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Abgasmanipulationen Diesel-Sündern droht Zwangsstillegung

Autor / Redakteur: dpa/Andreas Grimm / Thomas Günnel

Die Diesel-Affäre könnte neue Fahrt aufnehmen: Mögliche Absprachen der OEMs zur Adblue-Nutzung legen ein Kartellvergehen nahe. Und Millionen Diesel-Modellen droht die Zwangsstilllegung.

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Die Diesel-Affäre könnte neue Fahrt aufnehmen – Millionen Diesel-Modellen droht die Zwangsstilllegung.
Die Diesel-Affäre könnte neue Fahrt aufnehmen – Millionen Diesel-Modellen droht die Zwangsstilllegung.
(Bild: Tüv Süd)

Die EU-Kartellwächter prüfen einem Pressebericht zufolge mögliche Absprachen deutscher Automobilhersteller in der Diesel-Affäre. Grundlage der Untersuchung sei ein Dokument der VW-Tochter Audi, berichtet das „Handelsblatt“ (21. Juli) unter Berufung auf eine Präsentation zur „Clean Diesel Strategie“ des OEMs von April 2010. In den Unterlagen des sogenannten technischen Steuerungskreises der Firma soll demnach von einem „Commitment der deutschen Automobilhersteller auf Vorstandsebene“ die Rede sein, künftig kleine Adblue-Tanks zu verwenden.

Adblue ist ein Harnstoff-Wasser-Gemisch, mit dem in der Abgasreinigung von Dieselfahrzeugen gesundheitsgefährdende Stickoxide chemisch umgewandelt und damit weitgehend neutralisiert werden sollen. Im vom Volkswagen-Konzern ausgelösten Diesel-Skandal hatte das Gemisch eine wesentliche Rolle gespielt: Weil die Tanks auch aus Kostengründen kleingehalten und die Nachfüllstopps an der Tankstelle für den Kunden reduziert werden sollten, wurde auf der Straße nicht so viel Adblue bei der Abgasreinigung eingespritzt, wie zum Erreichen der Emissionsgrenzwerte erforderlich gewesen wäre.

Die Unterlagen von Audi soll die Staatsanwaltschaft München laut dem Bericht bei einer Durchsuchung von Audi-Standorten Mitte März mitgenommen haben. Die deutschen Automobilhersteller Audi, VW, Daimler und BMW wollten sich dem „Handelsblatt“ zufolge nicht zu angeblichen Absprachen äußern.

Drohende Zwangsstillegung

Unterdessen bekommt die Branche in der Diesel-Affäre offenbar auch von EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska weiter Druck. Sie hat in einem Schreiben an alle 28 Verkehrsminister der EU deutlich gemacht, dass sie in der Diesel-Affäre „von Volkswagen eine Rückrufquote von 100 Prozent erwartet“. Die zuständigen Stellen fordert sie darin auf, bis Ende des Jahres nicht umgerüstete betroffene VW-Fahrzeuge nach dem Jahreswechsel stillzulegen. Das berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ (21. Juli) unter Berufung auf ein Papier aus dem Haus der polnischen EU-Politikerin.

Die Forderung birgt durchaus Brisanz: VW hat zwar versprochen, die 8,5 Millionen in Europa betroffenen Autos bis zum Jahreswechsel umgerüstet zu haben. Derzeit ist dies nach Angaben der Zeitung bei Millionen Fahrzeuge allerdings noch nicht geschehen. Zudem sieht Bienkowska ein Versagen der nationalen Prüfbehörden in der Diesel-Affäre. Nicht nur dass die VW-Manipulationen nicht entdeckt worden waren, neue Verdachtsfälle würden zudem durch ermittelnde Staatsanwaltschaften aufgedeckt und nicht durch die eigentlich dafür gedachten Fachbehörden. Bienkowska nannte diese Entwicklung „bestürzend“.

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