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Conti „Globale Champions-League“

| Redakteur: Bernd Otterbach

Die Continental AG will stärker vom Boom der Automärkte in Asien profitieren und ihr Geschäft dort massiv ausbauen.

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Bis zum Jahr 2015 soll der Anteil des Asiengeschäfts am Gesamtumsatz von derzeit acht auf 20 bis 25 Prozent erhöht werden.

Dabei gehe es um profitables Wachstum, sagte Vorstandschef Manfred Wennemer am Freitag bei der Hauptversammlung in Hannover. „Wir halten nichts davon, uns in Wachstum einzukaufen - zum Preis dauerhaft unbefriedigender Margen oder gar roter Zahlen.“

„Neue Ära“ für Conti

Wennemer bekräftigte, Conti wolle im laufenden Jahr erneut Bestwerte bei Umsatz und Ergebnis erzielen. Nach dem Kauf der früheren Siemens-Sparte VDO für rund 11,4 Milliarden Euro sprach er von einer „neuen Ära“. Conti habe sich endgültig in der „globalen Champions-League“ der Branche etabliert und seine Position in entscheidenden Zukunftsfeldern wie Sicherheit oder Informationstechnologien im und rund ums Auto ausgebaut.

VDO auf Rendite trimmen

Conti will VDO zügig integrieren und auf Rendite trimmen. Dabei sollen mehrere tausend Stellen weltweit gestrichen und Teile der Produktion in Niedriglohnländer verlagert werden. Probleme bereitet vor allem die auf Antriebssysteme spezialisierte neue Sparte Powertrain, in der große Teile von VDO aufgegangen sind. Die Sparte soll restrukturiert werden. Wennemer sagte, Ziel sei, bei Qualität und Profitabilität in allen Geschäftsfeldern zu den weltweit besten Anbietern zu zählen.

Kritik an Wetzlar-Schließung

Aktionäre kritisierten die geplante Schließung des Produktionsbereichs am früheren VDO-Standort Wetzlar. Die Entscheidung sei wirtschaftlich nicht nachvollziehbar, Wennemer habe keine soziale Verantwortung. Der Conti-Chef wies die Kritik zurück. Der Grund für die Schließung seien fehlende Folgeaufträge. Conti werde nun aber nicht Produktion aus Niedrigkostenländern nach Deutschland verlagern.

Mexikanische Gewerkschafter kritisierten das Vorgehen der Conti-Führung im dortigen Reifenwerk. Dazu sagte Wennemer, das Werk mit rund 1200 Beschäftigten sei derzeit nicht konkurrenzfähig, die Kosten müssten runter. Die Gewerkschaften müssten sich bewegen. „Die Zeit läuft aus.“

Geschäft jenseits des Autos stärken

Um nach dem VDO-Kauf künftig nicht zu sehr von der schwankenden Konjunktur in der Automobilindustrie abhängig zu sein, will Conti das Geschäft in anderen Industriebereichen ausbauen. Dazu seien „mittel- und langfristig“ auch Zukäufe geplant, etwa für die Sparte ContiTech. Das Unternehmen fertigt zum Beispiel Schläuche, Antriebsriemen, Transportbänder und Luftfederungen. Aktuell gebe es aber keine „konkreten größeren Pläne“, der Schuldenabbau habe absolute Priorität. Conti hatte sich für den VDO-Kauf hoch verschuldet.

US-Markt besser als erwartet

Mit dem Pkw-Reifengeschäft in Nordamerika im ersten Quartal zeigte sich Conti zufrieden. „Das Geschäft läuft gut“, sagte Finanz- und Pkw-Reifen-Vorstand Alan Hippe. Insgesamt habe der US-Markt weniger gelitten als vom Konzern bisher befürchtet. Der US-Markt entwickle sich zwar nicht erfreulich, sei aber robuster als von Conti wegen der Finanzkrise befürchtet. Zudem gebe es bereits Anzeichen für eine Erholung. Conti hatte 2007 in den USA erstmals seit zehn Jahren wieder schwarze Zahlen geschrieben.

Zugleich deutet Hippe eine Erhöhung der Reifenpreise an. Wegen der steigenden Rohstoffpreise für Öl und Kautschuk sei nicht auszuschließen, dass Conti die höheren Kosten im Laufe des Jahres an seine Kunden weitergeben müsse.

Finanzvorstand ohne Hetze suchen

Bei der Suche nach einem neuen Finanzvorstand zieht Conti interne wie externe Bewerber in Betracht. „Wir wollen das so bald wie möglich erledigen, aber ohne Hetze“, sagte Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg auf der Hauptversammlung. Qualität gehe vor Schnelligkeit. Zunächst werde der bisherige Finanzvorstand Alan Hippe das Ressort weiter führen. Am 1. April hatte Hippe die Führung der Pkw-Reifendivision des Konzerns übernommen. Die Doppelbelastung Hippes sei nicht erfreulich, sagte von Grünberg. „Es ist im Moment nicht zu ändern.“

dpa

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