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Wirtschaft IG Metall: Hilfsfonds muss gefährdete Zulieferer übernehmen können

| Autor / Redakteur: dpa / Svenja Gelowicz

Können Automobilzulieferer den Technologiewandel nicht stemmen oder geraten wegen der Nachfragekrise in Geldsorgen, so soll ein Hilfsfonds einzelne Unternehmen für einen begrenzten Zeitraum übernehmen können. Die IG Metall will außerdem die Kunden der Zulieferer stärker in die Pflicht nehmen.

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Die Automobilindustrie kommt angesichts der Corona-Folgen und des Umbaus zu alternativen Antrieben zunehmend ins Schlingern. Verschiedene Rettungsszenarien stehen im Raum.
Die Automobilindustrie kommt angesichts der Corona-Folgen und des Umbaus zu alternativen Antrieben zunehmend ins Schlingern. Verschiedene Rettungsszenarien stehen im Raum.
(Bild: Feig Electronic)

Der geplante Hilfsfonds für in Finanznot geratene Automobilzulieferer muss aus Sicht der IG Metall die Möglichkeit haben, einzelne Firmen für eine Übergangszeit zu übernehmen. In einem Papier der Gewerkschaftszentrale, das der Deutschen Presse-Agentur am Freitag vorlag, wird dies mit Blick auf Betriebe vorgeschlagen, in denen sich ein Großteil des Angebots nicht auf neue Technologien umstellen lässt. Vor allem kleineren Unternehmen macht der Umbruch zu alternativen Antrieben, Digitalisierung und Vernetzung zu schaffen.

Beim „Autogipfel“ mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) war jüngst der Aufbau eines Fonds diskutiert worden, der das Eigenkapital betroffener Zulieferer stärken soll. Wer sein Geschäft mit Teilen für klassische Verbrennungsmotoren in den kommenden Jahren nicht entsprechend reduzieren kann, dem drohen Aufträge wegzubrechen. Hinzu kommt aktuell die akute Nachfragekrise infolge der Corona-Pandemie.

IG Metall will Kunden in die Pflicht nehmen

Die Abteilung für Fahrzeugbau im Frankfurter IG-Metall-Vorstand fordert: Bei Firmen, in denen sich „Portfolios zwangsläufig perspektivisch verkleinern“ und gleichzeitig „Alternativen, wie die Weiterentwicklung im Konzern, nicht realisiert werden können“, müsse ein Einstieg des Fonds möglich sein. Diese Betriebe würden dann „mehrheitlich übernommen und bis zum Auslaufen der nicht erneuerbaren Produkte professionell begleitet“. So lasse sich auch unvermeidlicher Personalabbau „entsprechend der Altersstruktur der Beschäftigten gut und sozialverträglich“ planen. Verbleibende Gewinne könnten in die Weiterbildung oder Ausstattung von Transfergesellschaften fließen.

Die Gewerkschaft betont, dass sich neben dem Staat auch die privaten Geschäftspartner bedrohter Zulieferer beim Fonds engagieren müssten. Man sehe „die Kunden in der Pflicht, sowohl durch die Beteiligung am Fonds wie durch langfristige Abnahmeverpflichtungen“.

Generell heißt es zu einem möglichen Transformationsfonds: „Es gibt ausreichend Kapital im Land, das derzeit nach Anlagemöglichkeiten sucht.“ Die SPD hatte sich schon vor dem „Autogipfel“ für eine teilstaatliche Finanzierung ausgesprochen. Besonders kleine und mittelständische Zulieferer haben zusehends Probleme, neue Kredite für Investitionen zu bekommen.

Sorge vor „industriellen Wüsten“

Auch die Förderung in regionalen „Clustern“ muss nach Meinung der IG Metall vorankommen. Hieran sollten sich Bund und Länder beteiligen – sonst drohten in einigen Gegenden „industrielle Wüsten und ein massiver Verlust von Arbeitsplätzen“. Im stark von der Autoindustrie abhängigen Niedersachsen wurde das Projekt „Transformationslotsen“ gestartet. Dabei fördern Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften zusammen Qualifizierungsangebote für Mitarbeiter der Branche.

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