Wirtschaft E-Mobilität: Bisherige Maßnahmen unzureichend

Autor / Redakteur: dpa / Christoph Baeuchle

In den Markt für Elektroautos kommt Bewegung: Der Verkauf soll mit neuen Fördermaßnahmen angeregt werden. Doch das reicht nicht, um bis 2020 eine Million E-Autos auf deutsche Straßen zu bringen.

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Hoffen auf mehr Wachstum: Die Elektromobilität kommt bislang nicht wie gewünscht in Fahrt.
Hoffen auf mehr Wachstum: Die Elektromobilität kommt bislang nicht wie gewünscht in Fahrt.
(Foto: Toyota)

Angesichts des schleppenden Ausbaus der Elektromobilität in Deutschland fordern die Wirtschaftsminister vom Bund mehr Anreize für Verbraucher. Finanzielle Fördermöglichkeiten für Privatnutzer sollten geprüft werden, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Ressortchef Harry Glawe (CDU) zum Abschluss der zweitägigen Wirtschaftsministerkonferenz in Stralsund.

Die Höhe einer möglichen Förderung ließen die Minister offen, ebenso die Form des Kaufanreizes über Kaufprämien oder steuerliche Vergünstigungen. Niedersachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) schlug etwa eine staatlich finanzierte, pauschale Prämie von 5.000 Euro für jedes privat gekaufte Elektroauto vor – analog zur früheren Abwrackprämie. Die Pläne der Bundesregierung gehen den Ländern nicht weit genug. Mit der Einführung einer Sonderabschreibung (Sonder-AfA) in Höhe von 50 Prozent im ersten Jahr für gewerbliche-E-Auto-Nutzer will die Regierung den Absatz weiter ankurbeln.

„Wir brauchen zusätzliche monetäre Anreize“

Von der Branche werden die Maßnahmen als ein erster Schritt in die richtige Richtung begrüßt. Doch ob dies genug ist, um das Ziel von einer Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen bis 2020 zu erreichen, erscheint mehr als fraglich. „Mit der Sonderabschreibung wäre eine wichtige Forderung des Kfz-Gewerbes zur Förderung der E-Mobilität erfüllt“, sagte ein ZDK-Sprecher. Und eine Unternehmenssprecherin von Mercedes-Benz ergänzt: „Wenn wir wollen, dass deutlich mehr Menschen Elektroautos kaufen, brauchen wir definitiv zusätzliche monetäre Anreize.“ Doch allein der Ruf nach Hilfe aus der Politik reicht nicht aus. Soll die Elektromobilität in Deutschland aus ihrem Schattendasein heraus, sind vor allem auch Hersteller und Händler gefragt. Nützlicher als die Sonderabschreibung war aus Sicht von Guido Vorndran, Chef vom Autohaus Vorndran, das vom Renault umgestellte Margensystem. „Zuvor war die Luft zum Geld verdienen sehr gering“, ergänzt Vorndran, der von Renault als bester deutscher ZE-Partner ausgezeichnet wurde.

Renault will das durch die neuen Produkte der deutschen Wettbewerber wieder aufgeflammte Interesse für sich nutzen. Bereits im laufenden Jahr hat der Importeur seine Händler mit Maßnahmen unterstützt. „Unser ZE-Superplan wird nicht am Jahresende 2014 aufhören, sondern sich 2015 fortsetzen“, kündigte Renault-Deutschlandchef Olivier Gaudefroy jüngst an. Das ist auch notwendig, wenn die Franzosen, die einst mit ihrer E-Palette mit vier Fahrzeugen die Nummer Eins auf dem deutschen Markt waren, nicht noch mehr Anteile an die deutschen Wettbewerber verlieren wollen. Seit Marktstart Ende 2011 hat Renault knapp 4.000 Elektroautos (ohne Twizy) verkauft, davon allein 1.065 Zoe im laufenden Jahr (Januar bis November).

Hersteller und Händler in der Pflicht

Damit erreicht der Topseller von Renault halb so viele Einheiten wie BMW mit dem i3. Die Münchner verkauften das E-Auto in den ersten elf Monaten 2.130 mal. Um den Absatz weiter voranzutreiben, sieht Daniel Fritz, Marketingleiter der AHG-Gruppe, in erster Linie Hersteller und Händler in der Pflicht, schließlich sind die neuen Produkte erklärungsbedürftig – ganz besonders bei BMW, die nicht nur ein neue Submarke, sondern ein komplett neues Fahrzeugkonzept einführen. „Die Kunden müssen sich zunächst mit ihren Bedenken bezüglich Reichweite, Ladestruktur und Verlässlichkeit der Elektrofahrzeuge auseinandersetzen, bevor sie sich mit eventuellen Fördermaßnahmen befassen. Ist das geklärt, können Subventionen die Kaufentscheidung vorantreiben“, erläutert Fritz.

Importeure sollen ebenfalls profitieren

Bei der AHG-Gruppe liegt der Anteil der privaten Käufer bei 40 Prozent. Staatlich geförderte Sonderabschreibungen für Gewerbekunden gingen an dieser Kundengruppe vorbei, moniert Erwin Koller, Filialleiter eines BMW-i-Standorts der AHG-Gruppe: „Das sollten die Politiker nicht vergessen. Es gibt andere Beispiele aus dem Ausland: Frankreich subventioniert beispielsweise den Kauf von Elektrofahrzeugen mit bis zu 6.300 Euro. Wer seinen alten Diesel gleich mit verschrottet, erhält sogar noch eine zusätzliche Eintauschprämie.“ Will sich Deutschland zu einer führenden Elektromobil-Nation entwickeln, dürften die nun beschlossen Maßnahmen also kaum reichen. Vor allem nicht, wenn sich die Maßnahmen einseitig auf die deutschen Hersteller richten und die Importeure nicht entsprechend profitieren können.

Standardisierte Ladestationen gefordert

In der Kritik steht zum Beispiel die eher einseitige Ausrichtung der Schnellladestationen nach der CCS-Norm (Combined Charging Standard). Diesen nutzen die deutschen Hersteller, während die Importeure auf Chademo (Charge de Move) setzen. Sowohl der VDIK als auch der ZDK kritisieren dies scharf. Da ein hoher Anteil der derzeit auf dem Markt befindlichen Elektromobile über eine sogenannte Chademo-Schnittstelle verfüge, könnten diese den Schnellladevorgang an reinen CCS-Stationen nicht nutzen, so der ZDK-Sprecher. Damit wären nicht nur viele Autofahrer ausgeschlossen, die bereits heute auf E-Mobilität setzen, sondern auch der Verkauf weiterer Fahrzeuge könnte gebremst werden. Sogenannte Multicharger-Ladestationen bedienen hingegen beide Standards und haben sowohl in Deutschland als auch in anderen europäischen Ländern ihre Praxistauglichkeit längst nachgewiesen.

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