Cyber-Security Gefahren der Vernetzung im Fahrzeug

Autor / Redakteur: sp-x / Marie-Madeleine Aust

Autos sind immer stärker vernetzt – und immer verwundbarer gegen Cyber-Angriffe. Noch ist das Risiko gering, Opfer einer Attacke zu werden. Aber das dürfte nicht so bleiben.

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Mehr Vernetzung im Auto bedeutet auch mehr Möglichkeiten für Hacker, auf die Systeme in Fahrzeugen zuzugreifen.
Mehr Vernetzung im Auto bedeutet auch mehr Möglichkeiten für Hacker, auf die Systeme in Fahrzeugen zuzugreifen.
(Bild: Continental)

Digitale Angriffe auf Autos lösen zurzeit eher Erstaunen als Schrecken aus. Etwa, wenn Forscher es schaffen, einen Tesla ferngesteuert zum Stehen zu bringen oder das Kamerasystem eines Robo-Auto-Prototypen mit manipulierten Straßenschildern so zu verwirren, dass das Fahrzeug komplett die Orientierung verliert. Bislang gibt es jedoch nur wenige hochvernetzte Autos, Hacker benötigen tiefgehendes Spezialwissen und die kriminellen Geschäftsmodelle fehlen.

Berüchtigt: Funksignale von Autoschlüsseln abfangen

Die Zahl der kriminellen Anwendungsfälle ist aktuell noch entsprechend klein. Berüchtigt ist vor allem das sogenannte Jamming, bei dem die Funksignale von Autoschlüsseln abgefangen werden, um das Fahrzeug unbefugt öffnen und stehlen zu können. Die nötige Technik ist simpel, Anleitungen gibt es im Darknet, die Teile in jedem Baumarkt. Bei Lkw ist zudem das Manipulieren der digitalen Telematik-Dienste beliebt, um die Fahrzeuge zu finden und über Nacht zu leeren.

Darüber hinaus sind digitale Angriffe auf Autos jedoch schwierig. Vor allem, weil die Attacke physisch über die USB- und OBD-Ports im Cockpit erfolgen müsste. Doch der Einbruch in ein Fahrzeug ist riskant und aufwendig – und als kriminelles Geschäftsmodell skaliert das nicht.

Interessanter ist der Angriff aus der Ferne, möglichst auf mehrere Fahrzeuge gleichzeitig. Und das wird künftig einfacher: Denn immer mehr Neuwagen verfügen über Vernetzungs-Technik – sie kommunizieren per WLan oder Mobilfunk ständig mit der Cloud des Herstellers, mit anderen Fahrzeugen und bald auch mit Ampeln oder Verkehrsschildern. Der Angriffspunkt verschiebt sich daher vom Fahrzeug selbst auf die Ebene der Kommunikation. Rund 125 Millionen vernetzte Pkw werden weltweit zwischen 2018 und 2022 verkauft, schätzen Experten. Mehr als genug Ziele also.

Schwachstellen einfacher zu finden

Gleichzeitig entwickelt sich die Technik der Kriminellen weiter. Wo es heute noch häufig Spezialwissen braucht, reicht künftig simples technisches Verständnis, denn die Soft- und Hardware für Angriffe lässt sich zunehmend einfach im Darknet bestellen. Am selben Ort finden sich auch Informationen zu typischen Sicherheitslücken verschiedener Fahrzeuge.

Die Sicherheitsexperten von Trend Micro zumindest beobachten diese Entwicklung bereits. „Die Entdeckung von Sicherheitslücken und Schwachstellen ist einfacher geworden, da viele der Angriffe von der Theorie in die Praxis übertragen worden sind und dann als Waffe eingesetzt und zum Kauf angeboten werden“, heißt es im aktuellen Whitepaper Connected Cars.

Bei potenziellen Opfern und Werkzeugen können Kriminelle also aus den Vollen schöpfen. Und bei der Ausgestaltung der kriminellen Machenschaften setzt nur die Kreativität Grenzen. Das Spektrum reicht vom bewussten Umlenken eines Autos in eine dunkle Gasse bis zum Stilllegen der Verkehrssysteme ganzer Innenstädte. In erstem Fall könnten Brieftasche und Uhr zur Beute werden, im zweiten macht ein aus der Stadtkasse erpresstes Lösegeld den Hack attraktiv.

Ähnliche ließe sich Geld verdienen mit Serverzugriff beim Hersteller und dem Diebstahl von Kundendaten. Aber auch kleinere Betrügereien sind möglich: Wer es schafft, die wahre elektronische Identität seines Fahrzeugs zu verschleiern, kann etwa die automatisierten Bezahlsysteme von Tankstellen, Ladesäulen oder Parkhäusern austricksen.

UN-Verordnung führt Schwachstellen auf

Die Vereinten Nationen haben bereits auf die neuen Gefahren reagiert. Eine Verordnung des Weltforums für Harmonisierung führt sieben übergeordnete und 30 untergeordnete Beschreibungen von Schwachstellen und Bedrohungen durch Cyber-Angriffe auf, an denen die Autohersteller ihre Gegenmaßnahmen ausrichten können.

Auch Trend Micro hat Empfehlungen. Abgesichert werden müssen demnach vor allem die Back-End-Server der Autohersteller, die ansonsten für Angriffe auf Fahrzeuge oder zur Datenextraktion eingesetzt werden könnten. Zudem müssten Autos gegen sogenannte DoS-Angriffe geschützt werden, bei denen diese über ihre Kommunikationskanäle mit derart vielen Anfragen und Informationen bombardiert werden, dass die Rechenleistung zusammenbricht – eine Attacke, die auch aus dem traditionellen Internet bekannt ist. Zu guter Letzt ist in den Augen der Experten die Absicherung gegen Angriffe über Drittanbieter-Software nötig. Das sind zum Beispiel Apps für das Infotainmentsystem.

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