Neue Sicherheitsvorkehrungen an handbedienten Maschinen bei Hirschvogel

06.11.2015

Ein neues Sicherheitskonzept wurde an handbedienten Pressen eingeführt, um den Hirschvogel-Mitarbeitern mehr Sicherheit zu gewährleisten.

Im November 2014 hat sich bei der Hirschvogel Umformtechnik GmbH in Denklingen ein Arbeitsunfall an einer handbedienten Warmpresse ereignet. Dabei verlor ein Mitarbeiter das Gleichgewicht und stützte sich mit der rechten Hand im Arbeitsraum der Presse ab. Der linke Fuß war noch auf dem Fußschalter, sodass der Pressenhub ausgelöst wurde und er sich die Hand verletzte. Nach diesem bedauerlichen Unfall wurde schnell nach Verbesserungen des Sicherheitskonzepts an handbedienten Warmpressen gesucht, um künftig solche Unfälle zu vermeiden.

Schließlich waren es zwei Firmen, die eine sicherheitstechnische Lösung ausgearbeitet haben. Links und rechts am Pressenständer wurde je ein Lichtgitter eingebaut. Diese neue Generation von Lichtgittern kann in der Empfindlichkeit des Lichtgitterabstands eingestellt werden, um das Anlaufen der Presse zu verhindern, sobald sich eine Hand oder ein Gegenstand > 30 mm im Schutzfeld des Lichtgitters befindet. Der Maschinenbediener kann mit den Griffen der Schmiedezange im Schutzfeld verbleiben, sie horizontal, vertikal oder schräg bewegen, ohne dass es zu einer Störung kommt, da der Durchmesser der Schmiedezangengriffe 28 mm beträgt. Sollte sich beim Hubauslösen der Presse ein Körperteil wie zum Beispiel eine Hand im Gefahrenbereich befinden, wird die Hubauslösung gesperrt. Somit ist eine Verletzungsgefahr ausgeschlossen.

So konnte eine Lösung zur Erhöhung der Arbeitssicherheit für die Hirschvogel-Mitarbeiter gefunden werden. Gemeinsam mit der Firma Sick wurde ein Sicherheitskonzept ausgearbeitet, das an einer Presse bei Hirschvogel montiert und getestet wurde. Das Sicherheitskonzept besteht im Wesentlichen aus einem Lichtgitter, das in ähnlicher Form bereits an handbedienten Kaltpressen verwendet wird. Diese neuen Lichtgitter verfügen über eine zusätzliche Funktion, das sogenannte „Variable Muting“, die es ermöglicht, den Schaft der Schmiedezange von Körperteilen zu unterscheiden.

Die Montage der Lichtgitter und Einbindung in die Pressensteuerung führten die Hirschvogel-Mitarbeiter selbst durch. Als besonderes Feature wurde eine Maske in die Diagnosesoftware einprogrammiert, die den Verschmutzungsgrad des Lichtgitters anzeigt, sodass die Mitarbeiter präventiv eine Reinigung durchführen können. Ergänzend wurde an der Presse ein Fußschalter mit einer zusätzlichen Sperrklinke im Zehenbereich integriert, die ein ungewolltes Niederdrücken und somit eine Hubauslösung verhindert.

In der Planungsphase stimmte man die Einbindung dieser Funktion in das Sicherheitsprogramm der Presse mit dem Pressenhersteller ab. Vor dem Probebetrieb wurde eine sicherheitstechnische Überprüfung des nachgerüsteten Systems mit Nachlaufwegmessung und eine erneute Pressenprüfung durchgeführt. Eine Vorabpräsentation wurde bei Inbetriebnahme mit dem Gewerbeaufsichtsamt, den Aufsichtspersonen der zuständigen Berufsgenossenschaft und dem Fachausschuss für Pressen durchgeführt. Nach positiver Bewertung ist Hirschvogel zu der Entscheidung gekommen, dass alle handbedienten Warmpressen mit diesem Lichtgitter und Fußschalter umgerüstet werden, um den Mitarbeitern mehr Sicherheit zu garantieren.

Link zum Video: https://youtu.be/xWYiBVz_fQo

                                                                                                                        

Bild: Sicherheitsvorkehrung an einer Presse von Hirschvogel.