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BMW 7er Downsizing auf bayerisch

| Redakteur: Claus-Peter Köth

Ein Dieselmotor und zwei Ottomotoren stehen nach dem 7er-Modellwechsel zur Wahl. Viel interessanter aber ist die Mildhybrid-Variante auf Basis des V8-Benziners. Sie wird schon im nächsten Jahr dem künftigen V12-Ottomotor ordentlich Konkurrenz machen.

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Der Dreiliter-Sechszylinder-Dieselmotor im 730d ist laut BMW ein nagelneues Aggregat auf einem ähnlichen technischen Stand wie der Zweiliter-Vierzylinder-Diesel. Sprich: Kurbelgehäuse aus Aluminium, Einspritzung mit Piezo-Injektoren und bis zu 1 800 bar Druck, viele neu gestaltete Motorinnereien und Nebenaggregate. Beispielsweise hat der Zylinderkopf dank neuer Geometrie der Ein- und Auslasskanäle eine reduzierte Bauhöhe, die Injektoren sind zentral angeordnet, die Ventile stehen senkrecht, die Kurbelwelle ist noch steifer und läuft in neuen Haupt- und Pleuellagern. Neue Keramikglühkerzen verbessern die Starteigenschaften, verringern den Kraftstoffverbrauch und verbessern die Akustik und Schwingung vor allem in der Warmlaufphase.

Mit 185 Kilogramm ist der neue Motor fünf Kilogramm leichter als der Vorgänger. Außerdem ist er kompakter und reibungsoptimiert, da die Nebenaggregate Generator, Lenkhilfepumpe und Klimakompressor alle auf einer Seite angebracht sind und so nur ein Antriebsriemen erforderlich ist. Die geringere Bauhöhe des Motors und der deformierbare Ansauggeräusch-Dämpfer kommen dem Fußgängerschutz zugute. Zusammen mit der aus Kunststoff gefertigten Zylinderkopfhaube bieten sie genügend Deformationsraum, falls ein Fußgänger auf die Motorhaube prallen sollte.

Verbrauch einiges unter den Werten der Wettbewerber

Beim Einspritzsystem von Bosch sind nicht nur die Piezo-Injektoren und der höhere Systemdruck von bis zu 1 800 bar neu, sondern auch die Hochdruckpumpe, das Leitungssystem, der Raildrucksensor und das Druckregelventil. Mit einem Normverbrauch von 7,2 Liter (192 Gramm CO2 pro Kilometer) bleibt der 730d einiges unter den Werten der Wettbewerber Audi A8 3.0 TDI (8,5 Liter) und Mercedes-Benz S 320 CDI (8,3 Liter).

Da auch das Abgasreinigungssystem auf dem neuesten Stand ist, ist die Einstufung nach Abgasnorm EU 5 reine Formsache – wie bei den beiden Ottomotoren übrigens auch. Letztere bewirbt BMW als Twin Turbo und verleitet damit vielleicht den einen oder anderen zur Annahme, es seien doppelt aufgeladene Aggregate, vergleichbar mit dem Diesel-Hammer 335d. Sind sie aber nicht. Zwar sind je zwei Lader in Aktion, sie versorgen aber jeweils als Einzelkämpfer drei (im 740i), beziehungsweise vier (im 750i) Zylinder. Es handelt sich also nicht um eine Register- oder Stufenaufladung.

Immerhin, im 7er haben die Ingenieure aus dem 2006 präsentierten Sechszylinder-Ottomotor durch Modifikationen am Ladersystem mehr Leistung (240 statt wie bisher 225 Kilowatt) und Drehmoment (450 statt wie bisher 400 Newtonmeter) herausgekitzelt als etwa im BMW 335i. Die beiden Lader sind vergleichsweise klein dimensioniert und sorgen mit ihrem geringen Trägheitsmoment für ein besseres Ansprechverhalten. Weitere Charakteristika sind eine stufenlose Nockenwellenverstellung auf Ein- und Auslassseite und der hohe Einspritzdruck von bis zu 200 bar.

