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Stahlindustrie Hohe Nachfrage progostiziert

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Die anhaltend robuste Konjunktur wird nach Einschätzung der Wirtschaftsvereinigung Stahl auch in diesem Jahr weltweit für eine lebhafte Nachfrage nach Stahl sorgen.

( Archiv: Vogel Business Media )

Die anhaltend robuste Konjunktur wird nach Einschätzung der Wirtschaftsvereinigung Stahl auch in diesem Jahr weltweit für eine lebhafte Nachfrage nach Stahl sorgen. "Zwar ist damit zu rechnen, dass sich das Wachstum leicht abschwächen wird. Doch stehen die Signale für einen langfristigen Stahlaufschwung günstig", sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Dieter Ameling, in Düsseldorf bei der "Handelsblatt"-Tagung "Stahlmarkt 2007".

Belastend dürften die anhaltend hohen Kosten für Energie und Rohstoffe wirken. Nach einem Plus von 9 Prozent im vergangenen Jahr sei 2007 mit einem Anschwellen der Weltrohstahlproduktion um 3,4 Prozent auf 1,29 Milliarden Tonnen zu rechnen, sagte Ameling.

"Wie in den Vorjahren werden es vor allem Brasilien, Russland, Indien und China sein, die die Drehzahl des Stahlwachstumsmotors auf hohen Touren halten." China habe sich mittlerweile aber von einem Stahlimporteur zu einem Stahlexporteur gewandelt, der zunehmend auf die Märkte in den USA und Europa dränge.

Chinesische Wirtschaft will sich Erzvorräte sichern

Abgesehen von staatlichen Subventionen für chinesische Stahlunternehmen sei auch der Trend zu chinesischen Beteiligungen an Bergbauunternehmen Besorgnis erregend, um sich den Zugang zu Erzvorräten zu sichern. Hier sei die Politik gefragt. "Sie muss eingreifen, wenn ein freier und fairer Zugang unserer Industrie zu den internationalen Rohstoffquellen behindert wird." Die Lage bei den Rohstoff- und Energiepreisen bleibe angespannt, sagte Ameling weiter.

So weise der Trend bei den Kohlepreisen zwar wieder nach unten, beim Eisenerz seien dieses Jahr aber erneut Preissteigerungen zu befürchten. "Damit würde sich der Rohstoff im fünften Jahr in Folge verteuern." Die Aussichten für die deutsche Stahlindustrie mit rund 91.000 Beschäftigten seien auch dank der guten Inlandsnachfrage wegen des Baubooms gut.

In Deutschland dürfte die Produktion mit rund 47 Millionen Tonnen auf dem hohen Niveau des Vorjahres verharren, sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung. "Mehr als im Jahr 2006 hätten wir nicht produzieren können." Die hohen Kosten und Investitionen seien bislang an die Kunden weitergegeben worden.

Stahlindustrie gegen Klimaauflagen

Durch die Energiepolitik der Bundesregierung und die Klimaauflagen der EU-Kommission drohe aber eine Benachteiligung der Branche. "Die Klimavorsorge ist kein Feld für nationale oder europäische Alleingänge", sagte Ameling. Klimaabkommen wie das Kyoto-Protokoll seien nichts wert, wenn sich Staaten wie die USA, China und Indien nicht beteiligten.

Sollten die Auflagen für die deutsche und europäische Stahlindustrie weiter verschärft werden, bedeute dies Mehrbelastungen und eine Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit. Bis 2030 werde der weltweite Ausstoß von Kohlendioxid voraussichtlich um ein Drittel auf dann 40 Milliarden Tonnen steigen, sagte Ameling. Haupttreiber dieser Entwicklung seien vor allem die Schwellenländer in Asien und Südamerika. "Europa wird diese Entwicklung allein nicht aufhalten können."

An die Adresse der Bundesregierung appellierte Ameling, den Abschied von der Kernenergie zu überdenken. "Auf absehbare Zeit ist der Weiterbetrieb von Kernkraftwerken einem zügellosen Ausbau der erneuerbaren Energien vorzuziehen." Strom aus Solar- oder Windkraftanlagen seien oft aber "noch weit von der Wirtschaftlichkeit entfernt".