Wirtschaft EBM-Papst erzielt Rekordumsatz

Autor / Redakteur: Sandra Häuslein / Jens Scheiner

Im Geschäftsjahr 2015/16 hat EBM-Papst einen neuen Rekordumsatz erzielt und will schon in zwei Jahren die 2-Milliarden-Euro-Hürde knacken. Dafür soll die Kundenstruktur in Asien und den USA ausgebaut und in Europa gefestigt werden.

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Im Geschäftsjahr 2015/16 hat EBM-Papst einen neuen Rekordumsatz erzielt und will schon in zwei Jahren die 2-Milliarden-Euro-Hürde knacken.
Im Geschäftsjahr 2015/16 hat EBM-Papst einen neuen Rekordumsatz erzielt und will schon in zwei Jahren die 2-Milliarden-Euro-Hürde knacken.
(Bild: Ebm-Papst)

Die EBM-Papst Unternehmensgruppe spricht beim Geschäftsjahr 2015/16, das am 31. März zu Ende gegangen ist, von einem neuen Rekordumsatz. Das Familienunternehmen mit Hauptsitz im baden-württembergischen Mulfingen erreichte einen Umsatzerlös von 1,680 Milliarden Euro, das ist ein Wachstum von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr (1,570 Milliarden Euro). Die industrielle Lufttechnik nimmt mit 62 Prozent (1,046 Millionen Euro) weiterhin den größten Anteil am Umsatz ein, gefolgt von dem Bereich Hausgeräte/Heiztechnik mit 22 Prozent (360 Millionen Euro) und Automotive/Antriebstechnik mit 16 Prozent (274 Millionen Euro).

Für das seit 1. April laufende Geschäftsjahr 2016/17 plant die EBM-Papst Gruppe einen Umsatzzuwachs von 9,3 Prozent auf 1,836 Milliarden Euro. Es werden Wachstumsimpulse aus Asien und Amerika erwartet. In Europa und Deutschland hingegen rechnet das Unternehmen mit einem moderaten Wachstum. Für das Geschäftsjahr 2018/19 will man einen Umsatz von Umsatz von 2 Milliarden Euro erzielen. Dafür investierte der Zulieferer 137 Millionen Euro in den Ausbau der Fertigungskapazitäten.

Investitionen in Forschung und Entwicklung

Themenschwerpunkte in Forschung und Entwicklung lagen in den Bereichen Aerodynamik, Aeroakustik, energieeffiziente Produktkonzepte sowie dem Ausbau der Elektronik- und Systemfähigkeit. Wie das Unternehmen mitteilte wurden die Ausgaben um 9,5 Prozent auf 104 Millionen Euro erhöht und sollen im laufenden Geschäftsjahr leicht gesteigert werden.

Zu den Technologietrends erklärt Dr. Bruno Lindl, Gruppengeschäftsführer Forschung und Entwicklung der EBM-Papst Gruppe: „Wir sehen in verschiedenen Bereichen – wie Aerodynamik und Aeroakustik – noch weitere Entwicklungspotenziale, die wir in Zusammenarbeit mit externen Forschungsinstituten nutzen wollen. Ein weiteres wichtiges Thema wird die Forschungsarbeit im Bereich Industrie 4.0 sein.“ Weiterhin arbeitet EBM-Papst zusammen mit der Hochschule Heilbronn an der Gründung eines Instituts für elektrische Antriebe am Campus Künzelsau der Hochschule Heilbronn. „Mit der Investition von rund 3,5 Millionen Euro in Wissenschaft und Bildung wollen wir den Hochschulstandort stärken“, sagt Dr. Bruno Lindl: „Die Ausrichtung des an die Hochschule angegliederten Instituts wird die angewandte – und damit praxisnahe – Forschung sein.“

