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VDI-Elektronikkongress Gemeinsam statt einsam

| Redakteur: Jens Badstübner

Das Thema schleppen wir schon ewig mit uns rum“, kritisierte Dr. Günter Reichart auf dem VDI-Elektronikkongress in Baden-Baden. Der Leiter der E/E-Strategie, Systemdefinition und

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Das Thema schleppen wir schon ewig mit uns rum“, kritisierte Dr. Günter Reichart auf dem VDI-Elektronikkongress in Baden-Baden. Der Leiter der E/E-Strategie, Systemdefinition und Verifikation in der BMW Group, nahm damit die mangelnde Standardisierung aufs Korn. Doch jetzt will die Branche Nägel mit Köpfen machen. So ersetzen im für Herbst 2008 lancierten BMW 7er (Baureihe F01) zwei hochintegrierte Steuergeräte die vier Steuergeräte des Vorgängermodells E38, je eins im Hinterwagen und eins im Vorderwagen. Einsparung: ein zweistelliger Eurobetrag und etwa ein Kilogramm weniger Gewicht.

Weiterer Vorteil: Da BMW einen Teil der Steuergeräte auf Basis von Autosar (AUTomotive Open System ARchitecture) entwickelt hatte, lassen sich laut Reichart bis zu 60 Prozent der Softwaremodule auf die zwei neuen Steuergeräte eins zu eins übertragen.

Damit ist ein wichtiges Ziel der Autosarinitiative erreicht: Austauschbare Software-Komponenten durch die Definition einer Basis-Software und der Kommunikationsschicht (RTE in der Grafik oben). Das für Ende 2007 angekündigte Autosar-Release 3.0 soll den Standardcore so definieren, dass Teile der Basissoftware im Mikroprozessor ablaufen.

Damit schlagen die OEM zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen verringert die Integration die Entwicklungskosten für Steuergeräte, da man die Standardsoftware nicht mehr an neue Mikroprozessorlösungen anpassen muss. Zum anderen zwingen die OEM die Halbleiterhersteller, „automobile“ Mikroprozessoren zu entwickeln.

Es gab auch Kritik in Baden-Baden: So bemängelten die OEM, dass die Lieferanten die Standardisierung untergraben, wenn sie lokal entwickelte Werkzeuge einsetzen, um den virtuellen Funktionsbus oder die Kommunikationsschicht toolgestützt zu erzeugen.

„Standards schaffen und umsetzen“, forderten viele in ihren Vorträgen. So auch Dr. Patrick Popp von General Motors, der mit plattformunabhängigen E-/E-Architekturen die Komplexität in den Griff bekommen will. 2005 hatte GM noch 25 unterschiedliche Elektronik-Architekturen, 2006 waren es nur sechs und der weltgrößte Autobauer will die Zahl weiter reduzieren.

Audi, BMW, Daimler und VW haben sich zudem Mitte Mai 2007 in der CE4A-Arbeitsgruppe unter dem Dach des VDA zusammengeschlossen (Grafik unten). CE4A steht für „Consumer Electronics for Automotive“ und soll die Anbindung von mobilen Endgeräten erleichtern. Die OEM wollen keine eigenen automotive Schnittstellen entwickeln, sondern geschlossen gegenüber der CE-Industrie agieren und in Standardisierungsgremien mitarbeiten.

Meilenstein der Zusammenarbeit soll laut Daniel Weyl von der BMW Group eine Ende 2008 angestrebte Referenzplattform sein, in welche die CE-Industrie ihre Elektronikbauteile implementieren soll. Ziel ist eine verkürzte Entwicklungs- und Testphase und damit ein schnelleres „time-to-market“. Ob dieser Ansatz funktioniert, hängt laut Weyl allerdings stark von der Akzeptanz innerhalb der CE-Gerätehersteller ab. Die ersten Ansätze seien jedoch vielversprechend.

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