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Citroën DS4

Dschungel inklusive

| Autor/ Redakteur: sp-x / Andreas Wehner

Sachlich und nett war gestern. Wo der Citroën C4 auf vermeintlich deutsche Tugenden setzt, lässt der DS4 frankophilen Schick wirken - und hat außergewöhnliche Gimmicks an Bord.

Ende Mai erweitert Citroën sein DS genanntes Stylingprogramm um eine weitere Variante. Der DS4 gibt den eleganteren Bruder des im Spätherbst vorgestellten C4. Wo dieser mit „Golf“-Tugenden wie unauffälliges Design punkten soll, darf sich das coupéhafte Derivat durch modische Formgebung sowie spielerische Elemente von der Masse der Kompaktmodelle absetzen. Für diesen Differenzierungsanspruch muss der Kunde 3.000 Euro mehr im Vergleich zum C4 bezahlen, so dass der DS4 in Verbindung mit dem 88 kW/122 PS starken Ottomotor ab 20.700 Euro erhältlich ist.

Der Dschungel ruft im DS4. Oder vielmehr er intoniert Trommelgeräusche. Zumindest wenn man vor Fahrbeginn die Blink- und Warntöne auf „Jungle Fantasy“ umstellt. Das ist einer von vier polyphonen Klangtönen, mit denen man ähnlich wie bei Mobiltelefon seine Geräuschkulisse individuell gestalten kann. Also Blinker gesetzt und mit einem Tam-Tam, Tam-Tam in den Berufsverkehr von Barcelona eingefädelt.

Coupéhafte Züge

Die vielen Ampelstopps geben zunächst Gelegenheit, sich mit dem Interieur vertraut zu machen. Die von uns gefahrene Top-Ausstattung Sportchic verwöhnt mit allerlei Annehmlichkeiten wie Klimaautomatik (deren Strömungsintensität lässt sich in drei Stufen regeln), Massagesitzen oder eine elektronische Einparkhilfe. Hoppla. Wieder trommelt es. Der hier serienmäßige Tote-Winkel-Assistent warnt: Von hinten nähert sich ein Fahrzeug.

Die sich im Berufsverkehr stauenden Autofahrer riskieren derweil interessierte Blicke auf den DS4. 18-Zoll-Schlappen auf einem Kompaktwagen sind ja eher selten. Genauso wie die etwas ungewöhnliche Form. Dank der abfallenden Dachlinie und den verdeckten hinteren Türen wirkt der um sechs Zentimeter, auf eine Länge von 4,27 Metern verkürzte Franzose coupéhaft. Zu diesem eleganten seitlichen Auftritt setzen die großen Räder samt der riesigen Aussparungen einen muskulösen Kontrast.

Der Fahrer sitzt ein wenig höher als üblich, kann dank der Fahrzeugbreite von 1,81 Meter genügend Abstand zum Nachbarn halten, außerdem die gute Verarbeitungsqualität sowie den Ausblick aus der weit in den Dachhimmel gezogenen Frontscheibe genießen.

Mühsamer Einstieg hinten

Nicht so luftig und licht geht es im Fond zu. Denn der schöne äußere Schein bringt auch Nachteile mit sich. Für den Ein- und Ausstieg nach hinten muss man breite Türschweller überwinden und gleichzeitig den Kopf gesenkt mit der Dachkonstruktion in Einklang bringen, will man Kollisionen vermeiden. Die Klappgriffe sind nur schwer zu greifen. Immerhin gelingt das Erreichen des Fonds so einfacher als bei einem klassischen zweitürigen Coupé. Die hinteren Fenster lassen sich nicht ganz öffnen. Das Kofferraumvolumen beträgt 50 Liter weniger als beim C4 und ist nur nach Überwindung einer hohen Ladekante zugänglich. Trotzdem bietet es aber mit 385 Litern noch ausreichend Möglichkeiten, Gepäck zu verstauen.

Fahrwerk übertrifft den C4 in Sportlichkeit

Auf kurvigen Strecken abseits Großstadtdschungels zeigt der DS4, dass nicht nur die Hülle verändert wurde. Das Fahrwerk und die Lenkung sind deutlich straffer abgestimmt als beim C4. Wankbewegungen sind ein Fremdwort auch beim schnellen Durcheilen enger Kehren. Somit macht das Fahren mit den beiden, bei ersten Testfahrten zur Verfügung stehenden Topaggregaten Spaß.

Der 1,6-Liter-Turbo mit 147 kW/200 PS vermittelt durch sein Drehmoment von 275 Nm ordentlich Schub. Auch die präzise Sechsgang-Schaltung trägt dazu bei, dass der Fahrspaß nicht zu kurz kommt. Der Normverbrauch von 6,4 Litern (146 g CO2/km) geht in Ordnung und liegt nur 0,2 Liter über dem 1,6-Liter mit 88 kW/122 PS und sogar 0,1 Liter unter dem 1,6-Liter mit 115 kW/156 PS.

In Deutschland werden sich aber die meisten Käufer für den leistungsstärksten Diesel mit 120 kW/163 PS entscheiden. Der Selbstzünder hängt gut am Gas, bringt 340 Nm in Spiel und ermöglicht auch gelassenes und schaltfaules Dahingleiten. Durchschnittlich fließen 5,1 Liter) durch die Leitungen(134 g CO2/km. Sparmeister bei den Dieseln ist der 1,6-Liter mit 82 kW/112 PS in der Version mit dem automatisierten Schaltgetriebe und Start-Stopp-System. Diese begnügt sich mit durchschnittlich 4,4 Liter (114 g CO2/km).

Das Spielerische weicht deutschen Tugenden

Für den 200 PS Turbo muss man mindestens 28.400 Euro in der ausschließlich erhältlichen Top-Ausstattung anlegen, der starke Diesel startet bei 26.800 in der mittleren Komfortlinie. Natürlich nutzt Citroën auch den DS4 für viele Individualisierungsangebote wie zum Beispiel Vollleder, Navigationssystem oder Kurvenlicht. Nur die Farbe Dschungelgrün ist nicht bestellbar.

Bei der Vorstellung des C4 wurden die deutschen Tugenden des Fahrzeugs wie klassisches Design und gute Verarbeitungsqualität herausgestellt. Das Spielerische, für das die französische Marke mit dem Doppelwinkel oft stand, musste sich diesem Anspruch unterordnen. Mit dem DS4 dürfen sich jedoch die Citroën-Fans wieder über eine gewisse Leichtigkeit im Umgang mit Technik und Formengebung freuen. Und man hofft, dass auch die deutschen Kunden sich davon begeistern lassen. In diesem Jahr sollen hier zu Lande noch 4.000 Einheiten an den Mann oder die Frau gebracht werden, im nächsten Jahr sind 8.000 Verkäufe geplant.

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