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Powertrain Euro-6-Nachrüstung für Diesel: Zweiter Anbieter

| Autor/ Redakteur: Jan Rosenow / Jens Scheiner

Der französische Zulieferer Faurecia hat ein SCR-Konzept mit festem Ammoniak entwickelt, das sich auch zur Nachrüstung eignet. Bluefit soll die NOx-Emission um rund 95 Prozent senken.

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Ammoniak-Patronen statt Adblue-Tank: Bluefit von Faurecia.
Ammoniak-Patronen statt Adblue-Tank: Bluefit von Faurecia.
(Bild: Faurecia)

Auch wenn sich die Bundesregierung bei den Dieselautos vorerst mit einem Software-Update zufriedengegeben hat, bleibt das Interesse an einer verbesserten Abgasnachbehandlung hoch. Denn nur damit lassen sich die Stickoxidemissionen wirklich nachhaltig senken.

Nach Twintec hat nun auch das dänische Abgastechnik-Unternehmen Amminex, das mehrheitlich dem französischen Zulieferkonzern Faurecia gehört, eine Hardware-Nachrüstlösung für die Reinigung von Dieselabgasen entwickelt. Das System mit dem Namen Bluefit soll die strengen Emissionsstandards von Euro 6 unter realen Fahrbedingungen nicht nur erfüllen, sondern übertreffen. Das Interessante an Bluefit ist die Art der Ammoniakspeicherung namens ASDS (Ammoniak Storage and Delivery System), die Amminex zuerst für Nutzfahrzeuge entwickelt hat. Hierbei muss der Ammoniak für die Abgasreinigung nicht erst aus dem Hilfsstoff Adblue gewonnen werden, sondern er wird in fester Form im Fahrzeug mitgeführt. Die Standardkonfiguration hat zwei Patronen mit festem Ammoniak, was 16 Liter Adblue entspricht. Die Reichweite soll rund 15.000 Kilometer betragen. Einige Pkw-Modelle haben Platz für eine dritte Patrone, die die Reichweite potenziell auf mehr als 20.000 Kilometer verlängert. Der Austausch der Patronen in der Werkstatt soll nur zwei Minuten dauern.

Bluefit senkt im Test die NOx-Emission um 95 Prozent

Unabhängige Tests des Instituts für Verbrennungskraftmaschinen und Thermodynamik der Technischen Universität Graz (Österreich) unter der Leitung von Professor Dr. Stefan Hausberger konnten laut Faurecia die Effizienz von Bluefit unter realen Fahrbedingungen nachweisen. In den Tests wurde ein drei Jahre altes Dieselfahrzeug mit einem 1,5-Liter-Motor (Euro 5) verwendet. Die Messungen des Autos im Serienzustand ergaben je nach Außentemperatur Emissionen von 800 bis 1.300 Milligramm NOx pro Kilometer. Der Euro 5-Grenzwert erlaubt nur Emissionen von 180 mg/km.

Nach dem Einbau von Bluefit betrugen die durchschnittlichen Emissionen unter realen Fahrbedingungen nur noch 40 mg/km. Dieses Ergebnis liegt deutlich unter dem aktuellen Emissionsstandard (Euro 6), der 80 mg erlaubt. Bluefit entfernt also rund 95 Prozent der Stickoxide aus den Abgasen.

Das Nachrüstprodukt besteht aus zwei Hauptelementen: dem ASDS und einem SCR-Katalysator. Das ASDS ist in der Reserveradmulde installiert und der SCR-Katalysator ist an der Abgasleitung unter dem Auto angebracht. Bluefit soll keine Änderungen im Motorraum, der Kalibrierung des Motors, dem Dieselpartikelfilter oder dem Stromnetz verlangen.

Ohne Genehmigung kein Einbau

Vor dem Einbau brauchen Nachrüstprodukte für den Abgasstrang allerdings noch eine Betriebserlaubnis, die nur im Zusammenhang mit dem jeweils nachzurüstenden Fahrzeug erteilt wird. Eine Einzelabnahme ist wegen des großen Aufwands für die Abgasmessung unwirtschaftlich. Interessenten sollten abwarten, bis die Lieferanten oder Autohersteller selbst typgeprüfte Nachrüstprodukte anbieten. Allerdings dürften diese damit warten, bis eine politische Entscheidung für die Nachrüstung vorliegt und eventuell auch Fördergelder gezahlt werden.

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