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Geheime Ford-GT-Schmiede

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Klassensieg bei LeMans im Blick

Die große Frage nach dem „Warum wurde hier unten im Keller, in einem so langweiligen Bereich des Hauses, ein Raum mit solch simplen Schließmechanismen zur Schaffung solch eines Prestigeobjektes gewählt?“, beantwortet Ford US-Design-Chef Chris Svensson: „Das ganze Projekt sollte so unauffällig wie nur möglich parallel zu allen anderen Projekten stattfinden.“ Lediglich zwölf Personen hätten Zugang zu diesem Raum. Ford ließ die modernen Elektronikschlösser gegen konservative Schlüssel-Schlösser auszutauschen, weil das dem Hersteller sicherer erschien. Neben Designchef Moray Callum besitzt Entwicklungschef Raj Nair noch einen Schlüssel – das war es. „Will irgendjemand anders in diesen Raum, muss er solange warten, bis die Chefs da sind. Nahezu niemand ahnte, was hier unten entsteht“, sagt Svensson.

Das Ziel des geheimen Dutzends war von Anfang an klar gesteckt: „Wir wollten keinen Ferrari oder Lamborghini nachbauen. Wir wollten unser eigenes Ding durchziehen. Dieser GT im Rennwagentrimm soll nichts weniger als den Klassensieg bei den diesjährigen 24 Stunden von LeMans gewinnen.“ Dieses Vorhaben ist nicht aus der Luft gegriffen: Vor genau 50 Jahren sorgte Ford mit dem GT Mk2 und den Fahrern Bruce McLaren und Chris Amon für den Gesamtsieg. Die Plätze zwei und drei gingen damals ebenfalls an Ford GT Mk2-Fahrzeuge.

Ford GT: Der geheimste Raum

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Um den angepeilten Erfolg zu realisieren, legten die Ingenieure den Fokus bei der Entwicklung auf die Aerodynamik. Der Motor kam erst an zweiter Stelle. Unter der Haube arbeitet ein 3,5-Liter V6. Chef-Entwickler Jamal Hameedi erklärt: „Wenn andere Jungs zwei weitere Zylinder mit sich herumschleppen wollen, bitteschön. Wir erreichen unsere erzielten 500+X PS auch mit einem Sechszylinder-Aggregat.“ Dass es am Ende bei der Straßenversion sogar 600+X PS sein werden, gilt mittlerweile als offenes Geheimnis.

Alles eine Nummer größer

Fast noch faszinierender als der kompakte Motor im von tiefen Luftdurchlass-Schluchten bestimmten und per Knopfdruck fünf Zentimeter herunterfahrbaren Aluminiumkleid geht es im Inneren des Ford GT zu. Die Magie dieser Traumfabrik im Keller eines öden Forschungszentrums wird beim genauen Vermessen erst so richtig greifbar. Beginnend beim 35 Zentimeter breiten Lenkrad, das sowohl an der Ober- als auch an der Unterseite abgeflacht ist, über den 6,5 Zoll großen Infotainment-Bildschirm in der Mittelkonsole bis hin zum Rückspiegel, wirkt hier alles mindestens eine Nummer größer.

Interieur-Design-Chef Amko Leenarts hatte bei seinem neuen Prestige-Projekt mit einigen Problemen zu kämpfen: „Wir konnten nicht einmal den Spiegel aus einem Fiesta nehmen, da dieser zu viel Sicht rauben würde.“ Die Sitze seien festmontiert, um ein paar Zentimeter an Kopffreiheit zu gewinnen, Pedale und das Lenkrad bis zu 20 Zentimeter herausfahrbar. „Die beiden Insassen sitzen so nah beieinander, dass sich fast ihre Schultern berühren, beziehungsweise der Fahrer locker die Beifahrertür aufmachen kann“, sagt Leenarts. „Für den Beifahrer haben wir anstelle des Handschuhfachs auf Wunsch eine offene Box in den Fußraum gepackt, wo er zum einen Halt findet und zum anderen ein paar Kleinigkeiten hineinpacken kann.“ Kleinigkeiten, wie die Urkunde zum LeMans-Sieg? Denn für einen Pokal ist kein Platz mehr.

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