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Fahrbericht Hyundai i20 zeigt deutsche Tugenden

| Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Wehner

Mit dem neuen i20 wollen die Koreaner bei den Kleinwagen weiter Marktanteile gewinnen – und haben das Auto dazu auf deutsche Weise optimiert, um Polo und Corsa Paroli bieten zu können.

Das Basismodell für 11.950 ist nur was für echte Sparfüchse.
Das Basismodell für 11.950 ist nur was für echte Sparfüchse.
(Foto: Hyundai)

Thomas Bürkle kann echt sauer werden, wenn er einen Falschspieler ertappt. Hyundais Chefdesigner für die europäischen Fahrzeuge sagt, dass manche Konkurrenten da den Kunden mit einem simplen Trick mehr Schein als Sein vortäuschen: „Bei deren Autos sieht es auf dem Foto oft so aus, als ob da richtig üppig Fußraum vorhanden wäre – aber dabei haben die bloß die Sitzfläche der Rückbank verkürzt, damit es luftiger aussieht.“

Die Folge: Der Passagier zweiter Reihe kauert auf einem Hocker, die Oberschenkel schweben in der Luft. Aua; das nervt auch den Tester in vielen brandneuen Kleinwagen - selbst aus der Premium-Fraktion. Bürkles jüngster Sprössling, der subkompakte i20, sieht denn auch beim Blick in den Fond nicht wie ein Paradies für Großfüßige aus.

Hyundai i20: Darf's ein bisschen mehr sein?
Bildergalerie mit 18 Bildern

Doch zunächst zu den harten Fakten des Autos, das ab Dezember zu haben sein wird: Der Einstiegspreis liegt mit 11.950 Euro um 400 Euro unter dem des Vorgängers. Praktisch gehen selbst die Hyundai-Verkäufer indes nicht davon aus, dass mehr als zwei, drei Prozent der Kunden diese schlicht „i20“ genannte Basisversion kaufen werden. Denn Klimaanlage oder Radio gibt es dafür nicht mal als Option.

Realistischer rollt der i20-Käufer daher er mit einem Modell vom Hof, das mindestens 13.450 Euro gekostet hat. Dafür gibt es den kleinsten 75-PS-Benziner in „Classic“-Ausstattung. Heizbare elektrische Außenspiegel, Radio mit USB- und Aux-Buchsen oder Klimaanlage sind da schon an Bord.

Wohlgefühl stellt sich beim Fahren mit dem i20 in seinem angestammten Revier ein: der Innenstadt. Die Koreaner haben den Kleinwagen weiter Richtung Komfort getrimmt – und in einer zweiten Ausbaustufe dem 1,2-Liter noch neun PS mehr rausgekitzelt (ab 13.950 Euro). Der Wagen ist im Cityverkehr sehr laufruhig und gleitet sanft und wendig durch das Gewusel der Altstadt von Malaga.

Gutes Raumgefühl

Es sitzt sich auch ausgezeichnet auf den nicht zu harten, aber gut konturierten Plätzen – auch hinten, wohlgemerkt. Vorn ist der Raum in der spürbar gewachsenen Breite sogar gefühlt eine Klasse höher. Der Fahrersitz ist zudem immer höhenverstellbar und auch hochaufgeschossene Passagiere stoßen trotz der leicht flacheren Karosse nicht an die Decke; es sei denn, sie sitzen hinten und es ist das riesige Panoramadach (ab 1200 Euro) eingebaut. Dann wird es für den 1,90 Meter großen Fondpassagier schon enger.

Wer einen rollenden Einkaufskorb mit Potenzial zum Wochenendausflug möchte, ist schon mit der zweitbilligsten Version gut beraten – auch wenn trotz aller Motorenüberarbeitung die versprochenen 4,7 Liter Verbrauch im Drittelmix wohl nicht zu erreichen sind. Es waren auf ersten Testfahrten eher 6,7 Liter. Allerdings führte die im andalusischen Hinterland auch so manche Kurve hinauf ins Hügelige. Und da zeigen sich die Grenzen des kleinen Benziners.

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