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Ford Fiesta Erleichterung bei Ford

| Redakteur: Thomas Weber

Vom alten, über zwölf Millionen Mal verkauften Fiesta haben die Ford-Ingenieure bei der Neuauflage nichts übrig gelassen. Das Modell ist leichter geworden und sportlicher gezeichnet als der Vorgänger.

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Der Fiesta ist eines der wichtigsten Modelle für Ford überhaupt: Mit der siebten Generation des Kleinwagens will der Hersteller in Sachen Design und Fahreigenschaften neue Maßstäbe setzen. Der Wagen soll in mehreren Karosserievarianten auf den Markt kommen und auch wieder in den USA angeboten werden. Dort hat es schon zwischen 1978 und 1980 die erste Fiesta-Generation gegeben (in Deutschland kam er 1976 auf den Markt).

Die Projektführerschaft für die Fiesta-Plattform hat man der japanischen Tochter Mazda überlassen. So kam der Mazda 2, mit dem der Fiesta die Plattform teilt, bereits Ende 2007 auf den Markt. Dieses Vorgehen hat sich bereits bei den aktuellen Mittelklasse-Modellen bewährt: Der Mazda 6 diente als technische Basis für die amerikanischen Stufenheck-Limousinen Ford Fusion (nicht zu verwechseln mit dem europäischen Fusion), Mercury Milan und Lincoln MKZ. Die Fiesta-spezifische Umsetzung der neuen Plattform ging bei Ford in Köln vonstatten; dort erhielt der neue Fiesta auch seine Form mit einem markanten Gesicht, das weltweit alle Varianten prägen soll. Schon 2010 soll der Fiesta dann nach den Plänen des Herstellers in drei Kontinenten produziert und auf fünf Kontinenten verkauft werden.

Täglich mehr als 1900 Fiesta und Fusion

Seit August fährt die Produktion im Kölner Ford-Werk hoch. Bei voller Auslastung laufen dann im Drei-Schichten-Betrieb täglich mehr als 1 900 Fiesta und Ford Fusion vom Band. Der Fusion ist zunächst parallel zum neuen Fiesta weiter im alten Design und auf der alten B256-Plattform erhältlich. Das künftige Schicksal des höhergelegten Derivats ist noch unklar. Bis Ende des Jahres sollen noch 148 000 neue Fiesta gefertigt werden.

Anschließend soll die Produktion im Ford-Mazda-Werk in China (Nanjing) starten. Anfang 2009 folgen Valencia und das Kleinwagenwerk von AutoAlliance in Thailand (Rayong). 2010 schließt sich das Ford-Werk Cuautitlán in Mexiko an. Zeitgleich soll dann im rumänischen Werk Craiova, das Ford kürzlich von Daewoo übernommen hat, ein neuer Kleinwagen vom Band laufen. Bei gleichbleibenden Außenmaßen (Länge: 3,59 m; Breite: 1,97 m; Höhe: 1,48 m; Radstand: 2,48 m) bietet der Fiesta Platz für vier Personen und 295 Liter Gepäck. Durch Plattformoptimierung und fünf verschiedene Stahlsorten haben die Ingenieure den Fiesta um 40 Kilogramm Gewicht erleichtert und gleichzeitig die Karosseriesteifigkeit erhöht. Die rund 13 Kilogramm Mehrgewicht für Sicherheit, Akustik und Emissionsmaßnahmen wurden damit überkompensiert.

Jedes Detail unter Leichtbau-Gesichtspunkten bewertet

Die Mannschaft um Chefingenieur Jörg Beyer hat jedes Detail unter Leichtbau-Gesichtspunkten bewertet. So wurde der Stoßstangenträger 650 Gramm leichter, der Kühler- und Lampenträger 1,2 Kilogramm, der Querlenker 1,7 Kilogramm und der Airbag 400 Gramm. Hauptgrund für die Gewichtsabnahme ist allerdings der Wechsel auf die Bodengruppe des Mazda 2, der im Vergleich zu seinem Vorgänger sogar rund 100 Kilogramm weniger wiegt. Für den Fiesta stehen vier Benziner von 44 kW/60 PS bis 88 kW/120 PS zur Verfügung sowie ein Diesel mit 66 kW/90 PS – ausschließlich mit Fünfgang-Getriebe. Der 1,4-Liter-Motor ist optional mit einem Automatikgetriebe erhältlich. Der neue große Benziner, ein Vollaluminium-Vierzylinder, hat bei der Leistung 20 PS zugelegt. Im Verbrauch ist er mit 5,9 l/100 km und einem CO2-Ausstoß von 139 g/km gleich geblieben.

Alle Aggregate wurden überarbeitet. Die kleineren Benziner erreichen nun ein Verdichtungsverhältnis von 11:1 gegenüber vormals 10:3. Beim Dieselaggregat wurden die Verbrennungsrückführung und die Piloteinspritzung verbessert. So bleibt der Fiesta in allen Motorisierungen dank Gewichtsabnahme und elektrischer Servolenkung mit geschwindigkeitsabhängigem Drei-Phasen-Motor unter sechs Litern Verbrauch und 140 Gramm CO2-Ausstoß.

Ab dem 11. Oktober 2008 steht der Fiesta in den Schauräumen der deutschen Händler. Der als Drei- und Fünftürer erhältliche Klassiker im so genannten „Kinetic Design“ macht gemeinsam mit dem Ka mehr als 30 Prozent des Gesamtvolumens der Marke in Deutschland aus. Dabei ist der Ka trotz ähnlicher Formgebung und nur geringfügig niedrigerer Marktpositionierung auf einer völlig anderen Plattform aufbaut. Der Einstiegspreis für den alten Fiesta lag bei rund 11 000 Euro. Der neue beginnt bei 11 250 Euro, hat dafür jedoch zusätzlich ESP und weitere Extras an Bord. In Deutschland plant Ford für 2009 den Verkauf von 52 000 Einheiten – plus 20 Prozent.

Fiesta-Stammkunden als Zielgruppe

Als Zielgruppe hat das Unternehmen vor allem 750 000 existierende Fiesta-Stammkunden im Visier, die im Durchschnitt 45 Jahre alt sind. Sie können sich vermutlich an die expressiv gestylte Karosserie gewöhnen; bei dem Interieur-Design muss der eine oder andere traditionelle Fiesta-Kunde dann vielleicht doch schlucken. Anregungen aus dem Bereich der Unterhaltungselektronik, die in Bedienfeldern à la Handytastaturen münden, dürften besonders der zweiten Zielgruppe, jungen trendbewussten Erstkäufern, entgegenkommen. Interessant wird vor allem sein, wie sich die neue Baureihe in Amerika schlägt. Dort setzt Ford große Hoffnungen auf ein viertüriges Stufenheck-Derivat des Fiesta. Es soll den kleinen Limousinen von Toyota und Honda kräftig einheizen.

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