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Mercedes Erster Dieselhybrid von deutschem Hersteller

| Autor / Redakteur: sp-x / Thomas Günnel

Den Schwaben Sparsamkeit zu unterstellen, ist genauso sinnvoll, wie die sprichwörtlichen Eulen ins krisengeplagte Athen zu schicken. Das Volk der Tüftler im Ländle ist eben ausgefuchst, wenn es um den behutsamen Umgang mit flüssigen Mitteln geht.

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Im Falle des ersten Dieselhybriden von Mercedes könnte aus Sparsamkeit sogar ein Sport werden. Wenn ein Auto, das leer schon fast zwei Tonnen wiegt und durchaus gehobenen Komfortansprüchen genügt, auf 100 Kilometern mit nur 4,2 Litern Diesel auskommen will, ist das zumindest bemerkenswert. Der Mercedes E 300 BlueTec Hybrid, der im Juni zu Preisen ab rund 51.800 Euro in den Handel kommt, unterbietet den gleichmotorisierten E 250 CDI um glatte zwei Liter.

Ursächlich für den Sparschub ist das Hybridmodul, das die Techniker in die Glocke des Siebengang-Automatikgetriebes integriert haben. Dabei handelt es sich um eine Weiterentwicklung der Lösung, die im S 400 Hybrid bereits seit 2009 zum Einsatz kommt.

Anders als in der S-Klasse ist der E-Motor heute nicht mehr direkt mit dem Verbrennungsmotor verbunden. Eine Kupplung stellt den Kraftschluss her. Das ermöglicht auch den rein elektrischen Betrieb und das modische Segeln, das die Wettbewerber von Audi und Porsche bereits eingeführt hatten. Dabei rollt das Fahrzeug mit abgeschaltetem Motor.

Rollen oder rekuperieren

Mercedes wäre allerdings nicht Mercedes, wenn man diese einfache Abschaltung nicht noch eine Spur optimiert hätte. Im E-Klasse Hybrid und künftig wohl auch in allen noch kommenden Hybriden dieser Bauart, kann der Fahrer beim Rollen mittels Antippens des Schalthebels am Lenkrad entscheiden, ob er lieber länger rollt oder mehr Saft per Rekuperation in die Batterie bringt.

Auch zu diesem Behufe ist der E-Motor mit 20 kW/27 PS 25 Prozent stärker als der aus der S-Klasse. Die Lithium-Ionen-Batterie wurde gegenüber dem Modell im S400 Hybrid leicht modifiziert, damit sie in den Motorraum der E-Klasse passt. Sie speichert nicht ganz ein kWh Energie, genug, um bei zart gestreicheltem Gaspedal bis zu einem Kilometer elektrisch zu rollen oder elektrisch anzufahren.

Diesbezüglich verwirrt die hybridisierte E-Klasse beim ersten Kontakt. Man dreht den Zündschlüssel und es passiert - nichts. Das dezente grüne „ready“ im Display könnte man glatt übersehen. Also wie bei einem E-Auto oder einem der Hybriden von Toyota einfach den Schalthebel auf D und losrollen. Flüsterleise verlässt die Limousine den Parkplatz und erst als wir an der ersten Ampel etwas kräftiger beschleunigen springt der Vierzylinder-Diesel an.

Der 2,2-Liter ist die Allzweckwaffe von Daimler, wenn es um effizienten Vortrieb geht. Von der C- bis zur S-Klasse wird der 150 kW/204 PS-Diesel mit seinen bis zu 500 Newtonmetern Drehmoment eingesetzt und man schreckt auch nicht davor zurück, ihn in den SLK zu montieren. Als echtes Kraftpaket läuft er zwar vernehmlich und etwas rau, aber in jeder Umgebung sparsam.

Wobei er erst in Kombination mit dem Hybridmodul, das übrigens insgesamt rund 100 Kilogramm wiegt, zum echten Knauser wird. Bei der Normrunde auf dem Prüfstand beträgt der ermittelte Durchschnittswert 4,2 Liter, was einem CO2-Ausstoß von 109 Gramm entspricht. Damit unterbietet er den normalen 250 CDI mit Handschalter um glatte 2 Liter. Bei ersten Testfahrten, die über rund 200 Kilometer Autobahn, Landstraße und Ortsdurchfahrten führten und mit den täglichen Unbillen des ländlichen Autofahrens wie lästigen Traktoren, langsamen Lastern aber auch kleinen Staus unter realistischen Umständen stattfanden, zeigte der Bordcomputer am Ende der Tour 4,8 Liter Verbrauch an.

Die Batterie war durch fleißiges Rekuperieren fast voll und ließ uns rein elektrisch die letzten Meter zur Hoteleinfahrt rollen. Damit verfehlte der E 300 BlueTec Hybrid den Normwert zwar um knappe 15 Prozent, aber Verbräuche von unter 5 Litern für eine Limousine der oberen Mittelklasse mit Vollausstattung sind noch immer selten und deshalb aller Ehren wert.

Segeln bei Tempo 160

Wenn man sich einmal eingegroovt hat, macht das Wechselspiel aus Gasgeben und Rollenlassen übrigens richtig Spaß. Obwohl man die ganz hohen Geschwindigkeiten vermeiden muss, wenn man eine vier vor dem Komma erzielen will, ist man beileibe nicht als Hindernis unterwegs. Das Segeln funktioniert immerhin bis Tempo 160. Wer täglich die gleiche Route fährt, könnte sich einen Sport aus dem Sparprogramm machen. Zur Belohnung muss man seltener an die Tankstelle.

Das Hybridmodul lässt sich Daimler mit zusätzlichen 3.570 Euro bezahlen, ein durchaus überschaubarer Aufschlag, der in der Preisliste von Mercedes gar nicht weiter auffällt. Er ist allerdings gegenüber dem Basismodell mit Automatikgetriebe fällig, denn die Siebengangschaltung gehört zwingend dazu. Das Modul dürfte demnächst auch in weiteren Baureihen zum Einsatz kommen. Für die M-Klasse beispielweise wurde es bereits angekündigt.

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