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MPDV Microlab Forum Effektive Fabrik 2014: Rückblick

| Autor / Redakteur: Nadja Neubig / Thomas Günnel

Industrie 4.0 wird oft als rein technologische Revolution gesehen. Beim 6. Forum Effektive Fabrik der MPDV Microlab am 24. September blickten Experten aus Wissenschaft und Industrie über diesen Ansatz hinaus.

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Beim 6. Forum Effektive Fabrik der MPDV Microlab am 24. September diskutierten Experten aus Wissenschaft und Industrie das Thema Industrie 4.0.
Beim 6. Forum Effektive Fabrik der MPDV Microlab am 24. September diskutierten Experten aus Wissenschaft und Industrie das Thema Industrie 4.0.
(Foto: MPDV Microlab )

Das Forum richtete sich an die Entscheider der deutschen Fertigungsindustrie und war eine Kombination aus Fachvorträgen, praxisnahen Anwenderberichten und persönlichem Erfahrungsaustausch. Keynote-Sprecher Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker eröffnet das Forum mit seinem Vortrag zum Thema Prozess- und Ressourceneffizienz. Er konzentriert sich dabei auf den effizienten Einsatz von materiellen und energetischen Ressourcen. Basierend auf der Vermutung, dass dem Thema Ressourceneffizienz aktuell noch nicht die Bedeutung zugemessen wird, die in Zukunft nötig sein wird, warb er für mehr Sensibilität und Nachhaltigkeit.

Preise an der Effizienz bemessen

Die Gefahr, dass mehr Effizienz zu mehr Nutzung und somit in Summe nicht zu weniger Verbrauch führt, erklärte von Weizsäcker anhand des Rebound-Effekts. Um diesem Effekt entgegenzuwirken schlug er vor, die Preise für bestimmte Ressourcen, etwa Energie, an die Effizienz deren Nutzung zu koppeln – mehr Effizienz = höhere Preise. Somit wären die Verbraucher gezwungen, sowohl die Effizienz zu steigern als auch technologisch dafür zu sorgen, in Summe eher weniger als mehr dieser Ressource zu verbrauchen. Am Beispiel von Japan zeigte er auf, dass hohe Energiepreise keineswegs wettbewerbsschädlich sein müssen, sondern vielmehr zu einer enormen technologischen Entwicklung führen können.

Lean Methoden und Fertigungs-IT

Ressourceneffizienz ist aber nicht nur global von großer Bedeutung. Vielmehr beginnt alles „im Kleinen“ – in jedem einzelnen Unternehmen. Basierend darauf zeigte Jochen Schumacher, Director MPDV Campus, auf, was Unternehmen durch den Einsatz von Lean Methoden und moderner Fertigungs-IT tun können, um schrittweise die Produktion zu optimieren. Erste Verbesserungen lassen sich laut Schumacher zum Beispiel durch schlanke Produktionsabläufe erreichen. Hierbei geht es – angelehnt an das Toyota-Produktionssystem von Taijhi Ohno – um die Reduzierung von Verschwendungen. Einfach umzusetzende Methoden wie 5S (Sauberkeit am Arbeitsplatz) oder Rüstzeitoptimierung nach SMED (Single Minute Exchange of Die, dt. Werkzeugwechsel im einstelligen Minutenbereich) spielten dabei ebenso eine Rolle wie organisatorische Änderungen – etwa die Einführung eines Kanban-Systems. Ein weiterer Aspekt sei die Verschlankung der Planungsabläufe.

Nutzerbericht der Gerhardi Kunststofftechnik

Thomas Dinter, Geschäftsführer der Gerhardi Gruppe, berichtete über die Einführung und Nutzung der MES-Lösung Hydra von MPDV bei Gerhardi Kunststofftechnik. Seit mehr als zehn Jahren hat das Unternehmen an zwei Standorten das System im Einsatz und entwickelt dieses kontinuierlich weiter. Was zunächst mit der einfachen Erfassung von Auftrags- und Maschinendaten begann entwickelte sich über die Jahre zu einem integrierten System, das heute neben der Produktion auch die Personalzeiterfassung, die Zutrittskontrolle, die Werkzeugverwaltung und sogar ein Logistikkonzept umfasst. Auf dem Weg zur effizienten Fertigung stellte Gerhardi die Verteilung von Produktionsdokumenten auf die Anzeige am BDE-Terminal um und führte eine aussagekräftige Ausschussstatistik ein. Insgesamt nutzen rund 1.000 Fertigungsmitarbeiter knapp 170 Terminals, um Aufträge zu melden und Maschinen zu überwachen. Zudem unterstützen weniger als 100 lokale Drucker die Reduzierung des Papieraufkommens in der Fertigung. Die ehemals „blinde Produktion“ ist durch den Einsatz von Hydra laut Dinter transparenter und reaktionsschneller geworden.

Vom Hype zur Realität

Mit dem Blick von der Gegenwart in die Zukunft gerichtet versuchte Rainer Deisenroth, Vice President Sales/Marketing bei MPDV, das, was hinter dem Begriff „Industrie 4.0“ steht, greifbarer zu machen. Als Handlungsempfehlung gab er den Teilnehmern mit, sich mit MES zu beschäftigen, Insellösungen zu eliminieren, ihre Fertigungsprozesse zu verschlanken und sich bei der Umsetzung von IT-Lösungen an den gängigen Industriestandards wie VDI 5600 oder VDMA-Einheitsblatt 66412 zu orientieren. Als Kernaussage betonte er, erst die IT-Anwendungen zu definieren und im zweiten Schritt über die nötige Infrastruktur nachzudenken. Damit könne Industrie 4.0 nachhaltig vom Hype zur Realität werden.

Das Forum Effektive Fabrik

Das Forum Effektive Fabrik der MPDV fand bereits zum sechsten Mal in der Stadthalle Hockenheim statt. 345 Geschäftsführer und Entscheider namhafter Produktionsunternehmen nahmen an der Veranstaltung teil. Abseits der Vorträge ist das Forum laut MPDV ein Branchentreff für deutsche Fertigungsunternehmen.

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