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Motorsport Engineering Ferrari und Vettel gehen getrennte Wege

| Autor / Redakteur: dpa / Jens Scheiner

Nach sechs Jahren stehen Medienberichten zufolge die Anzeichen von Sebastian Vettel und der Scuderia Ferrari auf Abschied. Wohin es den viermaligen Formel-1-Weltmeister zieht, ist noch nicht bekannt.

Die Zeit von Sebastian Vettel und Ferrari scheint abgelaufen zu sein.
Die Zeit von Sebastian Vettel und Ferrari scheint abgelaufen zu sein.
(Bild: Ferrari )

Eine Traumehe wie bei seinem Vorbild Michael Schumacher wurde es nie, nun geht die Partnerschaft zwischen Sebastian Vettel und Ferrari unterkühlt und emotionslos Ende des Jahres auseinander. Der 32 Jahre alte Deutsche, der beim Versuch, die Schumacher-Ära bei der Scuderia zu wiederholen letztlich krachend scheiterte, wird nach sechs Jahren den traditionsreichsten Rennstall der Formel 1 nach dieser Saison verlassen.

„Das Team und ich haben gemerkt, dass es nicht mehr den gemeinsamen Wunsch gab, über das Ende dieser Saison zusammenzubleiben", sagte Vettel am Dienstag (12. Mai) in einer Ferrari-Presseerklärung. „Um die bestmöglichen Ergebnisse in diesem Sport zu erzielen, ist es für alle Beteiligten wichtig, in perfekter Harmonie zu arbeiten." Wie sehr die Fronten verhärtet sind, belegt auch ein Statement von Teamchef Mattia Binotto: Es sei die beste Entscheidung für beide Seiten.

Die Gespräche um einen neuen Vertrag scheiterten. „Das Finanzielle hat keine Rolle gespielt", betonte Vettel, der bei seinem Wechsel zur Saison 2015 von Red Bull zu Ferrari einen Dreijahresvertrag unterschrieben hatte. Bei der Verlängerung konnten sich beide Seiten wieder auf drei Jahre einigen. Medienberichten zufolge bot Ferrari ihm nun zunächst nur einen Kontrakt über ein Jahr zu deutlich geringeren Bezügen an, dann für zwei. Was auch immer es wirklich war - in Vettels Sinn war es nicht.

Ihm ist auch nicht entgangen, dass Ferrari ohnehin auf seinen zehn Jahre jüngeren Teamkollegen Charles Leclerc zählt, mit dem er auf der Rennstrecke immer wieder aneinander geraten war. „Wir hatten einige angespannte Momente auf der Strecke. Einige sehr gute und andere, die nicht so endeten, wie wir es beide wollten. Aber es gab immer Respekt, auch wenn es von außen nicht so wahrgenommen wurde", meinte Leclerc, der via Twitter aus Monaco auf das bevorstehende Ende der zuletzt vergifteten Renngemeinschaft mit Vettel reagierte: „Ich habe nie soviel gelernt wie mit Dir als Teamkollege. Danke für alles, Seb."

Die Cockpits der Rennställe scheinen vergeben

Als Vettel-Nachfolger wird seit längerem schon Carlos Sainz von McLaren gehandelt. Der Vertrag des 25 Jahre alten Spaniers beim britischen Team endet ebenfalls nach dieser Saison. McLaren-Teamchef Andreas Seidl versicherte hingegen jüngst, dass die aktuellen Piloten Lando Norris und Carlos Sainz junior auch künftig im Cockpit sitzen sollen. Red Bull setzt auf Max Verstappen als Titelanwärter. Bei Mercedes gibt es zwar auch noch nichts Neues in Sachen Hamilton, dessen Vertrag ebenfalls Ende dieses Jahres ausläuft. Ein Wechsel des Briten scheint aber schwer vorstellbar. Und Vettel und Hamilton in einem Team, wenn es mit Valtteri Bottas bei den Silberpfeilen mal nicht weitergehen sollte, scheint erst recht schwer vorstellbar. Und Vettel? Geht er nun im Tausch zu McLaren? „Ich selbst werde mir die Zeit nehmen, die ich brauche um darüber nachzudenken, was wirklich in meiner Zukunft zählt", erklärte Vettel in der Pressemitteilung.

Was in den vergangenen Monaten passiert sei, habe bei vielen dazu geführt, über die Prioritäten nachzudenken. Was genau Vettel damit meinte, führte er nicht aus. Vermeintliche Indiskretionen über die Verhandlungen mit seinem Noch-Arbeitgeber dürften die Entscheidung des dreifachen Familienvaters gegen eine weitere Zusammenarbeit aber auch beeinflusst haben.

Sollte Vettel seine Formel-1-Zukunft, die 2007 als Ersatzpilot bei BMW-Sauber begann und ihn über Toro Rosso und Red Bull zu Ferrari führte, nicht mehr fortsetzen, könnte es dazu kommen, dass 2021 erstmals seit 1990 kein deutscher Pilot am Start steht.

Vettel konnte nicht an die Erfolge bei Red Bull anknüpfen

Fraglich ist trotz aller Beteuerungen, wie Vettel und Ferrari die noch geplante neue Saison zusammen überstehen wollen, sollte diese trotz Coronavirus-Pandemie noch gestartet werden können. Zumal die bisherigen fünf Versuche, gemeinsam den Titel zu holen und die Dominanz von Mercedes und dem mittlerweile sechsmaligen Champion Lewis Hamilton zu brechen, Jahr für Jahr gescheitert waren und Vettel sich ob einer Reihe von Fehlern auch immer wieder Kritik ausgesetzt sah.

Nach vier Titeln mit Red Bull in seiner Zeit von einschließlich 2009 bis Ende 2014 und 39 Grand-Prix-Siegen gelangen Vettel bei Ferrari bisher nur 14 Triumphe. Als zur Saison 2019 Leclerc für Vettel-Kumpel Kimi Räikkönen ausgetauscht wurde, richtete Ferrari bereits für alle sichtbar die Weichen auf die Zukunft. Im vergangenen Jahr reichte es für Vettel nur zu einem Sieg und Platz fünf im WM-Klassement. Dass er 2020 doch noch Weltmeister wird, scheint unwahrscheinlich. Zum einen, weil der Brite Lewis Hamilton mit Mercedes erneut der übermächtige Favorit ist, zum anderen, weil völlig unklar ist, ab wann und wo in den kommenden Monaten überhaupt wieder gefahren werden kann.

Denn in diesem Jahr ging es für Vettel und Co. auf der Strecke noch gar nicht um Grand-Prix-Siege. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie wurden bislang alle geplanten Rennen entweder verschoben oder abgesagt. Derzeit ist der Start der Formel-1-Saison für den 5. Juli in Österreich anvisiert, einen festen Rennkalender gibt es noch nicht. Die Rennserie hofft, bis zum Jahresende zwischen 15 und 18 Veranstaltungen austragen zu können.

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