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Konzeptauto Erste Fahrt im Konzeptauto Hyundai Prophecy

| Autor/ Redakteur: Benjamin Bessinger/SP-X / Sven Prawitz

Der Hyundai Prophecy gibt nicht nur einen Ausblick auf das Design künftiger Hyundai-Modelle: Das Konzeptauto steht auf einer Plattform, die den Hyundai-Kia-Konzern künftig prägen soll.

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Statt in Genf wurde der Hyundai Prophecy nun in Nürnberg der Presse vorgesellt – inklusive Probefahrt.
Statt in Genf wurde der Hyundai Prophecy nun in Nürnberg der Presse vorgesellt – inklusive Probefahrt.
(Bild: Christian Bittmann)

Messe ist Messe. Und wenn sie in Genf partout den Salon nicht öffnen wollen, dann feiert Hyundai in Nürnberg seine eigene Motorshow. Dass die Koreaner dabei keine Zuschauer haben, ist mit einkalkuliert. Denn so können sie ihren verhinderten Showstar nicht nur ordentlich inszenieren, sondern gleich auch auf seine Jungfernfahrt schicken: Vorhang auf und Bühne frei für den Prophecy.

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Ausblick auf Design und Fahrzeugplattform

Das schwarze Schaustück, das ein bisschen aussieht wie eine Mischung aus einem großen Audi TT und einem geschrumpften Porsche Taycan, sollte nicht nur die Aufmerksamkeit der Messegäste erregen, sondern hat gleich mehrere Missionen zu erfüllen, sagt Designchef Luk Donckerwolke: Es soll die Weiterentwicklung der Hyundai-Designsprache zeigen und dafür mit der Aufbruchstimmung der avantgardistischen Streamliner aus den goldenen Zeiten des letzten Jahrhunderts einen ebenso neugierigen wie optimistischen Blick in die Zukunft werfen. Es sollte zeigen, wie Mensch und Maschine nach der Vorstellung der Hyundai-Designer künftig miteinander kommunizieren und agieren. Und vor allem soll es eine neue Plattform einführen, die in den nächsten Jahren viele Elektrofahrzeuge von Hyundai und der Schwestermarke Kia tragen und daher für die Koreaner ebenso wichtig wird wie der MEB für den Volkswagen Konzern.

Anstatt sich auf einer Bühne in der Genfer Palexpo im Rampenlicht zu sonnen, steht das Auto jetzt vor einer leeren Halle der Nürnberger Messe in einer Umgebung, die so ruhig ist wie der Zentralfriedhof in Wien an einem Montag nach Sonnenuntergang. Aber das hat Methode. Denn während es nur ganz wenige Zuschauer gibt, können ein paar ausgewählte Gäste sogar einsteigen und eine Probefahrt machen auf dem Zeitstrahl, der Hyundai in die Zukunft führen soll.

Joystickst statt Lenkrad

Also steigt man vorsichtig durch die weit und gegenläufig öffnenden Türen, findet schnell eine bequeme Position auf dem schlanken Fahrersitz und beginnt mit der Suche nach dem Lenkrad – ohne Erfolg. Während sich das Armaturenbrett auf Knopfdruck dreht und sich das schlanke Board unter dem gekrümmten, über die gesamte Fahrzeugbreite gezogenen Bildschirm nach oben dreht, um die digitalen Instrumente anzuzeigen, greifen meine Hände immer noch ins Leere. Bis sie auf zwei Griffe fallen, die in der Türverkleidung und an der Mittelarmlehne montiert sind. Denn wenn der Prophecy nicht ohnehin automatisch fährt, dann lenkt man ihn mit Joysticks: Captain Future, bitte übernehmen sie die Kontrolle!

Während ich durch die großen Hallen krieche und herausfinde, wie ich dieses schlanke, fast fünf Meter lange Coupé auf Kurs halten soll mit dem, was Hyundai Joysticks nennt und was mich viel eher an die Griffe eines Dyson-Staubsaugers erinnert, und dabei zum Bremsen und Gas geben auch weiterhin die Füße benutzen muss, ist die Aufmerksamkeit für alles andere stark limitiert. Es bleibt nur wenig Zeit, sich im Innenraum umzusehen. Denn selbst wenn wir nicht viel schneller fahren als Schritttempo, ist höchste Konzentration gefragt, um das millionenschwere Einzelstück aus monatelanger Handarbeit nicht gegen eine Glaswand zu setzen. Kaum vorstellbar, wirklich so schnell zu fahren, wie das Auto aussieht. Denn anders als in einem Computerspiel gibt es nach einem Absturz in der Realität keinen Knopf zum Neustart.

Luftstrom in den Scheiben

Aber sobald das Auto wieder steht schweift der Blick über faszinierenden Grafiken auf den Bildschirmen. Beeindruckend ist auch der schöne Kontrast zwischen den streng geometrischen Mustern des blauen und grünen Tartans, der Sitze, Türen und Böden bedeckt, und der organischen, aerodynamischen Form der Karosserie des Autos – ohne eine einzige gerade Linie! Auffallend sind die doppelschichtigen Fenster, die so weit auseinander stehen, dass zwischen den Glasscheiben ein dicker Luftstrom zirkuliert, der Isolierung und Belüftung übernimmt, um Energie aus den Batterien zum Fahren zu sparen.

Natürlich könnte man denken, der Prophecy sei nur ein weiteres auffälliges Showcar, das nun ohne Publikumseffekt in der Asservatenkammer der Automobilgeschichte verschwindet. Aber es ist noch viel mehr, sagt Thomas Schemera. Während niemand offiziell bestätigen will, dass so eine Limousine im Coupé-Stil innerhalb von drei, vier Jahren gegen Teslas Modell 3 antreten wird, weist der Global Leader für Produkt und Strategie bei Hyundai und Kia zumindest darauf hin, dass beide Marken ihr Portfolio kräftig erweitern wollen.

Hyundai und Kia planen große Stückzahlen

In naher Zukunft soll es bei den Blauen und den Roten zusammen nicht weniger als 44 Elektrofahrzeuge geben. Und ab 2025 sollen jährlich mehr als 600.000 reine E-Modelle mit Batterie oder Brennstoffzelle verkauft werden. Das ist eine sehr starke Prophezeiung und sie brauchen dieses Auto, um es zu erfüllen. Denn ohne eine dezidierte Plattform wie unter diesem Streamliner wären solche Zahlen nicht zu schaffen.

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