Neuzulassungen in Deutschland Erholung auf dem Pkw-Markt gerät ins Stocken

Autor: Andreas Wehner

Im Juli wurden in Deutschland deutlich weniger Pkw neu zugelassen als ein Jahr zuvor – und auch deutlich weniger als erwartet. Dabei zieht die Nachfrage eigentlich an. Doch die Hersteller können sie aufgrund des Chipmangels nicht befriedigen.

Firmen zum Thema

In den ersten sieben Monaten lag der deutsche Neuwagenmarkt um 6,7 Prozent über dem Vorjahresniveau.
In den ersten sieben Monaten lag der deutsche Neuwagenmarkt um 6,7 Prozent über dem Vorjahresniveau.
(Bild: Grimm/»kfz-betrieb«)

Der deutsche Pkw-Markt war im Juli deutlich rückläufig. 236.393 neu registrierte Fahrzeuge entsprachen einem Minus von 24,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) am Mittwoch mitteilte. Damit stiegen die Neuzulassungen erstmals seit Februar nicht mehr.

Allerdings war der Juli 2020 bereits von der Mehrwertsteuersenkung geprägt und hatte einen zusätzlichen Arbeitstag. „Auch wenn wir es mit einem starken Vorjahresmonat zu tun haben – das Minus fiel im Juli 2021 deutlich höher aus, als erwartet. Für die Erholung des Pkw-Marktes im laufenden Jahr ist das ein Dämpfer“, sagte der Präsident des Importeursverbands VDIK, Reinhard Zirpel.

Der Rückgang traf fast alle Marken. Unter den deutschen Fabrikaten verzeichnete allein Opel mit plus 16 Prozent einen Zuwachs. Bei den Importmarken übertrafen nur Tesla (+140,9 %) und Land Rover (+2,6 %) ihr Zulassungsergebnis des Vorjahresmonats. Den deutlichsten Rückgang wies das KBA mit minus 63,8 Prozent für Ssangyong aus.

Deutlich unter Vorkrisenniveau

In den ersten sieben Monaten lag der deutsche Neuwagenmarkt um 6,7 Prozent über dem Vorjahresniveau. Verglichen mit dem gleichen Zeitraum des Vorkrisenjahres 2019 ergibt sich aber ein Minus von rund 25 Prozent. Ein wesentlicher Grund für die stockende Erholung ist der Chipmangel. „Derzeit können Millionen Autos nicht gebaut und ausgeliefert werden, weil Halbleiter fehlen“, sagte Peter Fuß, Automobilexperte beim Beratungsunternehmen EY.

Ein Vorteil: Die Autokonzerne konzentrieren sich stärker auf margenstarke Fahrzeuge und sind weniger bereit, hohe Rabatte zur Ankurbelung des Geschäfts zu geben. Da der Neuwagenmarkt die Nachfrage nicht bedienen kann, weichen zudem viele Interessenten auf den Gebrauchtwagenmarkt aus, wo die Preise derzeit steigen.

„Insgesamt sind weniger Neufahrzeuge verfügbar als benötigt, und auch Gebrauchtwagen werden knapp“, sagte ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn Peckruhn. Alles in allem sind die Voraussetzungen auch durch die verlängerte E-Auto-Prämie aber eigentlich gut. Peckruhn berichtet von einer Auftragsbelebung im Handel.

Auftragsstau könnte für gutes Jahr 2022 sorgen

Bis diese sich auswirkt, kann es jedoch noch dauern. Die Branche rechnet auch im weiteren Jahresverlauf noch mit Problemen durch den Halbleitermangel. Das sorgt für einen sich immer weiter aufstauenden Nachholbedarf. „Die Welle, die wir vor uns herschieben, wird immer größer. Falls wir die Pandemie in den kommenden Monaten in den Griff bekommen und die Industrie wieder lieferfähig wird, werden wir ein sehr positives Jahr 2022 bekommen“, prognostiziert Peter Fuß.

(ID:47554981)

Über den Autor

 Andreas Wehner

Andreas Wehner

Redakteur Newsdesk Automotive