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Getrag Einigung mit Arbeitnehmern

| Redakteur: Bernd Otterbach

Getrag hat sich mit IG Metall und Betriebsrat auf ein Restrukturierungspaket geeinigt. Die Werke Ludwigsburg und Neuenstein bleiben erhalten. Zudem sollen die Standort- und Beschäftigungstarifverträge bis Ende 2012 weitergeführt werden. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis dahin grundsätzlich ausgeschlossen.

Zusätzlich wird ein gemeinsamer Ausschuss mit Vertretern der Arbeitnehmer- und der Arbeitgeberseite zur Begleitung der Restrukturierung bis 2012 installiert.

Im Gegenzug zum Verzicht auf Kündigungen wollen die Getrag-Beschäftigten vorübergehend Teile ihres Urlaubs- und Weihnachtsgeldes verzichten. Darüber hinaus wurden Modelle zur Anpassung der Arbeitszeit an wechselnde Beschäftigungssituationen vereinbart. Mit diesem Ergebnis endeten am vergangenen Mittwoch die Verhandlungen zwischen der Geschäftsführung der Getrag KG, Südwestmetall, der Bezirksleitung der IG Metall und dem Gesamtbetriebsrat.

Anfang März hatte der Getriebehersteller angekündigt, das Werk in Ludwigsburg bis Ende 2011 zu schließen und in Deutschland insgesamt 700 Arbeitsplätze abzubauen.

Tragfähiges Ergebnis

„Wir sind froh, dass wir die Verhandlungen mit der IG Metall und den Betriebsräten zu einem guten Abschluss bringen konnten. Mit dieser Vereinbarung erreichen wir das nötige Einsparvolumen, um dem Standort Deutschland der Getrag Group Transmissions langfristig eine gute Zukunftsperspektive geben zu können“, sagte Bernd Eckl, der für das operative Geschäft verantwortliche Geschäftsführer am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz.

Auch Frank Iwer, Verhandlungsführer der IG Metall, zeigt sich insgesamt zufrieden mit dem Kompromiss: „Wenn wir die Vorzeichen betrachten, mit denen wir in die Verhandlungen gestartet sind, ist am Ende doch ein ordentliches und tragfähiges Ergebnis herausgekommen.“ Die Beschäftigten hätten jetzt gut zweieinhalb Jahre den Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen und sämtliche Standorte würden erhalten bleiben. Ein wichtiges Element dabei sei auch die Beteiligung der Belegschaftsvertreter an den Prozessen der Restrukturierung.

Das Werk Neuenstein wird komplett umstrukturiert

Wesentlicher Bestandteil des Konzeptes ist der „Masterplan Neuenstein“. Das Werk soll in den kommenden 18 Monaten komplett umgebaut und neu ausgerichtet werden. „Das Werk wird damit die Fähigkeit zur wirtschaftlichen Fertigung von Großserien erlangen. Zudem wird es zum Standort für Premium-Doppelkupplungsgetriebetechnologie im Getrag-Verbund umgebaut“, so Eckl.

Die gestiegene Nachfrage bei Doppelkupplungsgetrieben und Steuerrädern in den Exportmärkten hatte in den letzten beiden Monaten für eine Entspannung der Beschäftigungssituation gesorgt. Die verbleibenden Überkapazitäten sollen durch ein freiwilliges Austrittsprogramm, Altersteilzeit und durch Arbeitszeitreduzierungsmodelle kompensiert werden.

Nach Abschluss der Restrukturierung und in Abhängigkeit der Ertragslage soll ab 2013 bis 2015 die von den Mitarbeitern geleisteten Beiträge über tarifliche Sonderzahlungen wieder erstattet werden. „Für diese Unterstützung sind wir unseren Mitarbeitern sehr dankbar, denn sie ist ein wesentlicher Beitrag zur kurzfristigen Zukunftssicherung“, so Eckl weiter.

Der Vereinbarung müssen noch die Gremien auf Gesellschafter-, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite zustimmen. Das Konzept soll dann laut Getrag zügig umgesetzt werden.

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