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Fahrbericht Ferrari California T: Tabubrecher

| Autor/ Redakteur: sp-x / Andreas Wehner

Ferrari macht mit beim Downsizing: Der California kommt mit einem aufgeladenen Achtzylinder. In der Theorie will das Triebwerk vor allem sparsamer sein. In der Praxis hat es andere Qualitäten.

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Ein Ferrari mit Turbo: Der California T ist ein Tabubrecher.
Ein Ferrari mit Turbo: Der California T ist ein Tabubrecher.
(Foto: Ferrari)

Eingefleischte Ferraristi müssen jetzt ganz stark sein. Denn die Marke aus Maranello bricht mal wieder mit einem Tabu: Nachdem die Italiener im FF schon den Allradantrieb eingeführt haben, kommt nun im aufgefrischten California der Turbo. „Auch wir müssen mit der Zeit gehen und können uns dem Downsizing nicht länger verschließen“, sagt Marketing-Chef Nicola Boari, als müsse er sich für den neuen Motor in dem luxuriösen Leistungssportler entschuldigen.

Doch davon kann nun wirklich keine Rede sein. Denn der von 4,3 auf 3,9 Liter geschrumpfte V8-Motor ist nicht nur auf dem Papier deutlich besser als der hochdrehende Sauger. Nicht umsonst steigt die Leistung von 490 auf 560 PS und das maximale Drehmoment macht einen riesigen Sprung von 505 auf 755 Nm, während der Verbrauch immerhin um 15 Prozent auf vorzeigbare 10,5 Liter sinkt.

Ferrari California T: Jetzt mit Turbo

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Auch in der Praxis liegen Welten zwischen den beiden Aggregaten: Der Turbo spricht ähnlich spontan an wie der Sauger, prügelt den immerhin knapp 1,8 Tonnen schweren Zweisitzer jetzt aber mit einer Vehemenz nach vorne, wie man sie eher von einem Supersportwagen als einem potenten Gran Turismo mit einer gehörigen Portion Restkomfort erwartet hätte.

Ja, man kann mit dem California auch weiter ganz entspannt eine sanft geschwungene Küstenstraße entlang cruisen und hat dabei dank einer neuen, längeren Übersetzung für den siebten Gang sogar mehr Ruhe und die größere Reichweite. Und nein, man wird dem 458 Italia auch künftig nicht folgen können, weil der spätestens als Speciale einfach noch schärfer, noch stärker und vor allem spürbar leichter und deshalb handlicher ist.

Doch wenn die Haare sitzen und einen der Hafer sticht, kann man die Pferde jetzt so schnell traben lassen, bis sie einem glatt durchgehen: Von 0 auf 100 in 3,6 statt bislang 3,8 Sekunden, in 11,2 Sekunden auf 200 km/h und danach munter weiter bis 316 km/h, dazu die rasend schnellen Gangwechsel und einen etwas tieferen Schwerpunkt durch den weiter nach unten gerückten Motor – da wird die Luft auch auf der Überholspur schon ganz schön dünn und auf der Landstraße kann die Kurvenfolge gar nicht lang genug sein.

Nicht nur von einem Turboloch ist dabei nichts zu spüren. Man muss auch auf die faszinierende Klangkulisse nicht verzichten, die einem mit jedem Gasstoß eine dickere Gänsehaut aufs Trommelfell zaubert. Die ganz hohen, kreischenden Töne hat der California zwar abgelegt und dafür tiefere Bässe ins Programm genommen.

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