerade sparsamen Benziner und der wachsende Hybridanteil trübt die Perspektive. Allerdings zeigt das wachsende Interesse in bisher noch Benzinmotor-dominierten Märkten, dass die Antriebsart weiterhin Potenzial hat.

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Dieselantriebe sind nicht mehr nur ein europäisches Phänomen. Auch in anderen Märkten wächst das Interesse. Aber sparsame Benziner und Hybride sind eine starke Konkurrenz.
Dieselantriebe sind nicht mehr nur ein europäisches Phänomen. Auch in anderen Märkten wächst das Interesse. Aber sparsame Benziner und Hybride sind eine starke Konkurrenz.
(Foto: Daimler)

Totgesagte leben länger, heißt es so schön. Das gilt offenbar auch für den Dieselmotor im Pkw. Gerade erst hat eine Studie errechnet, dass im ersten Halbjahr 2013 mit einem Anteil von 47,3 Prozent an den Neuzulassungen etwas weniger Selbstzünder zugelassen wurden als noch im Vorjahreszeitraum – nicht die erste Analyse, die ein Ende des deutschen Diesel-Booms im Pkw voraussieht. Dafür besinnen sich aber andere Länder auf die positiven Eigenschaften des Selbstzünders.

Bis zur Verbreitung des Turbodiesels galten Diesel-Pkw als schwerfällige Arbeitstiere – zum Beispiel für Taxifahrer oder Landwirte. Mit moderner Technik aber machte der Selbstzünder Karriere. Seit dem Jahr 2000 hat sich laut Kraftfahrtbundesamt die Anzahl der Autos mit diesem Antrieb in Deutschland verdoppelt. Dank seiner Sparsamkeit und immer weniger Emissionen kämpfte sich der Selbstzünder nach vorn. „Ein moderner Diesel hat heute 98 Prozent weniger Partikelemissionen als ein Selbstzünder Anfang der 1990er Jahre“, so Markus Heyn, Vorstand Diesel-Systems beim Autozulieferer Bosch.

Nicht mehr nur ein europäisches Phänomen

Jahrzehntelang galt der Diesel hauptsächlich als europäisches Phänomen – in Asien hatten die Selbstzünder ein Schmuddel-Image, Brasilien hatte Diesel-Pkw sogar verboten. Doch die Spritsparbemühungen in den Industrienationen sorgen für Interesse am Selbstzünder. Denn dank weiterentwickelter Technik werden strengere Verbrauchsgrenzwerte zum Kaufargument für den einst sichtbar aus dem Auspuff rußenden Antrieb.

Die EU hat zum Beispiel Grenzwerte für CO2 festgelegt: Emissionen von Neuwagen sollen bis 2020 auf durchschnittlich 95 Gramm pro Kilometer sinken „Diesel-Fahrzeuge emittieren bis zu 25 Prozent weniger CO2 als Benziner mit einem vergleichbaren Entwicklungsstand“, sagt Heyn. Dafür stoßen sie vermehrt andere Schadstoffe aus, ihre Abgase müssen mit Rußpartikelfilter und Stickoxid-Nachbehandlung geradezu ein Waschprogramm durchlaufen. Das ist entsprechend teurer als bei Benzinmotoren.

Nordamerika als potenzieller Dieselmarkt

Wie so oft kommt es darauf an, wo der Gesetzgeber den Hebel ansetzt. Geht es um den Verbrauch, hat der Diesel die Nase vorn. So sieht die neue Abgasgesetzgebung in den USA künftig eine verbrauchsorientierte Besteuerung vor. Seit diesem Jahr gibt es daher nach langer Zeit wieder Selbstzünder im Pkw-Programm eines US-Herstellers, zum Beispiel im Chevrolet Cruze. Glaubt man den Prognosen des Zulieferers Bosch, gibt es in vier Jahren rund 60 Diesel-Modelle auf dem nordamerikanischen Markt. Von einem Prozent heute soll der Anteil des Selbstzünders bei den Pkw- und Pick-up-Neuzulassungen bis 2018 auf zehn Prozent steigen. Auch in China sehen die Experten Potenzial, strengeren Emissionsstandards sei Dank.

Indien war 2012 der zweitgrößte Dieselmarkt, mehr als die Hälfte der dort neu zugelassenen Pkw haben Selbstzünder-Aggregate an Bord. Mehr Potenzial ist da: Nur 16 von 1.000 Indern besitzen ein Auto (Stand 2012), in der EU kommen auf 1.000 Einwohner rund 500 Fahrzeuge. Wichtigster Markt ist heute noch Europa. 2012 wurden zwei Drittel der weltweit neu zugelassenen Dieselfahrzeuge hierzulande registriert.

Kleine Benziner und Hybride als Konkurrenz

Konkurrenz machen den Dieseln zum Beispiel kleine, sparsame Benzinmotoren. In deren wachsender Beliebtheit sieht Marktexperte Ferdinand Dudenhöffer den Grund für den aktuellen Rückgang der deutschen Diesel-Neuzulassungen. Auch Hybrid-Antriebe sind ernstzunehmende Rivalen. Toyota bietet seinen Auris Hybrid beispielsweise günstiger an als den Kompakten mit Diesel und vergleichbarer Leistung.

Blickt man nach Japan, so stellt man auch hier in den vergangenen Jahren einen steigenden Anteil an Dieselfahrzeugen fest, insgesamt liegt er aber noch unter einem Prozent. Weiter verbreitet ist hingegen die Hybrid-Technik. Mit Subaru hat der erste japanische Hersteller die beiden Techniken vereint: Jüngst stellte der Hersteller ein Diesel-Hybrid-Konzeptauto vor. Europäische Hersteller wie Citroën, Peugeot und Volvo haben diese kombinierte Technik bereits im Programm. Bosch-Experte Heyn ist deshalb überzeugt, dass der Diesel auch durch die nächsten Dekaden fährt. Er zitiert Erfinder Rudolf Diesel, der einst sagte: „Mein Motor macht immer noch große Fortschritte.“

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