Brandschutz im Parkhaus Elektroautos müssen draußen bleiben

Autor / Redakteur: ampnet / Tanja Schmitt

Erst Leonberg, jetzt Kulmbach: Beide Städte verbannen E-Autos aus öffentlichen Parkhäusern. Grund dafür ist der Brandschutz.

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Nach der Spritztour kommt der Tauchgang: Ein BMW i8 verschwindet im Löschcontainer.
Nach der Spritztour kommt der Tauchgang: Ein BMW i8 verschwindet im Löschcontainer.
(Bild: Auto-Medienportal.Net/Brandweer Midden-en West-Brabant)

Sie gilt als Herzstück der ansonsten eher im Diffusen bleibenden „Verkehrswende“: Die Elektromobilität mit voll- oder teilelektrifizierten Autos. Die Marktanteile steigen langsam, vor allem dank enormer Subventionen von teilweise über 10.000 Euro. Doch neben den vielen Fragen in Bezug auf Reichweite, Kosten und tatsächlichen Nutzen für die Umwelt tritt jetzt auch die Sorge um die Sicherheit. Sie hat dazu geführt, dass nach Leonberg nun in Kulmbach ein zentral gelegenes Parkhaus für Elektro- und Hybridfahrzeuge gesperrt wurde.

Leonberg und Kulmbach: E-Auto-Verbot in Parkhäusern

In Leonberg nahe Stuttgart müssen die E-Autos im Parkhaus Altstadt draußen bleiben: „Aus brandschutzrechtlichen Gründen ist momentan die Zufahrt ins Parkhaus Altstadt für E- und Hybridfahrzeuge nicht gestattet“, teilt die württembergische Stadt lapidar mit.

Nun haben auch Betreiber der Tiefgarage Stadtmitte im oberfränkischen Kulmbach Nägel mit Köpfen gemacht. Dort war im September vergangenen Jahres ein Auto in Brand geraten – wohlgemerkt, ein klassischer Verbrenner. Das Fahrzeug konnte erfolgreich gelöscht werden, die Garage wurde jetzt wiedereröffnet – allerdings mit einem Einfahrtverbot für Elektro- und Hybridautos.

Und das hat seinen Grund: E-Autos brennen zwar nicht sonderlich oft, aber wenn sie Feuer fangen, herrscht allerhöchste Gefahr. Zum Löschen wird regelmäßig sehr viel Wasser benötigt. Zudem können sich die Akkus – unter sehr hoher Hitzeentwicklung und Ausstoß giftiger Dämpfe – über Stunden oder Tage hinweg immer wieder neu entzünden. Deshalb werden brennende Elektroautos teilweise in riesigen Wassercontainern versenkt. Doch die sind so groß wie ein Lastwagen, sie passen nicht in eine Tief- oder Parkgarage. Und so drohen unkontrollierbare Brände mit potenziell katastrophalen Schäden an der Gebäudestatik.

Problem der Selbstentzündung

Das Phänomen sich selbst entzündender Elektro- und Hybridfahrzeuge ist keineswegs unbekannt. Erst am Wochenende ist ein nagelneuer VW Golf GTE – ein Plug-In-Hybrid mit großem Lithium-Ionen-Akku – aus heiterem Himmel in Brand geraten. Während sich die Passagiere gerade noch retten konnten, ließ sich das Feuer kaum löschen, so dass der erst 300 Kilometer gelaufene Wagen letztlich in einen Spezialcontainer verfrachtet werden musste. Der Knall der explodierenden Batterie war nach Angaben der „Hessisch Niedersächsischen Allgemeinen“ kilometerweit zu hören.

Steht ein Elektroauto erst einmal in Brand, ist es oft nicht möglich, Passagiere zu retten, die sich nicht mehr selbst befreien können. Und zwar nicht nur wegen der extrem hohen Temperaturen der brennenden Akkus, sondern auch wegen der Gefahr von Lichtbögen und Stromschlägen von bis zu 1.000 Volt. Weitere Brandgefahren gehen von Ladestationen aus.

Was passiert in privaten Parkgaragen?

Es bleibt abzuwarten, ob und wie andere Städte auf die Gefahr reagieren und wie in Wohngebäuden mit Tiefgarage mit dem Thema umgegangen wird. Möglicherweise orientieren sich einige von ihnen an den weit verbreiteten Einschränkungen für Fahrzeuge mit Gasantrieb – obwohl sich diese Fahrzeuge sehr viel einfacher löschen lassen als brennende E-Autos.

Gerade Mieter in Häusern mit Parkgaragen dürften das Thema mit Sorge beobachten. Denn ausgerechnet jetzt will die Bundesregierung ihr Recht, die Installation von Ladesäulen im gemeinsam genutzten Raum zu verhindern, drastisch einschränken.

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