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Automobilzulieferer

IAA 2019: Die Sorgen der Zulieferer

| Autor/ Redakteur: dpa / Maximiliane Reichhardt

Viele Endkunden können sich mit der elektrischen Verkehrswende noch nicht anfreunden – auf der IAA hadern auch Hersteller und Zulieferer mit dem Übergang in die neue Autowelt.

Auch der Automobilzulieferer Hella nimmt an der IAA teil. Der MDax-Konzern will seine Geschäfte in China weiter ausbauen.
Auch der Automobilzulieferer Hella nimmt an der IAA teil. Der MDax-Konzern will seine Geschäfte in China weiter ausbauen.
( Bild: Sven Prawitz )

Der europäische Autobauer-Verband (ACEA) verlangt von der Politik deutlich mehr Anstrengungen zum Ausbau der Infrastruktur für alternative Antriebe. „Von unserer Seite bieten wir eine immer weiter wachsende Auswahl an alternativ angetriebenen Autos für die Kunden“, sagte Carlos Tavares, Präsident des ACEA und Chef der französischen Opel-Mutter PSA, am Mittwoch (11. September) auf der Automesse in Frankfurt.

Tavares fordert die Regierungen zu höheren Investitionen auf

„Gleichzeitig müssen sich die Regierungen in der EU dieser Geschwindigkeit anpassen, mit der wir diese Fahrzeuge auf den Markt bringen, indem sie ihre Investitionen in Infrastruktur dramatisch aufstocken“, forderte Tavares. „Sie müssen auch nachhaltige Kaufanreize setzen, die konsistent in der gesamten EU sind.“ Das bisher dünne Ladenetz ist neben der oft geringen Reichweite und dem hohen Preis ein Hauptgrund für die Zurückhaltung bei E-Fahrzeugen.

Einer Studie des Verbands zufolge gab es 2018 in der gesamten Europäischen Union weniger als 145.000 Ladepunkte für Elektroautos. 2030 würden mindestens 2,8 Millionen benötigt. Die europäische Lobbyorganisation der Hersteller sieht sich mit den verschärften Abgasregeln der EU konfrontiert. Spätestens 2021 sollen die CO2-Emissionen neu verkaufter Autos im Schnitt auf 95 Gramm je Kilometer sinken – in der Zeit danach bis 2030 um zusätzlich 37,5 Prozent. Dazu muss der Absatz abgasärmerer Antriebe deutlich zulegen.

Zulieferer müssen sich neu ausrichten

Weil mittelfristig mit mehr E-Autos kalkuliert wird, sind auch Zulieferer gezwungen, sich neu auszurichten. Im Vergleich zu Verbrennungsmotoren ist für den Bau von Elektroantrieben weniger Arbeitsvolumen nötig, aber dafür gibt es ganz andere Kompetenzen. Der Dax-Konzern Continental etwa schwenkt von mechanisch-hydraulischer Technik immer stärker zu Elektronik und Sensorik um – ein Jobabbau bis hin zu betriebsbedingten Kündigungen könnte folgen.

Der Konkurrent Hella kann sich ebenfalls nicht der Schwäche an den Automärkten entziehen. In der zweiten Hälfte des Ende Mai zu Ende gegangenen Geschäftsjahres spürte der MDax -Konzern die flaue Branchenkonjunktur. Firmenchef Rolf Breidenbach sieht zahlreiche Herausforderungen: „Wir müssen lernen, in einem sich konsolidierenden oder vielleicht schrumpfenden Markt Geschäfte zu machen.“

Für den Manager steht derzeit aber kein Abbau eines Teils der rund 40.000 Jobs im Raum. Wegen eines guten Orderbuchs und vieler Instrumente, um Geschäftsschwankungen auszugleichen, sei der Konzern gut aufgestellt. Hella will seine Geschäfte in China weiter ausbauen. China sei nicht nur von der Größe her der wichtigste und dynamischste Markt, sondern auch mit Blick auf verschiedene Technologien, betonte Breidenbach am Rande der Messe. „China ist ein sehr kompetitiver Markt“, verdeutlichte der Vorstandschef des Licht- und Elektronikspezialisten. Spezielle Produktlösungen für den chinesischen Markt sollen dabei genauso helfen wie ein breites Netzwerk und die Zusammenarbeit mit starken Industriepartnern.

Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld empfindet den Umbruch der Autobranche auch als Ansporn für die Zulieferindustrie. „Ich sehe den Wandel als große Chance, wenn man es jetzt richtig macht“, sagte er am Rande der IAA. Trotz der derzeitigen Branchenkrise werde es Autozulieferer auch noch 2030 geben. Gleichwohl stünden diese in Anbetracht der E-Mobilität vor großen Herausforderungen. Mit Blick auf die Jobs dürfe man sich nichts vormachen: „Der Elektroantrieb braucht weniger Teile.“

Clepa fordert klare Industriepolitik

Der europäische Verband der Automobilzulieferer (Clepa) fordert angesichts der Branchenschwäche und des technischen Umbruchs von der EU eine klare Industriepolitik. „Europa steht am Scheideweg“, sagte der Präsident des Zulieferverbandes Clepa, Roberto Vavassori, am Mittwoch (11. September). „Die Wettbewerbsfähigkeit ist unter Druck, und die Wirtschaftskraft schwächelt. Zugleich spüren wir in der EU Belastungen aus Mängeln am Regulierungsrahmen“, sagte Vavassori. Die Bemühungen der EU sollten darauf abzielen, die Technologieführerschaft in kritischen Feldern wie Sensoren, künstlicher Intelligenz und fortgeschrittener Batterieproduktion zu erreichen, damit nicht andere Regionen eine dominierende Rolle bekämen.

Konkret müsse die finanzielle Unterstützung für Forschung und Entwicklung eine wichtige Rolle im Wettbewerb mit anderen Weltregionen spielen. Man brauche so hohe Budgets wie in den USA, China, Japan und Korea. Die Prozesse müssten unbürokratisch und technologieneutral sein.

IAA: Proteste gegen SUVs

Auf der Messe ziehen die neben E-Autos nach wie vor stark präsenten Stadtgeländewagen (SUVs) Proteste von Klimaschützern auf sich. Eine Debatte entzündete sich auch an der Gefahr durch die hohen Fahrzeuge bei Unfällen – kürzlich waren bei einer Kollision in Berlin vier Menschen gestorben. „Ich halte relativ wenig von Regulierung“, sagte Porsche-Chef Oliver Blume den Sendern n-tv und RTL. „Nichtsdestotrotz kann man sich auch in den deutschen Städten Gedanken machen, ob SUVs da die richtigen Fahrzeuge sind.“ Dies liege bei den Autofahrern.

Die E-Mobilität wird zunehmend auch zum Thema für die Autobanken. So will die Finanztochter von Volkswagen potenzielle Elektroauto-Kunden stärker ansprechen. „Wir wollen den Privatkunden ein Stück Angst vor der Elektromobilität nehmen“, sagte Leasing-Chef Jens Legenbauer in Frankfurt. Dem Manager zufolge setzt der VW-Konzern 80 Prozent seiner Elektrofahrzeuge über die Finanzsparte Volkswagen Financial Services ab. Kunden könnten Batterie- oder Hybridfahrzeuge so zunächst ausprobieren – und damit könnten die Berührungsängste schwinden.

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