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Elektromobilität E-Fahrzeuge: Deutschland bleibt ein schwieriger Markt

| Redakteur: Christian Otto

Eine aktuelle Absatzanalyse zeichnet für die weltweite Elektromobilität ein durchwachsenes Bild. Deutschland enttäuscht trotz finanzieller Anreize. Vor allem die Reichweite bleibt ein Problem, das laut einer weiteren Studie aber lösbar ist – wenn das Gewicht der Batterien sinkt.

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Das Model S von Tesla ist in Märkten wie in den USA sehr erfolgreich – vor allem auch dank seiner Reichweite. Dafür ist die Batterie des Fahrzuegs aber extrem schwer.
Das Model S von Tesla ist in Märkten wie in den USA sehr erfolgreich – vor allem auch dank seiner Reichweite. Dafür ist die Batterie des Fahrzuegs aber extrem schwer.
(Bild: Tesla)

Das Center of Automotive Management (CAM) hat erneut den Absatz von Elektrofahrzeugen (BEV, PHEV) analysiert. Dabei zeigt sich laut den Experten bis einschließlich August 2016 in den wichtigen Automobilmärkten nur ein durchwachsenes Bild. CAM geht davon aus, dass das globale Wachstum der Elektromobilität weiterhin vor allem vom chinesischen Markt getrieben wird, während das Wachstum in anderen Märkten nur langsam voranschreitet. So wurden allein in den ersten acht Monaten des Jahres 2016 in China rund 240.000 E-Autos (New Energy Vehicles (NEV), inkl. Pkw, Busse etc.) abgesetzt. Das kommt einer Verdopplung (+123 Prozent) der E-Auto Neuzulassungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gleich. Der Marktanteil dieser Fahrzeuge stieg auf 1,7 Prozent.

In China sind die Marktführer im E-Autosegment die Modelle Tang und Qin des heimischen Herstellers BYD sowie die Modelle E-Series EV von BAIC und Roewe e550 von SAIC. Insgesamt wird der E-Markt bislang vor allem von Modellen dortiger OEMs dominiert: In den Top-20 findet sich als erster ausländischer Hersteller nur Tesla mit dem Model S auf Rang 19.

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Tesla: Marktführer in den USA

In den USA sind laut der CAM-Analyse die Neuzulassungen von Elektroautos im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 2015 um 30 Prozent gestiegen. Mehr als 93.000 E-Fahrzeuge wurden hier zwischen Januar und August 2016 verkauft, wobei rund 50.000 batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) abgesetzt werden konnten (+11 Prozent). Marktführer ist Tesla, auf deren Modelle S und X mehr als die Hälfte der Verkäufe entfallen, gefolgt von Nissan Leaf mit 16 Prozent und BMW i3 mit 11 Prozent sowie Volkswagen eGolf mit rund 5 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr legen die Plug-in Hybride nach Zahlen der Branchenkenner deutlich stärker zu (+64 Prozent). Grund dafür sind vor allem die Zuwächse durch den Chevrolet Volt und den Ford Fusion Energi.

In Europa setzt Norwegen seine Sonderrolle fort und kommt in den ersten acht Monaten 2016 auf mehr als 28.000 Elektrofahrzeuge (+37 Prozent, inkl. Brennstoffzelle). Großbritannien legt wie schon im Vorjahr deutlich zu und setzt im gleichen Zeitraum rund 24.000 E-Fahrzeuge ab, fast ein Drittel mehr als im Vergleichszeitraum des letzten Jahres. Auch hier sorgt vor allem der relativ hohe Anteil neuzugelassener Plug-in Hybride (+41 Prozent) für das große Wachstum. In Frankreich erhöhen sich ebenfalls die E-Auto Neuzulassungen deutlich auf 19.035 (+45 Prozent). Dabei machen BEVs 75 Prozent der Elektroautoverkäufe aus, während auf Plug-in Hybride 25 Prozent entfallen.

Die Kaufprämie ist verpufft

Für Deutschland zieht CAM 2016 eine ernüchternde E-Auto Bilanz: In den ersten acht Monaten steht trotz Förderprämie hier nur ein Plus von 8 Prozent auf 14.013 Elektrofahrzeugen. Dabei legen nur die Plug-in Hybride auf rund 7.976 Fahrzeuge zu (+23 Prozent), während mit 6.037 Neuzulassungen die reinen Elektrofahrzeuge (BEV) bislang sogar zum Vorjahreszeitraum einen rückläufigen Trend aufweisen (-6,5 Prozent). Daran können bislang auch die Anträge auf Förderprämie nichts ändern: Nach 2 Monaten wurden nur 3.027 Anträge gestellt, wobei zwei Drittel der Anträge auf reine Elektrofahrzeuge entfallen. Unter den BEV sind dabei der Renault Zoe mit 671 sowie der BMW i3 mit 559 Anträgen noch am stärksten nachgefragt.

Studienleiter Stefan Bratzel ordnet diese Entwicklung ein: „Insgesamt bestätigen sich die Befürchtungen, dass die Kaufprämie für Elektroautos nahezu wirkungslos verpuffen wird. Das Instrument basiert auf der Annahme eines preislich bedingten Nachfrageproblems, das vermeintlich durch eine Prämie beseitigt werden könnte. Tatsächlich leidet die E-Mobilität unter komparativen Wettbewerbsnachteilen, vor allem unter dem Problemkomplex Reichweite-Infrastruktur-Preis.“ Entsprechend müsse laut Bratzel zunächst das Batteriereichweiten- und Ladeinfrastrukturdefizit gelöst werden. Dadurch könne die Kundenakzeptanz und Nachfrage gesteigert werden.

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