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Motorsport Engineering Formel 1 plant Neustart mit mindestens 15 Saisonrennen

Autor / Redakteur: dpa / Jens Scheiner

Die von der Corona-Pandemie ausgebremste Formel 1 hat einen ersten neuen Rennplan skizziert, der im Idealfall 15 bis 18 Grands Prix umfassen soll. Gestartet werden soll im Juli - ohne Zuschauer.

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Die Formel 1 könnte im Juli die Saison wieder fortsetzen, aber vorerst ohne Zuschauer.
Die Formel 1 könnte im Juli die Saison wieder fortsetzen, aber vorerst ohne Zuschauer.
(Bild: Daimler)

Die Formel 1 hat einen Not-Kalender veröffentlicht, bei dem die ersten Läufe im Juli und August ohne Zuschauer in Europa stattfinden sollen. Von September an werde es auch Rennen auf anderen Kontinenten geben, hieß es. Ein endgültiger Kalender solle sobald wie möglich veröffentlicht werden. Das Saisonfinale in Abu Dhabi werde von Ende November in den Dezember verlegt. „Alle unsere Pläne können sich offensichtlich ändern, da wir viele Probleme zu lösen haben“, sagte Formel-1-Chef Chase Carey und betonte: „Wir alle möchten, dass die Welt zu der zurückkehrt, die wir kennen und schätzen.“

Wie schwer das in den nächsten Wochen werden könnte, wurde aber auch deutlich. Denn die Veranstalter des Großen Preis von Frankreich in Le Castellet mussten ihren WM-Lauf für dieses Jahr absagen. Die gesetzlichen Regelungen machen es unmöglich, dass das Event in Südfrankreich durchgeführt werden kann. Der Grand Prix war bislang für den 28. Juni vorgesehen. Zuvor wurde bereits der Große Preis von Monaco abgesagt, acht weitere Rennen mussten auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Unklar blieb vorerst, welche Rennen im neuen Plan neu terminiert werden oder doch noch ausfallen müssen.

Erst Spielberg, dann Silverstone

Im Not-Kalender könnten Spekulationen zufolge sogar die ersten beiden Saisonläufe als Geisterrennen auf dem Red-Bull-Ring in Spielberg stattfinden. „Wir sind voller Hoffnung und es wäre ein großartiger Start für die Meisterschaft, falls dies als sicher erachtet wird. Ich weiß, dass Red Bull alles tut, um das Rennen zu ermöglichen“, hatte Red-Bull-Teamchef Christian Horner zu den Österreich-Plänen gesagt.

Laut Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko prüfe die Formel 1 gemeinsam mit den Veranstaltern in der Steiermark, „wie man die Anzahl der Personen einschränken kann, dass nicht der komplette Tross, dann wären es mehrere Tausend Leute, anreisen muss“. Die Teammitglieder könnten über Charter-Flieger direkt in Zeltweg nahe des Kurses landen. Österreichs Sportminister und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) hatte schon gesagt, dass die Regierung einem Geisterrennen „zumindest nicht im Wege stehe“.

Im Anschluss an das Gastspiel in den Alpen könnten zwei Rennen in Silverstone folgen. Die Betreiber informierten die Ticket-Inhaber am Montag, dass es beim Heimspiel von Mercedes-Star Hamilton 2020 kein Rennen mit Zuschauern geben werde. „Ich bin extrem enttäuscht, dass ich sagen muss, dass es für uns unmöglich ist, den diesjährigen Grand Prix vor Fans in Silverstone durchzuführen“, schrieb Streckenchef Stuart Pringle. Man habe sich diese Entscheidung so lange wie möglich offen gehalten, müsse diesen Schritt aber nun gehen.

Teams auf TV-Gelder angewiesen

Der zunächst fragile Kalender ist auch ein Versuch, die Schäden in einer fast nicht planbaren Zeit durch die Corona-Krise noch möglichst gering zu halten. Gerade die kleineren Teams haben schon jetzt große Probleme und könnten ohne Renngeschehen im schlimmsten Fall einen finanziellen Totalschaden erleiden. Sollte gefahren werden- egal ob mit oder ohne Zuschauern, fließen zumindest die vereinbarten TV-Gelder und Sponsoren leisten einen Teil ihrer Zahlungen. Laut des britischen Senders BBC müssten bei mindestens 16 Rennen die vollen TV-Gelder gezahlt werden. Auch deswegen wird versucht, möglichst viele Rennen in kurzer Zeit noch in dieses Jahr zu pressen.

Fraglich bleibt, ob das alles so durchführbar sein wird. Es gehe auch um die Einreise und die Arbeitsbedingungen der Teams in den jeweiligen Ländern, betonte Carey in seinem Statement. Die Gesundheit und die Sicherheit aller Beteiligten stehe weiter im Vordergrund.

Einen Weltmeister könnte es laut den Statuten schon geben, wenn acht Rennen auf drei Kontinenten absolviert werden. Der 34 Jahre alte Hamilton kann seinen siebten Titel gewinnen und so mit Rekordweltmeister Michael Schumacher gleichziehen. „Für Lewis dürfte es wohl keinen großen Unterschied machen, ob die WM nur über acht Läufe geht. Er würde ohnehin gewinnen, egal, ob es acht, 16 oder 20 Rennen sind", sagte Ex-Formel-1-Boss Bernie Ecclestone der BBC. Der 89-Jährige ist der prominenteste Befürworter eines sofortigen Saison-Abbruchs und geregelten Neustarts erst im Jahr 2021. Die Bosse um Carey wollen dieses Szenario unbedingt verhindern.

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