Mit diesen Leistungswerten spielt der aufgeladene Reihensechszylinder locker in der Liga der V8-Motoren mit. Kein Wunder, dass die Münchner Ingenieure bedeutungsvoll schweigen, wenn mal wieder über das allmähliche Sterben der bisherigen V8-Motoren (vor allem des Dieselaggregats) bei BMW orakelt wird. Zumal die aufgeladene Sechszylinderfraktion bei ähnlichen Leistungen mit einem Minderverbrauch im zweistelligen Prozentbereich aufwartet.

V8-Aggregat fast auf Zwölfzylinder-Niveau

Das aufgeladene V8-Aggregat im 750i ersetzt den bisherigen 4,8-Liter-Saugmotor und erreicht mit seiner deutlich besseren Leistung fast schon das Niveau des bisherigen Zwölfzylindermotors von BMW. Auch beim V8 teilen sich die beiden Turbolader die Arbeit (je einer pro Zylinderbank), trotz des Labels „Twin Turbo“. Bemerkenswert ist, dass BMW die Lader zwischen die beiden Zylinderbänke packt. Bisher war das aus Packagegründen fast ein Ding der Unmöglichkeit. Der Einspritzdruck beträgt ebenfalls 200 bar.

Lässt man nun die Modellbezeichnungen außer acht, ersetzt BMW bei den Ottomotoren die bisherigen Sechs- und V8-Saugmotoren durch jeweils eine aufgeladene Variante mit mehr Leistung und Drehmoment. Hubraum und Kraftstoffverbrauch sind nahezu gleich. Richtiges Downsizing sieht anders aus: Ähnliche Leistungsdaten werden da mit weniger Hubraum und Kraftstoffverbrauch erreicht. Dieses Prinzip konsequent auf den 7er zu übertragen, hieße, über kurz oder lang auch aufgeladene Zweiliter-Otto- oder Dieselmotoren anzubieten. Aber ob BMW sich traut, der leistungs- und statusorientierten Oberklasse-Kundschaft einen Vierzylindermotor vorzusetzen, ist in München noch nicht abschließend beantwortet.

Da ist Mercedes-Benz gedanklich schon weiter. Die Schwaben planen für 2010 eine Hybrid-S-Klasse mit Vierzylinder-Dieselmotor und zusätzlichem Elektromotor. BMW konterte auf dem Pariser Autosalon mit einer 7er-Hybridstudie, die neben dem beschriebenen V8-Motor einen 15-Kilowatt-Elektromotor mit 210 Newtonmeter Drehmoment an Bord hat. Mit diesem Layout soll der Kraftstoffverbrauch um 15 Prozent geringer ausfallen. Vorstandsvorsitzender Dr. Norbert Reithofer hat bestätigt, dass dieser Mildhybrid im nächsten Jahr auf den Markt kommen wird. Er hätte auch genügend Muskeln, um den bisherigen V12-Ottomotor vergessen zu machen.

7er mit 12V-Motor auf der IAA 2009

Wird er aber nicht: Denn nach Informationen von »Automobil Industrie« stellt BMW auf der IAA 2009 einen 7er mit V12-Motor im Verbund mit einem neuen Achtgang-Stufenautomaten von ZF vor. Letzterer soll mit einer noch feineren Abstufung mehr Fahrdynamik und Ökonomie bieten. Mit diesem Achtgang-Stufenautomaten wird dann auch der 7er-Mildhybrid an den Start gehen. Dabei ist der elektrische Zusatzmotor direkt im Getriebegehäuse untergebracht – ein Konstruktionsmerkmal von ZF. Für eine Vollhybrid-Variante bleibt im 7er-Portfolio wohl kein Platz mehr. Das zusammen mit Daimler, Chrysler und General Motors entwickelte Two-Mode-System soll »AI«-Informationen zufolge ausschließlich in den X5- und X6-Modellen Anwendung finden.

Einstweilen müssen die 7er-Kunden noch mit dem bekannten Sechsgang-Stufenautomaten Vorlieb nehmen. BMW hat ihn nach eigenen Angaben umfangreich modifiziert. Er weist eine betont sportliche Schaltcharakteristik auf. Fordert der Fahrer mit dem Gaspedal mehr Dynamik, kann der Stufenautomat direkt um bis zu vier Stufen zurückschalten. Außerdem können die Gänge über den elektronischen Gangwahlschalter ähnlich wie im X5 oder X6 auch manuell-sequenziell geschaltet werden.

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