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HIER Energiesparende Modellfabrik

| Redakteur: Bernd Otterbach

Strategien für eine energieeffizientere Industrieproduktion sind das Ziel des Projekts „HIER!“. Kernstück des Projekts an der Uni Kassel ist eine Modellfabrik.

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HIER! (Hessen – Innovationen für Energie- und Ressourceneffizienz) wird federführend von der Universität Kassel und der Limón GmbH betreut. In der Modellfabrik lässt sich durch Simulationsverfahren zeigen und berechnen, mit welchen Maßnahmen Energie effizienter eingesetzt werden kann, welche Lösung die wirtschaftlichste ist und wie hoch die eingesparten Kosten am Ende sind. Entwickelt wurde die Anlage vom Fachgebiet Umweltgerechte Produkte und Prozesse (UPP) der Universität Kassel gemeinsam mit den Energieeffizienz-Experten von Limón – einer Ausgründung des Fachgebiets UPP.

Energieverschwender Druckluft

Ein enormes Einsparpotenzial sehen die Kasseler Experten beispielsweise bei Druckluft, denn diese wird in der industriellen Produktion häufig eingesetzt, obwohl der Energieverlust extrem hoch ist. Rund 7 Prozent des Strombedarfs werden in Deutschland dafür benötigt – das entspricht dem kompletten jährlichen Stromverbrauch der Deutschen Bahn. In der Modellfabrik werden druckluftlose Alternativen demonstriert und exakt dargelegt, wie viel Energie benötigt wird, um zum Beispiel Bauteile mit oder ohne Druckluft zu bewegen. Dass diese Alternative auch in der Praxis funktioniert, wird bei Volkswagen in Baunatal gezeigt: Dort soll im Rahmen von HIER! eine Produktionsstraße gebaut werden, an der mit Hilfe von Elektromotoren statt mit Druckluft gearbeitet wird.

Lackierung gegen Wärmeverluste

Eine große Menge an Energie geht zudem Tag für Tag verloren, weil die in Produktionsprozessen entstehende Abwärme nicht oder nur ungenügend genutzt wird. Auch hier gibt es bisher nicht genutzte Einsparpotenziale. So kann die Wärme in vielen Fällen für andere Produktionsprozesse abgezogen und genutzt werden. Auch das kann in der Modellfabrik simuliert und demonstriert werden. In etlichen Produktionsbereichen ist es überdies möglich, die abstrahlende Hitze und damit einen großen Energieverlust durch eine spezielle, von Limón in Zusammenarbeit mit UPP entwickelte Lackierung von Maschinen und Anlagen deutlich zu verringern. „Mit diesem besonderen Lack können Wärmeverluste – je nach Oberflächentemperatur – um etwa 30 Prozent reduziert werden“, sagte Dr.-Ing. Mark Junge, Geschäftsführer von Limón.

Verbreitung des vorhandenen Know-hows

Trotz aller Bekundungen und hehren Ziele ist der Energieverbrauch auch in Deutschland nach wie vor enorm hoch und die Einsparpotenziale sind gewaltig: „Die formulierten Einsparziele werden bisher bei weitem nicht erreicht – auch, weil die vorhandenen Möglichkeiten effizienter Energienutzung leider noch zu wenig bekannt sind“, sagte Prof. Dr. Jens Hesselbach, Leiter des UPP-Fachgebiets an der Universität Kassel: „Zentrales Ziel des HIER-Projektes ist unter anderem eine zügige Verbreitung des vorhandenen Know-hows in produzierenden Unternehmen durch Information, Aus- und Weiterbildung.“ Darüber hinaus wollen die Experten konkrete Hilfen anbieten, wenn Firmen ihre Energieeffizienz steigern wollen. Für die Umsetzung sind der universitäre Fachbereich UPP und Limón zuständig. Unterstützt werden sie von industriellen Partnern wie Volkswagen, Imtech und Viessmann.

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