Rekordinvestitionen – Kapazität schaffen

Im vergangenen Geschäftsjahr investierte EBM-Papst nach eigenen Angaben 137 Millionen Euro in die Erweiterung seiner Kapazitäten. Am Standort Mulfingen-Hollenbach startete im September 2015 der Bau eines Versandzentrums. Mit der Fertigstellung des Baus wird gegen Ende des Jahres gerechnet. An der Unternehmenszentrale in Mulfingen wurde zudem mit der Planung eines Neubaus für die Forschungs- und Entwicklungs- sowie Verwaltungsbereiche begonnen. Nach einer Bauzeit von zwölf Monaten eröffnete EBM-Papst im März 2016 den ersten Bauabschnitt seines Werksneubaus in St. Georgen-Hagenmoos. Rund 5 Millionen Euro investierte der Zulieferer in den Neubau für Elektronikfertigung mit einer Fläche von 3800 m². Dabei erfolgte die Grundsteinlegung für einen zweiten Bauabschnitt mit 10.500 m² und einer Investitionssumme in Höhe von 15 Millionen Euro. Im Oktober 2015 eröffnete das Unternehmen sein zweites Produktionswerk am Standort Landshut wo überwiegend Produkte für den Heiztechnikbereich produziert werden. In die Erweiterung der osteuropäischen Standorte in Ungarn und Slowenien flossen im Geschäftsjahr Investitionen im Umfang von 6 Millionen Euro. Für das laufende Geschäftsjahr plant EBM-Papst Investitionen in Höhe von 192 Millionen Euro.

Dr. Bruno Lindl im Gespräch

Welche Bedeutung hat der Ausnutzungsgrad in der Ventilatorentechnik?

Eine höhere Ausnutzung in Geometrie und Funktion macht Spitzenwerte in Energieeffizienz und Geräuschreduktion möglich. Ausnutzungsgrad bedeutet aus der zur Verfügung stehenden Grundfläche eines Ventilators die maximale Luftleistung zu erzielen. Der wesentliche Parameter dabei ist die Laufrad- und Düsengeometrie. Wir sind nach wie vor dabei, in Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten deutliche Potentiale auf den Gebieten der Aerodynamik und Aeroakustik zu heben – vor allem bei den Laufrädern.

Disruptive Innovation oder „Innovationssprung“ – was ist das?

Immer wenn naturwissenschaftliche Erkenntnisse zu neuen technologischen Lösungen führen werden Innovationen in der Regel disruptiv, dass heißt es gibt sprunghafte Änderungen. Ein Beispiel ist die Entwicklung von der magnetischen Speicherung auf einer Floppy Disc hin zur optischen Speicherung auf einer CD. Die nächste Stufe war der USB-Stick mit Datenspeicherung in der Kristallstruktur von Silizium: Es kommen bei jedem Sprung gänzlich andere Technologien zum Einsatz. Hingegen ist für Räder an Fahrzeugen derzeit keine disruptive Innovation zu erwarten, da das Rad einerseits die Distanz zur Fahrbahn gegen die Gravitationskraft hält und gleichzeitig den Vortrieb liefert. Alle anderen Möglichkeiten sind ungleich aufwändiger und ineffizienter – da müsste schon das sprichwörtliche Rad neu erfunden werden, um als Innovationssprung zu gelten.

Sehen Sie anstehende disruptive Innovationen im Bereich der Ventilatoren beziehungsweise Antriebstechnik?

Ähnlich wie bei den Rädern ist das bei Ventilatoren, auch hier ist kein Innovationsprung in Sicht. Die effektivste Lösung ist die Erzeugung von Luftleistung über die Druckdifferenz von Rotoren. Es bestehen allerdings noch erhebliche Potentiale in Effizienz und Geräusch die gehoben werden können. Außerdem bieten die verhältnismäßig jungen Bereiche wie Connectivity und Internet of Things durch intelligente Vernetzung neue Anwendungsmöglichkeiten.

Eine der neuen Möglichkeiten ist die Zentralelektronik: Wann lohnt sich das?

Wenn mehrere elektrische Verbraucher in einem Gerät verbaut sind – wie Beispielsweise in Wäschetrocknern, Wärmepumpen, kältetechnischen Anlagen etc. macht eine zentrale Ansteuerung Sinn. Die Potentiale liegen in der Leistungselektronik und EMV, weitere Synergien liegen in Kommutierungsverfahren und Regelung. Die Vorteile sind höhere Energieeffizienz im System und Vermeidung von Redundanzen.

