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Jahreszahlen Europäischer Automarkt mit drittstärkstem Jahr der Geschichte

Autor / Redakteur: Christoph Seyerlein / Svenja Gelowicz

Nur 2006 und 2007 haben Autohersteller in Europa mehr Autos verkauft als im vergangenen Jahr. Und das, obwohl mit Großbritannien der zweitgrößte Markt und mit dem Diesel eine wichtige Antriebsart schwächelten.

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Der europäische Absatzmarkt bleibe auf Wachstumskurs, der Aufwärtstrend sei dank der guten Konjunkturentwicklung und einer sinkenden Arbeitslosigkeit weiter intakt.
Der europäische Absatzmarkt bleibe auf Wachstumskurs, der Aufwärtstrend sei dank der guten Konjunkturentwicklung und einer sinkenden Arbeitslosigkeit weiter intakt.
(Bild: BMW)

Obwohl ihm zum Ende des Jahres ein wenig die Puste ausging, ist der europäische Neuwagenmarkt 2017 zum vierten Mal in Folge gewachsen. Laut dem europäischen Herstellerverband ACEA stieg die Zahl der Neuzulassungen im Vergleich zu 2016 um 3,3 Prozent auf 15.631.687 in den EU- + EFTA-Ländern an. Auch ein schwächerer Dezember (1.136.552 Einheiten, - 4,8 %) änderte nichts daran, dass der EU-Markt auf den dritthöchsten je erzielten Stand kletterte – nur 2006 und 2007 hatten die Hersteller in Europa noch mehr Autos verkauft.

Und das Ende der Fahnenstange ist aus Sicht von Peter Fuß, Partner der Beratung EY, noch nicht erreicht: „In einigen Ländern besteht immer noch Aufholpotenzial, so dass wir auch im Jahr 2018 ein leichtes Absatzwachstum sehen werden“, sagt Fuß. Der europäische Absatzmarkt bleibe auf Wachstumskurs, der Aufwärtstrend sei dank der guten Konjunkturentwicklung und einer sinkenden Arbeitslosigkeit weiter intakt. Fuß rechnet 2018 mit einem Plus zwischen ein und zwei Prozent in der EU.

Grund für die nachlassende Dynamik seien einerseits das inzwischen erreichte hohe Ausgangsniveau und die immer schwächer ausfallenden Aufholeffekte in den ehemaligen Krisenländern. Obendrein befinde sich Großbritannien, der zweitgrößte EU-Markt, in der Krise: Um sechs Prozent gingen die Neuzulassungen im vergangenen Jahr zurück, im Dezember sogar um 14 Prozent. „Der Brexit wirft seine Schatten voraus – das Unternehmervertrauen ist massiv gesunken, was sich in stark sinkenden gewerblichen Zulassungen niederschlägt. Dieser Abwärtstrend dürfte sich im kommenden Jahr fortsetzen“, erwartet Fuß.

Ansonsten ging es 2017 in allen größeren EU-Ländern aufwärts. Deutschland (+ 2,7 %), Frankreich (+ 4,7 %), Italien (+ 7,9 %) und Spanien (+ 7,7 %) erzielten Zuwachsraten. Neben Großbritannien ging der Absatz im vergangenen Jahr noch in Irland (- 10,4 %), Dänemark (- 0,5 %), Finnland (- 0,4 %) und der Schweiz (- 1 %) zurück.

Wenig überraschend war 2017 wie in Deutschland auch in Gesamteuropa kein gutes Jahr für den Diesel. Der Absatz sank in den fünf größten Einzelmärkten (Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien) um 8,3 Prozent, der Marktanteil fiel um 5,3 Punkte von 50,6 auf 45,3 Prozent. Das war der stärkste Rückgang seit dem Jahr 2009. Einen geringeren Marktanteil hatten die Selbstzünder zuletzt vor 15 Jahren gehabt. Und Peter Fuß hat wenig Hoffnung, dass sich das Blatt schon bald wenden könnte. Er rechnet aufgrund anhaltender Diskussionen um Fahrverbote damit, dass der Diesel-Marktanteil 2018 auf 41 Prozent sinken wird. Neue Dieselmotoren haben aus seiner Sicht „wohl in erster Linie im Top-Segment und bei SUVs weiter eine Zukunft“.

Mehr Interesse an Elektro und Hybrid

Dagegen befinden sich alternative Antriebe auf dem Vormarsch. Autos mit Elektro- oder Hybridmotor legten in den fünf größten EU-Märkten um 54 Prozent auf knapp 468.000 Einheiten zu. Damit stieg der gemeinsame Marktanteil dieser beiden Antriebsformen dort von 2,7 auf 4,1 Prozent, wobei Hybride mit 3,2 Prozent deutlich vor reinen Elektroautos (1 %) lagen.

Das stärkste Wachstum war in Deutschland zu verzeichnen, wo die Neuzulassungen von Hybrid- und Elektroneuwagen um 85 Prozent zulegten. Den höchsten Marktanteil dieser Antriebsformen verzeichnet hingegen Spanien mit 5,1 Prozent – in Deutschland liegt er bei 3,2 Prozent.

Peter Fuß erwartet, dass die Nachfrage nach elektrifizierten Fahrzeugen auch 2018 weiter kräftig anziehen wird. „Das Thema Elektromobilität gewinnt gerade deutlich an Fahrt, immer mehr Verbraucher und Unternehmen erwägen inzwischen ernsthaft den Umstieg – zudem werden der Ausbau der Ladeinfrastruktur und neue attraktive Modelle in den kommenden Jahren weiteren Schub geben.“

Für die deutschen Hersteller war 2017 in Europa ein durchwachsenes Jahr. Zwar konnten Volkswagen (+ 2,3 %), BMW (+ 0,9 %) und Daimler (+ 4,8 %) ihren Absatz steigern, der gemeinsame Marktanteil sank dennoch von 36,9 auf 36,5 Prozent. Nur Daimler konnte hier von 6,2 auf 6,3 Prozent zulegen, BMW (von 6,8 auf 6,6 %) und Volkswagen (von 23,9 auf 23,6 %) mussten dagegen Einbußen hinnehmen.

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«