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HS Genion Flügel aus München

| Redakteur: Claus-Peter Köth

Was die M-Technik für BMW ist, ist das Unternehmen HS Genion für Webasto. Der Vergleich gefällt Christoph Rösch. „Wir haben den Anspruch, für die gehobene Klientel in der Branche

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Was die M-Technik für BMW ist, ist das Unternehmen HS Genion für Webasto. Der Vergleich gefällt Christoph Rösch. „Wir haben den Anspruch, für die gehobene Klientel in der Branche zu arbeiten“, betont der Geschäftsführer der Münchner Engineering-Gesellschaft HS Genion und schiebt Namen wie BMW, Porsche, Bugatti, Lamborghini oder Rolls-Royce nach.

Als Produktentwickler für Automobilhersteller und Systemlieferanten ist Rösch in einer komfortablen Lage: Das Unternehmen ist seit 2003 vollständige Tochter der Webasto-Gruppe. Das sichert Rösch Aufträge aus dem Konzern, ermöglicht die globale Präsenz an den 22 Produktionsstandorten von Webasto und erlaubt darüber hinaus auch den Rückgriff auf das Know-how von Spezialisten im Mutterunternehmen.

Dennoch kann Rösch eigenständig agieren. Denn die rund 140 Mitarbeiter in der Produktentwicklung an den drei Standorten München, Ingolstadt und Sindelfingen arbeiten auch für andere Kunden. Darunter sind sogar Wettbewerber von Webasto. Für den bei Karmann montierten Chrysler Crossfire zum Beispiel entwickelte und fertigt HS Genion den ausfahrbaren Heckspoiler.

Dass HS Genion neben der Entwicklung auch die Produktionsverantwortung und Lieferung ganzer Baugruppen und Systeme übernimmt, unterscheidet das Unternehmen von üblichen Entwicklungsdienstleistern. „Bei uns kommt alles aus einer Hand“, gibt Rösch zu verstehen, angefangen bei Idee und Design, über Entwicklung und Konstruktion bis hin zur Serienfertigung und der Anlieferung der Teile just-in-sequence in die laufende Serie der Kunden.

Von den knapp 22 Millionen Euro Jahresumsatz 2006 entfallen denn auch nur rund 40 Prozent auf reine Engineering-Dienstleistungen, die restlichen 60 Prozent sind produzierende Wertschöpfung. Die entsteht überwiegend in den konzerneigenen Werken der Webasto-Gruppe, die mit 90 Prozent den Löwenanteil am Produktionsumsatz von HS Genion beisteuern.

Auf anspruchsvolle Kinematiken sind die Münchner in erster Linie spezialisiert: „In der Regel bewegen sich unsere Teile“, sagt Rösch. Als Marktführer für bewegte Heckspoiler gehören Konzepte für Aerodynamik, Komfort, Lifestyle sowie Dach- und Schließkomponenten für Cabrios zu den Spezialbereichen der Münchner. Auch Sitze und Gestelle für Systemlieferanten wie Lear, Johnson Controls oder Recaro werden konzipiert.

Ferner entstanden Teile für das komplexe Faltwerk des versenkbaren Top des Volkswagen EOS bei HS Genion – und werden von Webasto produziert, ebenso wie die Elektromechanik, mit deren Hilfe Rolls-Royce seine Emily dezent unter dem schützenden Chromblech des Kühleraufbaus verschwinden lässt.

Dass Rösch das Premiumsegment und die gehobene Klasse der Autobauer als Kunden bevorzugt, hat Gründe: Hersteller wie Porsche, BMW oder Bugatti produzieren überschaubare Stückzahlen. Entsprechend sieht sich HS Genion eher als Manufaktur denn als Massenhersteller.

Mengen von wenigen 100 bis maximal 20 000 Einheiten pro Jahr und Applikation sind Rösch die liebsten. „Stückzahlen, die für kleine Hersteller zu groß und für große zu klein sind“, wie er betont. Da sind die rund 80 000 Sonnenrollos bereits die Ausnahme, die HS Genion zusammen mit Partnern für die Fenster im Fond des BMW 7ers liefert.

Einen Namen in der Branche hat sich HS Genion nicht zuletzt als Marktführer für bewegte Spoiler gemacht. Rösch setzt hier in erster Linie auf leichte elektrische Antriebe mit Bowdenzug – und nicht auf Hydraulik wie beim Porsche 911 oder Bugatti EB 16.4 Veyron. Überzeugt hat das Konzept unter anderem Lamborghini, für deren Supersportwagen HS Genion die aerodynamisch notwendigen Verstellflächen entwickelte. Auch die hochmotorisierte Version (150 PS) des VW New Beetle trägt Flügel aus München.

Nun will Rösch seine Kunden vom Heckspoiler mit Seilzugantrieb überzeugen. Was bei Fensterhebern funktioniert und auf Grund der leichten und günstigen Bauweise heute Stand der Technik ist, kann für die Bewegung von Spoilern nicht verkehrt sein, dachten die Ingenieure bei HS Genion und starteten ein Eigenentwicklungsprojekt. Weniger Bauteile machen das System nicht nur leichter, sondern auch um rund 30 Prozent günstiger.

Geht es nach Rösch, sollen aus den 22 Millionen Euro Umsatz in 2006 bis in sieben Jahren rund 100 Millionen Euro werden. Etwa ein Viertel davon sollen Entwicklungsleistungen bringen. Rückendeckung für die Pläne durch den Webasto-Konzern gebe es bereits, sagt Rösch. Und obgleich HS Genion auf das Premiumsegment setzt, werde das Unternehmen dabei auf automobile Auftraggeber aus Asien, China und Russland nicht verzichten können.

Bernhard Rose

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