Wie wird wiederum Connectivity erreicht?

Auf der Platine der Zentralelektronik befindet sich darüber hinaus eine intelligente Regelung durch Mikroprozessoren und Embedded Systems. Diese Prozessoren ermöglichen gleichzeitig eine Vernetzung mit der Außenwelt für bedarfsgerechten Leistungsabruf, Servicemeldungen, Überwachung des Betriebszustandes etc. In übergeordneten Systemen zum Beispiel wenn viele Geräte involviert sind, werden über eine bedarfsgerechte Regelung weitere Effizienzvorteile freigelegt. Auf diese Weise können neue Geschäftsmodelle entstehen.

Mit der Beteiligung am spanischen Elektronikherstellers Ikor im Januar 2016 hat EBM-Papst seine Elektronik- und Systemfähigkeit weiter ausgebaut. Was versprechen Sie sich davon?

Der Vorteil der globalen Elektronikfertigung war der Hauptbeweggrund für die Mehrheitsbeteiligung an Ikor. Damit können wir unsere Kunden weltweit an ihren unterschiedlichen Standorten mit lokalen Elektroniken beliefern. Das ist ein wesentlicher Bestandteil unserer „local-for-local“-Strategie, dass heißt in den Märkten für die Märkte produzieren zu können. Ikor hat außerdem technologisches Know-How auf dem Gebiet der Connectivity, was wir auch für unsere Gesamtstrategie einsetzen können.

Sie arbeiten auch an der Gründung eines Instituts für elektrische Antriebe – wie ist der Stand?

Die Forschung in den Bereichen Elektromagnetismus und Elektronik – im Sinne von Messen, Steuern und Regeln – ist für uns sehr wichtig. Das hilft uns dabei, die Effizienz der Produkte – wie zum Beispiel Antriebe für Ventilatoren, Ventile und Automatisierungssysteme funktional und ökonomisch kontinuierlich zu verbessern. Außerdem wollen wir den Hochschulstandort stärken. Wir haben uns im November 2015 mit der Hochschule Heilbronn und dem Kultusministerium des Landes Baden-Württemberg in einem „Memorandum of Understanding“ über die inhaltliche Ausgestaltung des Instituts verständigt. Das Institut wird außer Räume für Labore auch Flächen für Seminare, Büros für Gastwissenschaftler umfassen und wird in Künzelsau angesiedelt sein. Die städtebauliche Planung ist bereits abgeschlossen. Es wird ein Architekturwettbewerb für die Ausgestaltung der Vorlesungsgebäude und des Instituts von EBM-Papst sowie des Studentenwohnheims ausgelobt werden. Das wird im Herbst dieses Jahres stattfinden.

Auf welchem Gebiet wird das Institut tätig sein?

Die Themenschwerpunkte – wie im Memorandum of Understanding festgehalten - gliedern sich in drei Bereiche. Zum einen Motoraspekte: Darunter fallen insbesondere Phänomene aus den Bereichen der Thermo- und Elektrodynamik sowie elektromagnetische und mechanische Phänomene von elektrischen Antrieben. Dazu gehören auch deren Auslegung und Konstruktion. Der zweite Bereich wird sich mit Steuerung- und Regelungsaspekten befassen. Forschungsgegenstand wird unter anderem die Leistungselektronik unter Berücksichtigung der elektromagnetischen Verträglichkeit sein. Außerdem werden Embedded Systems zur Steuerung und Regelung elektrischer Antriebe und deren Vernetzung mit umgebenden Systemen erforscht. Als Ergänzung gibt es dann den dritten Bereich, in dem wirtschaftliche Aspekte eine Rolle spielen sollen. Schwerpunktmäßig sollen hier Herstell- und Projektkosten abgeschätzt und kalkuliert werden. Uns ist es wichtig, dass Studierende industrienah ausgebildet werden, es wird viel Wert auf praxisorientierte Ausbildung gelegt werden. Gleichzeitig können am Institut Transferprojekte von Unternehmen realisiert werden, Stichwort „Angewandte Forschung“.

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