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Wirtschaft Europäische Auto-Hochzeit? PSA und Fiat Chrysler bestätigen Fusionsgespräche

| Autor/ Redakteur: dpa / Maximiliane Reichhardt

Fiat Chrysler und PSA planen einen Zusammenschluss. Gemeinsam wären die Automobilhersteller an der Börse rund 50 Milliarden Dollar wert.

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Nachdem der Versuch einer Fusion mit Renault scheiterte, will sich FCA jetzt mit PSA zusammenschließen.
Nachdem der Versuch einer Fusion mit Renault scheiterte, will sich FCA jetzt mit PSA zusammenschließen.
(Bild: FCA)

Der italienisch-amerikanische Hersteller Fiat Chrysler (FCA) spricht mit dem französischem Opel-Mutterkonzern PSA über die Bildung eines globalen Autogiganten. Falls eine Abmachung gelinge, würde der weltweit viertgrößte Hersteller entstehen, hieß es am Mittwoch (30. Oktober) aus dem französischen Wirtschafts- und Finanzministerium. „Es gibt laufende Diskussionen, die darauf abzielen, eine der führenden Mobilitätsgruppen der Welt zu schaffen“, bestätigte FCA in einer knappen Erklärung. Die Gespräche seien erst am Anfang, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Kreisen in Paris. Einen Termin zum Abschluss gebe es bisher nicht.

Fiat Chrysler wollte sich bereits im Frühjahr mit dem französischen Hersteller Renault verbinden und den weltweit drittgrößten Autohersteller formieren. Die Gespräche scheiterten jedoch.

FCA und PSA wären rund 50 Milliarden Dollar wert

PSA führt neben Opel die Marken Peugeot und Citroën. Fiat Chrysler hat Marken wie Alfa Romeo, Chrysler, Dodge, Jeep, Lancia oder Maserati unter seinem Dach. Der neue Verbund käme laut Branchenangaben auf einen Absatz von rund neun Millionen Fahrzeugen. Größer seien nur noch Volkswagen, Toyota und der französisch-japanische Renault-Nissan -Verbund. Der französische Staat verfolge als wichtiger PSA-Anteilseigner die Gespräche mit „Aufmerksamkeit und Offenheit.“ Wie das „Wall Street Journal“ am Dienstag (29. Oktober) berichtet hatte, wären Fiat Chrysler und PSA an der Börse gemeinsam rund 50 Milliarden Dollar (45 Milliarden Euro) wert.

Peugeot-Chef Carlos Tavares soll den Konzern laut der Zeitung als Vorstandsvorsitzender führen. Der FCA-Verwaltungsratsvorsitzende John Elkann – Enkel des langjährigen Fiat-Bosses Giovanni Agnelli – würde diese Rolle auch bei dem neuen Unternehmen einnehmen. Laut Medien wird eine Fusion „unter Gleichen“ debattiert. Die Unternehmen machten zu Details zunächst keine Angaben. Die Aktien von FCA gingen in Mailand kräftig oben, die PSA-Papiere stiegen in Paris.

FCA hat keine Zeit, sie sind in einer sehr schwierigen Lage, weil sie keine Elektrofahrzeuge und nur alte Technologien haben.

Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer

Druck auf die PSA-Tochter Opel

Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer erwartet im Falle einer Fiat-Übernahme zusätzlichen Druck auf die PSA-Tochter Opel. Fiat habe große Überkapazitäten, die in Italien aber sehr schwer abzubauen seien. PSA-Chef Carlos Tavares werde zwangsläufig den Blick auch wieder auf die weiterhin vorhandenen Überkapazitäten bei Opel richten, sagte der Leiter des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen. PSA hatte Opel vor gut zwei Jahren übernommen und mit harter Hand wieder in die Gewinnzone geführt – viele Jobs blieben dabei auf der Strecke. Dudenhöfer sieht außerdem FCA in einer schwierigen Lage. Diese dränge den Konzern zur Eile, sagte der Experte der Deutschen Presse-Agentur. „FCA hat keine Zeit, sie sind in einer sehr schwierigen Lage, weil sie keine Elektrofahrzeuge und nur alte Technologien haben. Sie brauchen dringend und schnell einen Partner“, so Dudenhöffer.

FCAs Schwächen

In der Branche wird immer wieder auf Schwächen von Fiat Chrysler hingewiesen. Denn FCA hatte unter der Führung des mittlerweile verstorbenen Autobosses Sergio Marchionne auf große Investitionen in Elektroantriebe verzichtet. Derzeit ist der Konzern vor allem mit den großen Spritschluckern der Marken Jeep und Ram in den USA erfolgreich. Das hilft in Europa aber nicht beim Einhalten von CO2-Zielen spätestens ab 2021. Im Heimatkontinent von Fiat verliert der Konzern zudem Marktanteile und fuhr zuletzt nur haarscharf an einem operativen Verlust vorbei.

Die französische Regierung könnte die Fusion gefährden

Der 1899 gegründete Autohersteller Fiat war 2014 in der Fiat Chrysler Automobiles (FCA) aufgegangen. Die Zeitung „La Repubblica“ warnte, dass die französische Regierung, wie schon bei der gescheiterten Fusion mit Renault, das Projekt gefährden könnte. „In Frankreich ist die Regierung dieselbe geblieben, und sie ist Aktionärin bei Peugeot, wie sie es bei Renault war. Was hat sich geändert?“, fragte das Blatt. Der französische Staat dringe darauf, dass die industrielle Präsenz von PSA gewahrt bleibt, berichteten Kreise des Wirtschafts- und Finanzministeriums.

PSA hat im Stammland Frankreich zahlreiche Fabriken. Der Staat hält über eine Förderbank 12,23 Prozent der Anteile von PSA und 9,75 Prozent der Stimmrechte. Weitere große Anteilseigner sind die Peugeot-Familie und der chinesische Hersteller Dongfeng.

In Rom hielt sich die Regierung zurück. „Es ist eine Marktoperation, ich glaube, es ist richtig, im Augenblick keine Erklärungen abzugeben“, sagte Industrieminister Stefano Patuanelli laut Nachrichtenagentur Ansa.

Gespräche zur Konsolidierung in der Branche seien nicht überraschend, sagte VW-Finanzvorstand Frank Witter. Er wollte sich aber nicht detailliert zu Wettbewerbern äußern. Die deutschen Autobauer stecken viel Geld in die Abgasreduktion und Elektromodelle, um Strafzahlungen zu vermeiden. Volkswagen habe sich mit der eigenen Elektroplattform MEB klar positioniert, sagte Witter. Der US-Hersteller Ford will diese wegen ähnlicher Probleme wie FCA in Europa zum Bau von Elektromodellen mitnutzen.

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