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Unfälle Höheres Risiko für kleine Menschen

| Autor / Redakteur: SP-X / Bernd Otterbach

Kleinere Autofahrer sind bei Unfällen einem höheren Verletzungsrisiko ausgesetzt als größere. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Unfallforschung der Versicherer (UDV).

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Die Organisation fordert deshalb von der Autoindustrie, die Sicherheit am Steuer für kleinere Personen zu verbessern.

Vor allem in Kleinwagen müssen Fahrzeuglenker bis zu einer Körpergröße von etwa 1,65 Metern bei Unfällen schwerste Verletzungen an Füßen, Knien, Oberschenkeln und Becken befürchten. Der Grund ist eine für diese Personengruppe falsche Sitzposition. Um die Pedalerie problemlos zu erreichen, rücken Kleinere mit dem Körper so nahe an Lenkrad und Armaturenträger, dass bei einem Unfall extrem hohe Kräfte auf den Körper einwirken.

„Allein wenn die Pedale um drei bis vier Zentimeter verlängert werden, damit weiter in den Fahrzeugraum reichen und so der Sitz weiter nach hinten gerückt werden kann, verringern sich die Aufprallkräfte für den Bereich vom Becken abwärts um 80 Prozent“, sagt Siegfried Brockmann, Leiter der UDV, eine Einrichtung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

In einem Crashtest mit einem entsprechend kleinen Dummy am Steuer haben die Unfallforscher das jetzt nachgewiesen. Brockmann rät beim Autokauf deshalb zu einer Sitzprobe. Dabei sollte bei durchgestrecktem Bein und durchgedrückter Kupplung das Knie sechs bis sieben Zentimeter Luft zum Armaturenbrett haben.

Variable Pedalerie

Die UDV fordert zudem, bei Crashtests auch kleinere Dummys einzusetzen, wie es in den USA bereits üblich ist. Variabel einzustellende Pedalerie oder Sollbruchstellen am Armaturenbrett nennt Brockmann als Vorschläge für bauliche Veränderungen der Autos. Bestehende Lenkrad-, Sitz- und Gurtverstellmöglichkeiten haben dagegen auf die Verletzungsschwere der unteren Extremitäten kaum Einfluss.

Ausschlaggebend für die Untersuchung waren Daten, bei denen anders als in amtlichen Statistiken zwischen Schwer- und Schwerstverletzten unterschieden wurde. Eine Differenzierung, die den Unfallforschern schon seit geraumer Zeit am Herzen lag. Sie wollen auch Schwerstverletzte erfasst wissen, da als „schwer“ verletzt schon jemand gilt, der nach einem Unfall für 24 Stunden zur Beobachtung im Krankenhaus aufgenommen wird.

Unterschied zwischen „Schwerverletzten“ uns „Schwerstverletzten“

Um den Begriff „Schwerstverletzt“ messbar zu machen, berufen sich die Forscher auf den so genannten ISS (Injury Severity Score), der auch von Medizinern angewandt wird. Dabei werden einzelne Verletzungen in Schweregrade eingeteilt. Legt man diesen Maßstab zugrunde, gibt es nach Unfällen fast genauso viel schwerstverletzte Frauen wie Männer. In amtlichen Statistiken sind bei den Schwerverletzten aber weniger Frauen aufgeführt. Eine Diskrepanz, die die Unfallforscher vor allem auf die unterschiedlichen Körpergrößen von Männern und Frauen und die daraus resultierenden Unfallfolgen zurückführten. Brockmann: „Wir sind nach unseren Untersuchungen sicher, dass die Ergonomie und der Insassenschutz vor allem ihn Kleinwagen kleineren Personen nicht gerecht werden.“

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