Suchen

Fahrerassistenz DLR testet Ausweichassistenten

| Redakteur: Thomas Günnel

Fahrerassistenz beim Ausweichen: Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat einen Lenkassistenten getestet, der Zusammenstöße mit plötzlich auftauchenden Hindernissen vermeiden oder abschwächen soll. Die Ergebnisse des Projekts präsentierten die Forscher jetzt in Aachen/Lommel (Belgien).

Firmen zum Thema

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. hat ein Fahrerassistenzsystem getestet, das Ausweichmanöver automatisch durchführt. Bei Geschwindigkeiten über 50 km/h finden die Tests aus Sicherheitsgründen im Simulator statt.
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. hat ein Fahrerassistenzsystem getestet, das Ausweichmanöver automatisch durchführt. Bei Geschwindigkeiten über 50 km/h finden die Tests aus Sicherheitsgründen im Simulator statt.
(Foto: DLR)

Die Forschungsarbeiten fanden statt im Rahmen des EU-Projekts interactIVe (Accident avoidance by active intervention for Intelligent Vehicles). Das am DLR getestete Lenkassistenzsystem unterstützt den Fahrer bei drohenden Auffahrunfällen durch eine automatische, ausweichende Lenkbewegung. „Öffnet sich zum Beispiel unvermittelt die Tür eines parkenden Autos oder schert auf der Autobahn plötzlich jemand dicht vor dem eigenen Fahrzeug ein, kann so ein Ausweichassistent helfen, eine Kollision zu vermeiden“, erklärt Prof. Dr. Karsten Lemmer vom DLR-Institut für Verkehrssystemtechnik. In drei Simulatorstudien sowie einer Realfahrzeugstudie im Versuchsfahrzeug FASCar untersuchten die Verkehrsforscher des DLR, wie die Testfahrer sich im Zusammenspiel mit dem Lenkassistenten verhalten.

Test des Systems von innen

Reale Tests bis 50 km/h

Für die Testfahrten fuhren die Teilnehmer der Studie im Versuchsfahrzeug mit einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde auf einer geraden Teststrecke. Unvermittelt schnellte an einem Seil ein großes Netz als Hindernis auf die Fahrbahn, dem der Fahrer alleine mit Bremsen nicht ausweichen konnte. In dieser Testsituation führte der Ausweichassistent sehr schnell eine automatische Lenkbewegung aus und vermied damit die Kollision.

Das Fahrerverhalten für Situationen in höheren Geschwindigkeitsbereichen dagegen wurde im dynamischen Fahrsimulator des DLR untersucht – in der Simulation ist dies gefahrlos möglich. Die Probanden mussten dabei auf Hindernisse wie zum Beispiel plötzlich einscherende Autos auf der Autobahn reagieren. Getestet wurden unterschiedliche Konzepte der Vorwarnung, etwa akustische oder optische Hinweise, und die Einstellung des Ausweichassistenten – zum Beispiel die Stärke der Lenkbewegung.

Testfahrer: „Gutes und sinnvolles System“

Die Fahrversuche zeigten, dass das Ausweichassistenzsystem dabei helfen kann, die Zahl der Unfälle mit einem plötzlich auftauchenden Hindernis deutlich zu verringern und die Unfallschwere von nicht zu vermeidenden Kollisionen zu vermindern. Die Unterstützung des Lenkassistenten wurde von den Studienteilnehmern gut angenommen. Viele der Fahrer nahmen den Eingriff des Lenkassistenten nicht einmal bewusst wahr oder dachten, sie selbst hätten mit einer ausweichenden Lenkbewegung auf das Hindernis reagiert.

Test des Systems von außen

Verbund von 30 Partnern

Im EU-Projekt interactIVe arbeiten 30 Partner an Systemen zur Fahrerunterstützung in kritischen Situationen zusammenarbeitet, zum Beispiel Ford, BMW und VW. Gemeinsam mit der Volvo Technology Corporation, dem Centro Ricerche Fiat und der Allround Team GmbH erlangte das DLR die Erkenntnisse zur Auslegung von Kollisionsvermeidungssystemen. Die aktuellen Forschungsergebnisse sind auch ein wichtiger Baustein zur Lösung noch ausstehender rechtlicher Fragen zur Automatisierung im Straßenverkehr. Die Partner aus der Fahrzeugindustrie arbeiteten an der technischen Umsetzung eines Ausweichassistenzsystems für den späteren Einsatz in Serienmodellen.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 42429390)