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Wirtschaft Heil kritisiert „radikalen“ Jobabbau bei Continental

| Autor / Redakteur: dpa / Jens Scheiner

Der erweiterte Stellenabbau des Zulieferers stößt bei Bundesarbeitsminister Hubertus Heil auf Unverständnis. Die Coronakrise dürfe kein Vorwand sein.

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Der Zulieferer Continental will 30.000 Stellen „verändern“ – das bedeutet: Umschulungen, Entlassungen oder Verlagerung der Jobs.
Der Zulieferer Continental will 30.000 Stellen „verändern“ – das bedeutet: Umschulungen, Entlassungen oder Verlagerung der Jobs.
(Bild: Continental)

Mit Blick auf das Ende der Reifenproduktion des Dax-Konzerns in Aachen bis Ende 2021 sagte der SPD-Politiker der „Rheinischen Post“ (19. September): „Es ist ohne Frage so, dass die Automobilbranche von der Coronakrise hart getroffen ist und zusätzlich in einem Transformationsprozess steckt. Trotzdem habe ich kein Verständnis für ein radikales Jobabbau-Programm in diesem Bereich.“ Das betreffe auch den Conti-Standort Aachen, „der ja schwarze Zahlen geschrieben hat“.

Ich erwarte jetzt, dass man nicht im Windschatten der Krise Entscheidungen trifft, die man möglicherweise vorher schon erwogen hat.

Stellenabbau in Hannover

Weitere Politiker und auch Gewerkschafter hatten sich bereits sehr kritisch zu dem Vorhaben geäußert. Am Stammsitz in Hannover, wo derzeit vor allem noch Forschung betrieben wird, will das Unternehmen nun ebenfalls Stellen streichen. Hier sind es nach Angaben eines Firmensprechers weitere 150 Arbeitsplätze, wie die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ berichtete – betroffen sein soll der Geschäftsbereich, der Maschinen für die Reifenfertigung herstellt.

Conti will 30.000 Stellen „verändern“

Unter dem Druck des Strukturwandels in der Autoindustrie und der Corona-Absatzkrise will Continental weltweit 30.000 Stellen „verändern“, davon 13.000 in Deutschland. Dazu gehören neben Umschulungen von Mitarbeitern auch viele Streichungen oder Verlagerungen von Jobs.

Kürzlich war bekanntgeworden, dass der nach Bosch zweitgrößte Autozulieferer (Liste Top-100 Zulieferer) die Reifenproduktion in Aachen beenden will. Es ist das außer Korbach (Hessen) einzige verbleibende große Reifenwerk in Deutschland, etwa 1.800 Jobs sind bedroht. Zur Begründung führt der Konzern – wie im Fall Hannovers – Überkapazitäten und eine bereits seit Jahren unterdurchschnittliche Entwicklung der Reifenmärkte an.

Coronakrise nur ein Vorwand?

Arbeitsminister Heil betonte, dass der Staat in der Coronakrise schon viel Verantwortung übernehme – etwa mit dem Kurzarbeitergeld und mit dem Konjunkturpaket. „Das ist jetzt die Stunde, in der sich die Sozialpartnerschaft bewähren muss. Ich erwarte jetzt, dass man bei Continental nicht im Windschatten der Krise Entscheidungen trifft, die man möglicherweise vorher schon erwogen hat.“ Vielmehr müsse das Unternehmen im Gespräch mit den Gewerkschaften Lösungen finden, um möglichst viele Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten.

Teile der Conti-Belegschaft argwöhnen seit längerem, dass das Management die Struktur- und nun auch die Coronakrise als Vorwand nutzen könnte, um ohnehin missliebige Standorte zu schließen und die dortigen Jobs an billigere Auslandsstandorte zu verlagern. Conti hängt mit seinen Zulieferteilen nicht nur direkt von der Produktion der Autohersteller ab, sondern mit seinem Reifengeschäft auch von der Erstausstattung neuer Fahrzeuge. Vor Heil hatten unter anderem NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), sein niedersächsischer Kollege Stephan Weil (SPD) und der Bundeschef der Gewerkschaft IG BCE, Michael Vassiliadis, die Abbaupläne scharf kritisiert.

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