Produktion

Fachseminar: Leichtbauwerkstoffe zerspanen

| Autor / Redakteur: Claus-Peter Köth / Thomas Günnel

Leichtbauwerkstoffe wie CFK und GFK stellen besondere Anforderungen an die Fertigungstechnik. Beim „Expert Circle“-Seminar erläutern Experten, worauf es dabei zu achten gilt.
Leichtbauwerkstoffe wie CFK und GFK stellen besondere Anforderungen an die Fertigungstechnik. Beim „Expert Circle“-Seminar erläutern Experten, worauf es dabei zu achten gilt. (Bild: Hufschmied)

Leichtbauwerkstoffe wie CFK und GFK stellen besondere Anforderungen an die Fertigungstechnik. Was es dabei genau zu beachten gilt, erläutern Experten beim „Expert Circle“-Technologieseminar zum Thema Zerspanung.

Mit dem Motto „Vom Fahrverbot zum Fräsverbot“ werben die Unternehmen Reichenbacher Hamuel, Hufschmied Zerspanungssysteme, Schuko und das Fraunhofer IPA für ihr Fachseminar „Zerspanung von hybriden Leichtbauwerkstoffen in der Automobilindustrie“. Es findet am 22. November 2018 nahe Coburg in Dörfles-Esbach und im Schlosspark Rosenau in Rödental statt.

Leichtbauwerkstoffe wie CFK und GFK stellen besondere Anforderungen an die Fertigungstechnik sowie an Mensch, Maschine und Werkzeug sowie Prozess. In den meisten Fällen müssen sie spanend bearbeitet werden. Bei hybriden Werkstoffen mit Carbon oder Glasfaser sowie bei Stacks und Sandwichstrukturen aus Waben oder Schäumen kommen insbesondere das Bohren, Sägen und Fräsen zum Einsatz.

Große Unterschiede bei der Zerspanung

Dabei bestehen mitunter sehr große Unterschiede zwischen der Zerspanung von Metallen und der CFK-Zerspanung – mit entsprechenden Anforderungen an die richtige Ausstattung einer Maschine, die optimierte Werkzeugauswahl, Absaugung und Automatisierung. „Die unterschiedlichen Anforderungen einzelner Branchen wie Automobil oder Luftfahrt erfordern passgenaue Fertigungskonzepte.

Deshalb bieten wir bereits in der Vorprojektphase entsprechende Engineering-Kapazitäten mit an – auf Wunsch zusammen mit unseren Partnern als One-Stop-Shop aus einer Hand“, erklärt Volker Budzinski, Vertriebsleiter der Reichenbacher Hamuel GmbH. „Diese enge Zusammenarbeit von Werkzeugexperten, Automatisierungs-, Anwendungs- und Absaugungsspezialisten sowie führenden Wissenschaftlern und Forschern ist Teil unseres Angebotes und zeigt, dass wir als Industriepartner projektbezogen in Prozessen denken, um den optimalen Nutzen für unsere Kunden zu erzielen.“

Stäube absaugen

Insbesondere die bei der Zerspanung entstehenden Stäube machen es notwendig, wichtige Vorkehrungen zu treffen. Dazu gehört neben dem passenden Fertigungsverfahren auch eine entsprechende Absaugeinrichtung. „Anderenfalls droht uns nach dem Fahrverbot künftig auch ein Fräsverbot“, warnt Ralph Hufschmied, Geschäftsführer der Hufschmied Zerspanungssysteme GmbH, mit einem Augenzwinkern. Sein Unternehmen verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Entwicklung und Fertigung von materialbezogenen Werkzeugen.

