Brennstoffzelle Gefahren: Hyundai ix35 FCEV

Redakteur: Andreas Wehner

Er hat ein eigenes kleines Kraftwerk unter der Haube: Der Hyundai ix35 ist nun auch in Deutschland mit Brennstoffzellen-Antrieb erhältlich – jedoch zunächst nur für Großkunden, Verbände und Behörden.

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Der ix35 FCEV stößt nur Wasserdampf aus.
Der ix35 FCEV stößt nur Wasserdampf aus.
(Foto: Hyundai)

Bei Hyundai hat die Zukunft begonnen. Das erste in Serie produzierte Brennstoffzellen-Auto ist jetzt auch in Deutschland erhältlich – jedoch nicht für Privatpersonen. Der Importeur hat die Vermarktung des mit Wasserstoff betriebenen Hyundai ix35 FCEV an Fuhrparks, Großkunden, Verbände und Behörden gestartet. Konkrete Abschlüsse gibt es allerdings noch nicht. „Wir haben einige Anfragen und werden 2014 die ersten Autos auf die deutschen Straßen bringen“, sagte der Geschäftsführer von Hyundai Motor Deutschland, Markus Schrick, während einer Presseveranstaltung.

Für den Kauf zu teuer

Dabei wird der ix35 FCEV ausschließlich verleast – für maximal vier Jahre. Aufgrund der aufwändigen Technik wären die Fahrzeuge für einen Kauf zu teuer. Was die Kunden letztendlich bezahlen müssen, wollen die Hyundai-Verantwortlichen jedoch nicht beziffern. „Das hängt vom jeweiligen Einzelfall ab“, erläutert Schrick. Mit Stolz hat der koreanische Hersteller zum Jahresanfang den Start der ersten Serienproduktion eines Brennstoffzellen-Autos vermeldet. Serie bedeutet dabei jedoch nicht große Stückzahlen. Auch werden die Autos nicht in der regulären ix35-Produktion gefertigt, sondern in Handarbeit im koreanischen Werk in Ulsan mit der Zukunftstechnik ausgestattet.

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Bis zum Jahr 2015 rund 1.000 Fahrzeuge geplant

Einer früheren Konzern-Mitteilung zufolge sollen bis 2015 rund 1.000 ix35 FCEV entstehen. Diese Zahl wollten die Verantwortlichen von Hyundai Motor Deutschland inzwischen nicht mehr bestätigen „Die Fahrzeuge werden produziert und kommen in den Markt, wie sie nachgefragt werden“, sagte Schrick. Die ersten Modelle sind bereits in Kopenhagen, Brüssel und London unterwegs. Ab 2015 planen die Koreaner eine Erweiterung der Serienproduktion – auch weil der Autobauer damit rechnet, dass dann die Infrastruktur bereits deutlich besser sein wird. In Deutschland gibt es derzeit nur sieben öffentlich zugängliche Wasserstofftankstellen.

Voll alltagstauglich

Abgesehen davon ist der ix35 FCEV voll alltagstauglich. Die Wasserstofftanks haben die Entwickler im hinteren Teil des Fahrzeugs untergebracht. Dabei müssen die Kunden kaum Platzeinbußen hinnehmen. Lediglich der Gepäckraum schrumpfte um 15 Liter im Vergleich zum regulären ix35. Die Tanks sind insgesamt 144 Liter groß, was einem Fassungsvermögen von 5,64 Kilogramm Wasserstoff bei einem Druck von 700 Bar entspricht. Die Brennstoffzelle ist vorn im Boden des Fahrzeugs verbaut.

Aus dem Auspuff nichts als Wasserdampf

Der Wasserstoff fließt aus dem Tank in den Brennstoffzellenblock und wird dort in Protonen und Elektronen zerlegt. Gleichzeitig wird Umgebungsluft eingeblasen. Der Elektronenfluss, der in der Brennstoffzelle entsteht, liefert Energie in Form von elektrischem Strom, während die Protonen mit Sauerstoffmolekülen aus der Luft reagieren und dabei Hitze und Wasser erzeugen. Aus dem Auspuff des ix35 FCEV kommt also nichts als Wasserdampf. Die Energie wird über einen Inverter zum Antrieb des Elektromotors nutzbar gemacht, der sich anstelle eines Verbrennungsaggregats unter der Motorhaube befindet.

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Batterie überbrückt Reaktionszeit der Brennstoffzelle

Da die Brennstoffzelle eine Weile braucht, bis sie anspricht, ist zusätzlich eine Batterie verbaut, die die nötige Energie beim Anfahren liefert und als zusätzlicher Booster fungiert. Ohne Batterie würde es aus dem Stand heraus etwa eine Sekunde dauern, bis das Fahrzeug auf die Betätigung des Gaspedals reagiert. Ihre volle Leistung liefert die Brennstoffzelle nach zwei bis drei Sekunden. Die Batterie wird bei Bedarf von der Brennstoffzelle geladen, vor allem wenn das Fahrzeug zum Stehen kommt. Dann brennt die Zelle noch eine Weile nach und die dabei entstehende Energie fließt direkt in die Batterie. Zudem fungiert der Elektromotor beim Bremsen als Generator, der den Stromspeicher zusätzlich lädt – wie auch bei Hybridfahrzeugen.

Systemleistung 124 kW/166 PS

Die maximale Leistung des Systems beträgt 124 kW/166 PS. Dabei stammen 100 kW/136 PS aus der Brennstoffzelle, den Rest liefert die Batterie. Vom Fahrgefühl her ist der ix35 FCEV mit herkömmlichen Elektroautos zu vergleichen. Mit vom Start weg verfügbaren 300 Nm Drehmoment sprintet das SUV flott los. Dank des einstufigen Automatikgetriebes beschleunigt das Auto gleichzeitig deutlich harmonischer, als man es von Autos mit Verbrennungsmotor gewohnt ist. Man spürt jedoch vor allem beim Bremsen das höhere Gewicht des Fahrzeugs im Vergleich zum regulären ix35. Mit 1.830 Kilogramm ist das Brennstoffzellenmodell etwa 300 Kilogramm schwerer als die Variante mit Verbrennungsmotor. Daher haben die Entwickler auch das Fahrwerk modifiziert und die Höchstgeschwindigkeit auf 160 km/h begrenzt.

5,64 Kilogramm Wasserstoff für 100 Kilometer

Die Vorteile des Wasserstoffantriebs im Vergleich zu batterieelektrisch angetriebenen Fahrzeugen liegen auf der Hand: Der Hyundai ix35 FCEV verbraucht etwa 950 Gramm Wasserstoff auf 100 Kilometer. Somit reichen die 5,64 Kilogramm, die das Fahrzeug aufnehmen kann, laut Datenblatt für 594 Kilometer. Der Tankvorgang dauert nach Angaben von Hyundai etwa drei Minuten, also nicht wesentlich länger als das Betanken eines Benzin- oder Dieselautos. Elektroautos müssen derzeit mindestens eine halbe Stunde an die Steckdose.

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