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E-Mobilität Fahrerlos parken und laden

| Redakteur: Edgar Schmidt

Eine Forschungsgemeinschaft will E-Autos beibringen, automatisiert zu parken und zu laden. Unter anderem Bosch und Volkswagen wollen damit die E-Mobilität alltagstauglich machen.

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Künftig sollen E-Auto-Fahrer ihr Gefährt per Smartphone zum Parken und Laden schicken können.
Künftig sollen E-Auto-Fahrer ihr Gefährt per Smartphone zum Parken und Laden schicken können.
(Foto: V-Charge)

Elektroautos brauchen aus Sicht vieler Forscher nicht nur eine neue Antriebstechnik, sondern auch eine neue Peripherie. Insbesondere die Ladetechnik und die damit verbundene Infrastruktur müsse verbessert werden, um die E-Autos alltagstauglich zu machen. Das jedenfalls sagen die Mitglieder des von der EU geförderten Projektes „V-Charge“: Entwickler und Forscher der ETH Zürich, der Universitäten von Braunschweig, Oxford und Parma sowie der Industrieunternehmen Bosch und Volkswagen.

Ihr Ansatz: Die Elektroautos müssen künftig besser mit dem Nah- und Fernverkehr in öffentlichen Verkehrsmitteln kombinierbar sein. Dadurch wären ihre Nutzer auch auf Langstrecken mobil. Möglich machen soll das das Projekt „V-Charge“. Der Begriff steht für Valet Parking and Charging, was sich frei mit „Park- und Ladeservice“ übersetzen lässt.

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Das Auto parkt und lädt selbständig

Nach Ansicht der Forscher sollen Reisende lange Strecken künftig vorwiegend über einen gut ausgebauten Fernverkehr zurücklegen und nur die verbleibenden Kilometer vom Bahnhof bis nach Hause per Elektrofahrzeug überwinden. Um das so komfortabel wie möglich zu gestalten, sollen Elektroautos auf V-Charge-Park&Ride-Parkplätzen selbstständig und fahrerlos Parkplätze mit induktiven Ladestationen anfahren. Durch die von dem Konsortium entwickelte Technik sollen Autofahrer also nicht mehr selbst auf der Suche nach einem freien Platz mit Ladestation durch die Parkreihen fahren müssen. Vielmehr können sie ihr Auto bequem per Smartphone-App zum Parken und Laden schicken und bei der Rückkehr voll geladen zum Abholpunkt dirigieren.

Ladepunkte effektiv genutzt

Der Vorteil: Selbstständig fahrende Autos blockieren nicht mehr den ganzen Tag eine Ladestation, sondern können, wenn der Akku wieder voll ist, auf einen Parkplatz ohne Ladetechnik wechseln und die Station für andere E-Autos frei machen. Dadurch ließen sich die Ladepunkte wesentlich besser ausnutzen.

Nach eigenen Angaben sind die Forscher inzwischen so weit, dass sie ein Auto in einem Parkhaus über eine Smartphone-App zu einem Parkplatz schicken können. Der Wagen verbindet sich daraufhin mit dem Server des Parkhauses und lässt sich die Position eines freien Parkplatzes übermitteln. Danach navigiert er selbstständig zu dem gewünschten Platz. Kreuzt ein anderes Fahrzeug den Weg, bleibt das E-Mobil kurzzeitig stehen oder weicht aus.

Günstige Sensortechnik

Da in Parkhäusern die freie Sicht auf Satelliten versperrt ist, können die Entwickler kein GPS-basiertes System nutzen. Sie haben sich deshalb für ein Konzept mit Kameratechnik entschieden, für das die beteiligten Hochschulen und Industriepartner bereits Know-how mitbringen. Um die eigenen Position präzise zu ermitteln, verbindet sich das Auto zu Beginn mit der Parkplatzinfrastruktur und lädt spezielles Kartenmaterial herunter. Dieses umfasst eine Beschreibung der Umgebung, die speziell auf die Verwendung von Kamerasensoren zugeschnitten ist.

Damit kann die Fahrzeugelektronik die Bilddaten der Kamera mit der Karte abgleichen und sich so lokalisieren. Hindernisse detektiert eine Stereokamera. Anschließend werden diese dann von einer Auswertesoftware entweder als statisch oder als bewegliche Verkehrsteilnehmer identifiziert. Damit es zu keiner Kollision kommt, berechnet das Fahrzeug zudem mehrere Male pro Sekunde neu ein optimales Fahrmanöver. Damit das System kostengünstig und damit markttauglich wird, arbeiten die Entwickler unter anderem mit Ultraschallsensoren, Weitwinkel- und Stereokameras, die bereits verfügbar sind und beispielsweise für die Park- und Notbremsassistenten eingesetzt werden.

Test noch bis September 2015

Das Projekt läuft noch bis September 2015. Bis dahin wollen die Forscher unter anderem die Präzision beim Einparken verbessern, damit eine induktive Ladung mit einem hohen Wirkungsgrad erfolgen kann. Ein weiterer Fokus der Arbeiten liegt auf der zuverlässigen Navigation. Diese soll auch bei stark wechselnden Lichtverhältnissen sowie bei regem Verkehr in Verbindung mit anderen, manuell gesteuerten Fahrzeugen sowie Fußgängern alle auftretenden Situationen zuverlässig beherrschen.

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