Neue Modelle Fahrbericht Audi TT: Es lebe der Sport

Redakteur: Christian Otto

TT die Dritte: Audi legt den Segmentführer neu auf und spart nicht an Veränderungen. Vor allem der Fahrdynamik tut das gut. Dabei helfen beispielsweise Leichtbau und ein verbesserter Allradantrieb. On top servieren die Ingolstädter ein neues digitales Cockpit.

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Die „Stilikone“ geht mit Design-Anleihen der ersten Generation und vielen Neuerungen in die dritte Auflage.
Die „Stilikone“ geht mit Design-Anleihen der ersten Generation und vielen Neuerungen in die dritte Auflage.
(Foto: Audi)

Eine „Stilikone“ wie Audi gern betont, geht in die nächste Runde. Die neueste Version des TT nimmt dabei im Außendesign Anleihen bei der ersten Generation, die ab 1998 produziert wurde. Es ist jene Linie im Profil, die die gemeinsamen Gene erkennen lässt, wenn auch das 2014er-Modell diese neu interpretiert. Geduckt liegt die 4,18 Meter lange Karosserie auf der Straße und das bei 2,51 Meter Radstand. Das Ergebnis: kurze Überhänge.

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Beim Stichwort Karosserie können die Ingolstädter auch beim neuen TT wieder auf ihre Leichtbaukompetenz setzen. Das probate Mittel ist ein Mischbau-Konzept, in dem der Vorderwagen und der Boden der Fahrgastzelle viele formgehärtete Stahl-Komponenten umfassen. Aluminium kommt derweil beim Aufbau der Passagierzelle sowie aller Außenhaut- und Anbauteile zum Einsatz. Für die 2.0 TFSI-Variante mit Handschaltung bringt das ein Leergewicht von 1.230 Kilogramm. Zum Vorgänger hat der neue TT somit 50 Kilogramm abgespeckt.

Die zum Test und auch beim Händler verfügbaren drei Motoren bieten Leistungen zwischen 135 kW (184 PS) und 228 kW (310 PS). Ein TDI sowie zwei TFSI standen für die Ausfahrten in und um das spanische Marbella zur Wahl, wobei der TTS mit dem Top-TFSI die Fahrmaschine im Trio darstellte. Die drei aufgeladenen Vierzylinder haben leistungsseitig jeweils zugelegt und sollen trotzdem laut Audi deutlich weniger Kraftstoff verlangen. Dabei soll auch ein serienmäßiges Start-Stop-System helfen.

Für Sparfüchse und Soundliebhaber

Im Detail dürfte dabei der 2.0 TDI ultra die Sparfüchse unter den sportlich ambitionierten Fahrern ansprechen. Handschaltung und Frontantrieb lassen den Diesel mit seinen 135 kW (184 PS) und 380 Nm Drehmoment eine ausreichende Kraft entwickeln. Auf 100 Kilometer soll er sich im Mittel zudem mit 4,2 Litern Kraftstoff begnügen, was einer CO2-Emission von 110 Gramm pro Kilometer entspricht. Für eine spritzige Tour entlang südspanischer Serpentinenstraßen reichte die TDI-Power allemal. Doch mehr Fahrfreude bot dann doch der 2.0 TFSI mit 169 kW (230 PS) und 370 Nm. Insbesondere das manuelle Sechsganggetriebe und noch mehr die optional orderbare Sechsgang S tronic steigerten den Spaß merklich.

Das Doppelkupplungsgetriebe sorgte für schnelle Gangwechsel. Dabei war zu keinem Zeitpunkt eine Einbuße an Schub wahrnehmbar – für schnelle Überholmanöver auf engen und unübersichtlichen Bergstraßen gab das die nötige Sicherheit. Die fahrdynamische Spitze nahm allerdings der TTS ein. 228 kW (310 PS) und 380 Nm sprechen eine deutliche Sprache. Unter Zuhilfenahme aller Assistenz-technischer Helferlein wirkte die Power fast schon ein wenig eingesperrt.

Doch durch das im TTS serienmäßige Fahrdynamiksystem Audi drive select kann der Fahrer diese befreien. Das spürt man dann nicht nur an einem sich je nach gewählten Fahrmodi (comfort, auto, dynamic, efficiency und individual) verändernden Lenk-, Dämpfer- sowie Gasverhalten, sondern auch am Klang. Der wird nämlich zunehmend bedrohlicher, je sportlicher der Modus gewählt wird. Ein Soundaktuator bringt diesen Effekt.

Souverän auf der Rennstrecke

Auf der eigens gemieteten Ascari-Rennstrecke unweit von Marbella konnten sich zudem noch der verbesserte permanente Allradantrieb des TTS sowie das Fahrwerk auszeichnen. Das quattro-System verfügt über eine elektrohydraulische Lamellenkupplung, die die Kräfte im regulären Fahrbetrieb an die vorderen Räder schickt. Fordert es die Fahrsituation, leitet die Kupplung sie blitzschnell an die Hinterachse um. Bei der Hatz auf der Piste schickte sie die Kraft schneller und damit tendenziell öfter an die Hinterachse, was vor allem bei Kurvenfahrten den Fahrspaß erhöhte. Das Management der Kupplung ist übrigens auch in das drive select-System eingebunden.

Die vordere Radaufhängung des TT folgt dem McPherson-Prinzip. Auch hier ist Leichtbau angesagt: Aluminium-Komponenten senken das Gewicht der ungefederten Massen. Die Lenkung wirkte äußerst direkt und ließ präzise Fahrmanöver zu. Mit der beim TTS serienmäßigen und sonst optionalen Tieferlegung spürte man zwar Fehler auf spanischen Landstraßen stärker, lag aber gleichzeitig bei der Kurvenfahrt sehr satt und sicher auf der Fahrbahn.

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Für dieses Sicherheitsgefühl sorgten zudem die beim TTS an der Vorderachse positionierten besonders leichten Aluminium-Festsattelbremsen. Sie sind eine Neuentwicklung. Die elektronische Stabilisierungskontrolle ESC rundete das Handling ab. Sie lässt sich teilweise oder ganz abschalten, was gerade auf dem Ascari-Kurs den zu bringenden fahrerischen Aufwand erhöhte und den TTS zum wirklichen Sportler machte.

Analog war gestern

Der Innenraum überzeugte, wie erwartet. Aufgeräumt und sportlich lautet die Devise. Vor allem die an den Lüftungseingängen integrierten Bedienelemente der Klimaanlage sind eine clevere Lösung. Entscheidend beim Blick ins Innere war aber das Virtual Cockpit, ein digitales Kombiinstrument mit hochdetaillierten, vielseitigen Darstellungen. Diese Anzeigeart bedeutet zumindest beim TT den Abschied von analogen Instrumenten und dem bekannten MMI-Monitor. Für eingefleischte Analogfetischisten ist das natürlich gewöhnungsbedürftig. Doch die von Audi gebrachte Lösung ist vorerst die überzeugendste am Markt. Das Herz bildet ein 12,3 Zoll großes volldigitales Display. Bei diesem kann der Fahrer zwischen zwei Ansichtsmodi wählen.

Der TT vereint also die Tradition im Design mit vielen Neuerungen, die vor allem den sportlichen Anspruch des Modells unterstreichen sollen. Je nach Präferenz des Käufers erhält dieser einen Sportler, der die verschiedenen Sprintdistanzen beherrscht. So steht der sparsame TDI für den genügsamen 400-Meter-Athlet, der 2.0 TFSI für den kurvenerprobten 200-Meter-Mann und der TTS ist die muskelbepackte Audi-Antwort auf Usain Bolt.

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