„Heute ist bereits die Grünkörperbearbeitung von Keramiken unter Beobachtung, und erste Auflagen hinsichtlich des Schutzes der Werker belasten Investitionsentscheidungen. Die momentane Feinstaubdiskussion führt zu einer erhöhten Sensibilität der Menschen gegenüber solchen Belastungen – jeder Geschäftsführer kennt die Diskussionen über Drucker in Büroräumen. Wenn aber diese Themen nicht frühzeitig ernst genommen und aufgearbeitet werden, sind wie jüngst bei der DSGVO Regelungen zu erwarten, die unsere Arbeitsplätze im internationalen Wettbewerb zumindest soweit benachteiligen, dass eine Bearbeitung von staubförmig spanenden Werkstoffen deutlich erschwert wird“, erläutert Hufschmied.

Absaugeinrichtungen sind die Spezialität des Partners Schuko. „Als Familienunternehmen kümmern wir uns seit 50 Jahren um Stäube und Späne, die in der Produktion anfallen. Wir sorgen nicht nur für ein gutes Arbeitsergebnis oder einen funktionierenden Fertigungsprozess, sondern schützen aktiv die Gesundheit der Mitarbeiter durch optimierte Absaugung und Filtration“, erklärt Andre Schulte-Südhoff, Geschäftsführer der Schuko Bad Saulgau GmbH & Co. KG.

Den gesamten Prozess erklären

Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) beleuchtet den Gesamtprozess der spanenden Bearbeitung von Faserverbundwerkstoffen. „Uns kommt zugute, dass wir an allen beteiligten Prozessen forschen: Neben der Zerspanung mit Fräsen, Bohren, Trennschleifen und Sägen umfasst dies auch die Absaugung, die Kühlschmierstoffe sowie die Spanntechnik und die Qualitätskontrolle.

So können wir den Seminarteilnehmern die Zusammenhänge zwischen den einzelnen am Prozess beteiligten Partnern aufzeigen, um die Zerspanung prozesssicher und wirtschaftlich zu gestalten. Des Weiteren werden wir als Forscher neue Ansätze in der Zerspanung und innovative Beispiele aus unseren Entwicklungsprojekten präsentieren“, verspricht Andreas Gebhart, Gruppenleiter Bearbeitungstechnologien am Fraunhofer IPA.

Spannende Keynote und Diskussionsrunde

„Wir wollen mit dem Fachseminar Diskussionen und Gespräche auf Ebene der Projektbearbeiter anregen. Es richtet sich sowohl an die Führungsebene als auch an die Initiatoren und durchführenden Projektmitarbeiter“, betont Volker Budzinski.

Der Startschuss ist am 22. November 2018 um 10:15 Uhr in Dörfles-Esbach mit einem exklusiven Werksrundgang bei Reichenbacher Hamuel. Nach der Mittagspause wird Heinrich Timm um 13 Uhr in seiner Keynote zunächst die anhaltend hohe Bedeutung des Leichtbaus „als Enabler für eine ökologische Mobilität“ aufzeigen. Er ist Mitglied des Vorstands Carbon Composites e. V. (CCeV) und ehemaliger Leiter des Audi Leichtbauzentrums.

„Bei allem was bewegt wird, führt Leichtbau zu einer wirkungsvollen Reduzierung des Energieverbrauchs“, sagt Timm. Und: „Emotional verändert die E-Mobilität das Gesamtbild Leichtbau zurzeit stark – allerdings populistisch getrieben. Faktisch hat sich die Bedeutung des Leichtbaus natürlich nicht geändert. Ganz einfach, weil sich die Physik und das Gesetz der Massenträgheit nicht verändern.“ Dabei gebe es viele Möglichkeiten eines wirtschaftlichen (hybriden) Leichtbaus, insbesondere dann, wenn zusätzlich zum Leichtbau noch Funktionsverbesserungen hinzukommen.

Nach den Vorträgen der Projektpartner und von Prof. Dr. med. Claudia Traidl-Hoffmann von der TU München folgen um 15:30 Uhr eine Diskussionsrunde und das Get-together in der Orangerie im Schlosspark Rosenau. Optional wird für Spätanreisende um 17 Uhr die Werksführung wiederholt.

Weitere Infos und Anmeldung unter: www.fachseminar-zerspanung.xpert-circle.de.

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