Elektromobilität E-Auto-Prämie: Ernüchterung nach nur einem Jahr

Autor / Redakteur: Andreas Wehner / Jens Scheiner

Der Staat stellte insgesamt 600 Millionen Euro Kaufprämie für Elektroautos und Plug-in-Hybride bereit. Das Geld würde theoretisch für 300.000 bis 400.000 Anträge reichen. Dass diese Zahl bis zum Auslaufen der Förderung im Juli 2019 erreicht wird, ist fraglich.

Elektroautos müssen an die Steckdose – die nicht ausreichende Ladeinfrastruktur könnte ein Grund für die schwache Nachfrage sein.
Elektroautos müssen an die Steckdose – die nicht ausreichende Ladeinfrastruktur könnte ein Grund für die schwache Nachfrage sein.
(Bild: BMW)

Ein Jahr nach der Einführung der Kaufprämie für Elektroautos ist die Bilanz ernüchternd. Bis zum 30. Juni waren beim Bundesamt für Ausfuhrkontrolle (Bafa) lediglich 23.024 Anträge eingegangen – darunter 13.083 für batterieelektrische Fahrzeuge, 9.937 für Plug-in-Hybride und 4 für Brennstoffzellenautos. Das teilte die Behörde jetzt mit. 10.150 Anträge stammen von Privatpersonen, 12.438 entfielen auf Unternehmen. Die restlichen 436 wurden von Kommunen oder Institutionen wie Stiftungen und Vereinen gestellt.

Am stärksten profitierte bislang BMW von der Förderung. 5.147 Anträge wurden für Fahrzeuge des Münchner Autobauers gestellt. Der BMW i3 war gleichzeitig das beliebteste E-Fahrzeug. Allein 3.149 Anträge entfielen auf dieses Modell. An zweiter Stelle im Hersteller Ranking landete Renault (3.674 Anträge) vor Audi (3.087 Anträge).

Die meisten Anträge stellten Autokäufer aus Bayern (5.147). Auch in Baden-Württemberg (4.566) und Nordrhein-Westfalen (4.302) gab es relativ viele Interessenten. Das ist jedoch nicht verwunderlich – schließlich sind diese drei Länder auch die bevölkerungsreichsten. Die wenigsten Anträge verzeichnete das Bafa im Stadtstaat Bremen.

Die Politik war zum Start der Prämie davon ausgegangen, sehr viel schneller deutlich mehr Fahrzeuge auf die Straße zu bringen. Käufer eines reinen Elektrofahrzeug erhalten 4.000 Euro, für ein Plug-in-Hybrid-Modell gibt es 3.000 Euro. Jeweils die Hälfte davon müssen die Hersteller übernehmen. Der Staat stellte insgesamt 600 Millionen Euro bereit. Das Geld würde damit für 300.000 bis 400.000 Anträge reichen. Allerdings läuft die Förderung nur bis Ende Juni 2019. Nicht abgerufene Fördermittel verfallen dann.

Aufwärtstrend bei Förderanträgen

Dass das ursprünglich von der Bundesregierung angepeilte Ziel, bis 2020 eine Million Elektroautos auf die deutschen Straßen zu bringen, deutlich verfehlt wird, ist schon lange klar. „Das war ein sehr ambitioniertes Ziel“, sagte Bafa-Präsident Andreas Obersteller der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ). Allerdings sieht er einen Aufwärtstrend. Im vergangenen Monat verzeichnete das Amt laut FAZ-Bericht knapp 2.400 Anträge, von März bis Mai waren es jeden Monat etwa 2.600. Zuvor seien es hingegen immer weniger als 1.900 Anträge im Monat gewesen.

Für das langsame Vorankommen der Elektromobilität macht Obersteller die nach wie vor hohen Preise, aber auch die nicht ausreichende Ladeinfrastruktur und die geringen Reichweiten der bisherigen Modelle verantwortlich. Das Bundesverkehrsministerium hat inzwischen ein weiteres Förderprogramm aufgelegt, um die Zahl der Ladesäulen zu erhöhen.

Und auch in Sachen Reichweite tut sich etwas. Laut einer Analyse der Managementberatung Horváth & Partners hat sich die durchschnittliche Reichweite zwischen 2011 und 2016 von 150 auf 270 Kilometer erhöht. Für das Jahr 2020 soll der Wert auf 450 Kilometer steigen.

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