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Entwicklung Clous: „Hersteller zahlen für die halbe Lieferzeit den doppelten Preis“

| Autor: Svenja Gelowicz

Mittelständlern im Werkzeugbau fehlen häufig Ingenieure, die Konkurrenz in Fernost wird stärker. Ein Start-up namens Clous hat deshalb eine Plattform für die Auslagerung von Konstruktionsaufgaben entwickelt. Wie Crowdsourcing in die Engineering-Branche Einzug halten soll.

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Clous möchte Konstruktionsaufgaben aus dem Werkzeug- und Formenbau über eine digitale Plattform vermitteln.
Clous möchte Konstruktionsaufgaben aus dem Werkzeug- und Formenbau über eine digitale Plattform vermitteln.
(Bild: Clous)

Claas Blume hat mit 24 Jahren zum ersten Mal ein Unternehmen gegründet. Damals hat er noch Maschinenbau studiert und brachte mit Kommilitonen Sticker für Apple-Geräte auf den Markt. Blume, mittlerweile 32, gründet gerade wieder, doch dieses Mal soll das Unternehmen nicht weniger, als eine ganze Branche verändern, nämlich den Werkzeugbau.

Werkzeug- und Formenbau sind das letzte Glied in der automobilen Wertschöpfung.

„Werkzeug- und Formenbau sind das letzte Glied in der automobilen Wertschöpfung. Der Zeitdruck ist immens, der Kostendruck ebenfalls“, sagt Blume, der am Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik arbeitet. Auch, weil Wettbewerber in China mittlerweile zu einer starken Konkurrenz aufgestiegen sind. „Nicht zuletzt ist der Fachkräftemangel hierzulande hoch“, so Blume, gerade kleineren Unternehmen und Mittelständlern fehlten Ingenieure.

Crowdworking spart wertvolle Zeit

Claas Blume ist einer der beiden Gründer von Clous.
Claas Blume ist einer der beiden Gründer von Clous.
(Bild: Clous)

Daher will er zum Jahreswechsel eine Plattform in den Markt bringen, über die Unternehmen Konstruktionsaufgaben vergeben können. Das Prinzip Crowdworking ist grundsätzlich nicht neu, ein Algorithmus soll es trotzdem gänzlich einzigartig machen. Funktionieren soll das so: Unternehmen laden eine Anpassungskonstruktionsaufgabe auf einer cloudbasierten Plattform hoch. Algorithmen analysieren und zerkleinern die Konstruktionsaufgabe in viele kleine Aufgabenpakete. Das könnte ein Platinenschnittwerkzeug sein, woraus am Ende ein Kotflügel entstehen soll. Ein Ingenieur bräuchte etwa einen Tag für eine Schneideinheit, von denen man ungefähr zwischen 20 und 30 Stück benötige. Das frisst wertvolle Zeit.

„Diese Teilaufgaben können Unternehmen über unsere Plattform an Ingenieurbüros oder Freelancer weltweit vergeben“, sagt Blume. Am besten eigneten sich Aufträge, die ein bis drei Arbeitstage dauern: Sie seien nicht zu komplex, man brauche wenig Abstimmung. Der Lösungsraum sei klein, dafür brauche es oft wenig Erfahrung im Engineering. „Die Intelligenz steckt in der Aufgabenzerteilung“, so Blume, die Aufgabenpakete könnten, wenn nötig, auch noch angepasst werden. Sind sie erledigt, setze die Software die Ergebnisse wieder zusammen. Der Clou, sagt Blume, sei dabei der Schutz von IP, also von geistigem Eigentum. „Bislang durften Konstruktionsunternehmen Aufträge nicht extern vergeben. Durch unsere Software ist nicht mehr erkennbar, was eigentlich das Gesamtergebnis der Konstruktion ist“.

Die Qualität muss stimmen.

Clous-Algorithmen zerstückeln die Arbeit

Dafür bedarf es neben einem Zerhäcksel-Algorithmus – „Clous.Engine“ genannt – und einer Plattform natürlich noch derjenigen, die die Arbeit ausführen. Und da es natürlich auch ums Geldsparen geht, sitzen die fleißigen Helfer in der Vision der Gründer unter anderem auch in Indien oder anderen asiatischen Ländern; in Südamerika, in Osteuropa. „Die Lohnkosten sind dort immer noch deutlich niedriger. Trotzdem überprüfen wir natürlich die Community durch die entsprechenden Zertifikate, die Qualität muss stimmen“, sagt Blume. Der Preis richte sich nach der Komplexität, manche Aufgaben könnte sogar ein Maschinenbau-Student günstig umsetzen. Das Gegenteil sei dann das „Premium-Engineering“ von etablierten Entwicklungshäusern. Solche Jobvermittlungsseiten gibt es in anderen Branchen längst, zum Beispiel in der Kreativwirtschaft oder der Softwareentwicklung – nicht ohne Kritik, gerade was Preise und Qualität angeht.

Macht man sich damit nicht ein Stück weit die Branche kaputt, die Preise für Engineering? Nein, sagt Blume, denn die Wertschöpfung liegt nicht in der Konstruktion, sondern in der Innovation. „Wir haben mit OEMs gesprochen. Für die halbe Lieferzeit würden sie den doppelten Preis zahlen“, meint der Gründer. Außerdem könnte man die eigenen Konstruktionsabteilungen besser auslasten. Wie viel Geld Unternehmen damit sparen können, will Blume nicht sagen.

Der Ingenieur verändert sich

Nicht müde zu betonen wird er, dass sich das Berufsbild des Ingenieurs wandele, nämlich hin zum Projektmanager. Die Plattform sei dann eben ein Projektmanagement-Werkzeug, über die der Mitarbeiter die Aufgaben delegieren könnte, Vertrag und Bezahlung würden automatisiert über die Software abgewickelt. Freilich muss dafür das Verhältnis von Auftraggebern- und Nehmern stimmen.

EDL-Circle

Die Automobilindustrie ist auf Digitalisierung getrimmt: Autonomes Fahren, Elektromobilität, Shared Mobility und Connectivity. In dieser Vielfalt teils neuer Entwicklungsbereiche müssen die Dienstleister ihre Rolle finden. Das exklusive Treffen der EDL-Branche thematisiert aktuelle Herausforderungen neuer Entwicklungsbereiche. Unter anderem wird Class Blume das Start-up Clous und dessen Plattform vorstellen.

Alle Informationen

Noch feilen die Jungunternehmer mit acht Mitarbeitern in der Ausgründungsabteilung „Company-Builder“ der Fraunhofer-Gesellschaft an ihrem Geschäftsmodell. Zum Start gab es 50.000 Euro, in einer weiteren Stufe konnte Clous eine weitere sechsstellige Summe einfahren. Anfang des Jahres soll die Plattform dann offiziell starten, gerade testen zwei Unternehmen die Software in einer Beta-Version.

Wir wollen möglichst schnell möglichst groß werden.

Die Ziele von Clous sind jedenfalls ambitioniert: „Wir wollen möglichst schnell möglichst groß werden“, sagt Blume, man wolle rasch international Fuß fassen. Wie üblich bei solchen Plattformen wollen die Berliner mit einer Servicegebühr Geld verdienen. Kleinere Umsätze soll es von Beginn an geben, nach einem Jahr folgten dann die ersten größeren Beträge. 20 bis 30 Mitarbeiter will das Unternehmen in den nächsten zwei Jahren einstellen. Ob diese dann originelle Sticker für ihre Diensthandys bekommen bleibt offen.

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Über den Autor

 Svenja Gelowicz

Svenja Gelowicz

Autojournalistin