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Künstliche Intelligenz Fahrerassistenzsysteme: Continental entwickelt nun mit Supercomputer

| Autor / Redakteur: dpa / Jens Scheiner

Continental hat einen Supercomputer in Betrieb genommen, der aufwendige Testfahrten durch Simulationen ersetzen soll. Der Automobilzulieferer will damit seine Fahrerassistenzsysteme schneller entwickeln.

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Continental will mit Hilfe seines Supercomputers die Entwicklung autonomer Fahrsysteme beschleunigen.
Continental will mit Hilfe seines Supercomputers die Entwicklung autonomer Fahrsysteme beschleunigen.
(Bild: Continental)

Der Autozulieferer Continental hat einen eigenen Supercomputer in Betrieb genommen, um die Entwicklung von Fahrassistenzsystemen und Roboterwagen-Software zu beschleunigen. Die Anlage bei Frankfurt läuft mit Technik des US-Computerkonzerns Nvidia. Dank dem Supercomputer können Systeme auf Basis künstlicher Intelligenz schneller mit großen Mengen Daten angelernt werden – auf ihm können aber auch Simulationen laufen, die zum Teil Testfahren ersetzen.

Continental fährt aktuell mit seiner Flotte rund 15.000 Kilometer pro Tag – und das erzeugt täglich rund 100 Terabyte an Daten. Eine der Aufgaben des Nvidia-Computers ist, diesen Datenberg auszuwerten. Mit den Informationen werden auch die neuronalen Netze der KI-Systeme trainiert. Sie sollen zum Beispiel dafür sorgen, dass ein Fahrzeug einen Spurwechsel oder einen Kreisverkehr fließend wie ein Mensch meistert. „Durch die Hochleistungstechnologien von Nvidia ist es möglich geworden, dass wir Prozesse, die früher Wochen brauchten, auf Stunden verkürzen können“, sagte Christian Schumacher, der bei Continental für die Entwicklung von Fahrassistenzsystemen zuständig ist.

Simulation ersetzt zusätzliche Testfahrten

Die Simulation kommt dann vor allem beim Testen der Systeme ins Spiel. „15.000 Kilometer am Tag klingt viel, aber es deckt bei weitem nicht ab, was man braucht, um sagen zu können, dass man in jedem Winkel der Welt mit solchen Systemen sicher unterwegs ist“, betonte Schumacher. „In der realen Welt passieren viele Dinge, die man nicht unbedingt vorhersehen kann.“ Man könne aber zum Beispiel eine Straße bei Sonnenschein abfahren – und dann für die Sensoren Regen oder Schnee simulieren. Das beschleunige zum einen die Entwicklung und spare zum anderen Kosten, betonte Schumacher.

Vor wenigen Wochen kündigte Daimler an, dass Nvidia-Computer ab 2024 in alle neuen Modelle der Marke Mercedes-Benz eingebaut werden. Sie sollen Fahrassistenz-Systeme und das teilautomatisierte Fahren steuern. Die gemeinsame Vision ist ein Auto, das sich mit Software-Updates immer weiter verbessern lässt.

Software und Hardware besser aufeinander abstimmen

Die Partnerschaft mit Continental könnte Nvidia helfen, sich den Platz in mehr Fahrzeugen zu sichern. „Die Komplexität hat so zugenommen, dass es wichtig ist, dass man mit Partnern wie Nvidia eng zusammenarbeitet, damit man die Chips, die im Fahrzeug verbaut werden, optimiert nutzen kann“, betonte Schumacher. Während man früher Bauteile einzeln eingekauft habe, „muss man jetzt viel enger zusammenarbeiten, damit die Software optimal mit der Hardware funktioniert, aber auch entwickelt werden kann.“

Continental geht davon aus, dass es einen fließenden Übergang von hochentwickelter Fahrassistenz-Technik zum selbstfahrenden Autos geben wird. Bei solchen den Assistenz-Systemen, die in der Klassifikation der Stufen des automatisierten Fahrens als Level 2+ bezeichnet werden, ist der Fahrer zwar weiterhin in der Verantwortung. Doch Schumacher betont: „Bei Level 2+ wird der Fahrer ein System erleben, das bereits nah an das nächste Level heranreicht. Mit Level 3 kann der Fahrer dann die gesamte Fahrverantwortung an das System abgeben und wird somit zum Passagier.“

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